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#124 |
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Montag, 2. Juni 2008 |
Liebe curt-Freunde,
Es ist vollbracht: wir sitzen im neuen Büro und genießen nun endlich Telefon- UND Internetzugang. Wie Primaten fühlten wir uns, wie Hinterwäldler, wie Amish People. Wie in die Vergangenheit katapultiert. Immer wieder hörten wir wildfremde Leute hinter unseren Rücken tuscheln: „Schau Dir mal diesen Bauern an.“ „Sieht der nicht wie ein Primat aus? Der hat so was unangenehm Primitives an sich!“ Oder: „Dieser Hillbilly merkt gar nicht, wie Panne er ist.“ Aber am schlimmsten war, als das Nachbarskind zu seinem Kindergartenkollegen tuschelte: „Dieser Mann da ist dumm wie Brot. Wie offline-Brot!“ Und dann verschickte der Rotzlöffel ein Handyfoto von mir an seine Kumpels, es wurde so ein virales Ding draus und die ganze Welt lachte über mich.
Diese Zeiten sind vorbei. Wir sind wieder wer: High-Tech-Helden, Computertrickser, multimediale Superchecker! Wir surfen und phonen flat und unbegrenzt, skypen und x-en. Genau wie früher. Aber, und das macht uns so wahnsinnig sympathisch und liebenswert: wir freuen uns unglaublich auf den Juni, denn da spielt all das keine Rolle. Denn wir machen dann ganz bodenständige Dinge: schmoren auf Wiesen in Parks unter der Fastsommersonne, gehen zu Festivals, trinken in Biergärten, grillen in Privatgärten und schwimmen im Schmetterlingstil durch Baggerseen und die Pegnitz. All das gönnen wir uns. Und online gehen können wir dort ja auch und sowieso. Und wenn wir auf den ganzen Ars-Vivendi-Schmarrn dann keinen Bock mehr haben, dann gehen wir in unser neues Büro. Da ist es sowieso viel schöner, jetzt, wo wir neben einer achtköpfigen Model-WG residieren und nach getaner Arbeit am gemeinsamen Pool abhängen können. Hugo vom Vorderhaus ist Koch und schmeißt großzügig fast täglich den Gemeinschaftsgrill an. Sein Kumpel Bruno, Brauereibesitzer, kommt dann immer mit Freibier und lädt alle ein. Dessen Verlobte Vanessa ist Stripperin und übt nach der zweiten Halben an der Leiter zum Sprungbrett ihre neuesten Choreografien, die dann unsere hübschen Nachbarinnen gerne mal nachturnen. Unser Christoph hat es besonders schwer: er muss dann immer im Keller warten, wenn die Mädels doch mal zu freizügig rumhupfen. Er ist ja noch jung und wir wollen ihn behutsam ranführen an die wild ausgelebten Laster der Magazine Playboy, Hustler oder curt. Wir hatten dieses Verleger-Rockstar-Leben auch nicht von Anfang an drauf. Das muss man lernen, das ist harte Arbeit! Ja. So ist das.
Nur das Beste und mehr,
das wünscht Euch das jetzt schon verschwitzte curt-Team |