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PRINT // WAS CURT SO MACHT

# 52
Freitag, 1. Juni 2007
VORWORT

Wieder einmal bin ich auf meiner Lieblingsinsel und wieder einmal genieße ich die Sonne, den lauen Wind und das andere Tempo, das mich hier immer erwartet. Manche Konstanten braucht man eben im Leben. Der Tourismus ist leider weniger konstant, er wächst von Mal zu Mal. Und während ich normalerweise das übliche Sprachengewirr recht gern habe und es genieße, hin und wieder mit Menschen aus verschiedenen Teilen der Welt zu sprechen, gibt es Tage, an denen mir ob dieser Besucherströme eher unwohl ist. Denn alle paar Wochen verändert sich die Stadt in einem besonderen Maß. Wohin man auch geht, man hört plötzlich nur noch Menschen, die sich auf Deutsch unterhalten. Dann ist klar, und man muss nicht extra zum Hafen gehen, um zu ahnen, dass das Clubschiff Aida wieder vor Anker liegt. Etwa zweimal im Monat spricht man also Deutsch in der Hauptstadt; einen Tag lang zumindest, denn so lange macht ein Kreuzfahrtschiff hier in der Regel halt. Man sieht dann Gruppen von Mountainbikern, die in vollgeschwitzten Downhill-Panzern auf vollgefederten Rädern und mit hochroten Köpfen die Fußgängerzone hoch fahren, in ihren schnittigen Sportsonnenbrillen (oder Augenprotektoren?) wie ein Schwarm Wespen an Juwelieren und Modeläden vorbeisprinten, während die ersten Menschen sicher schon wieder an Bord ihres Kreuzers sind, um die Sonnenliegen am Oberdeck mit Ihren Handtüchern zu besetzen. Man sieht Menschen jeden Alters in partnerfarbenen Windbreakern und Funktionskleidung, die ganz bestimmt vor Gletscher- oder Wüstenstürmen schützen, die es hier natürlich gar nicht gibt. Man sieht Familien, die an ihrer Trekkingausrüstung gemessen geradewegs aus dem Dschungel, anstatt, wie tatsächlich, aus dem Mc Donald‘s zu kommen scheinen und es wird einem klar, bei einem Nuklearschlag wird es der deutsche Tourist sein, der am Ende überlebt. Zusammen mit den Kakerlaken. Den Einheimischen, die in Anzügen und Krawatte oder in normaler Sommerbekleidung - manche noch nicht einmal mit einer Notration Wasser – durch dieselben Straßen laufen, wie die germanischen Völkerwanderer, scheinen dies gar nicht mehr zu bemerken. Ich setze mich dann gerne in ein Café, achte auf eine konstante Versorgung mit Getränken und beobachte das teutonische Treiben. Wenn die Sonne langsam untergeht und die Straßen leerer werden; wenn die Läden langsam schließen und der Wirt langsam die Tische zusammenklappt; wenn ich das Gefühl habe, außer meiner eigenen auch noch viele andere Sprachen zu hören; erst dann stehe ich auf und mache mich auf den Weg nach Hause.

Euer Thomas


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