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PRINT // WAS CURT SO MACHT

# 51
Donnerstag, 1. März 2007
VORWORT

Neulich klingelt es an meiner Haustür. „Schon wieder der Arsch von der GEZ?“, denke ich und schaue durch den Spion. Es ist aber nur ein Schimpanse in einem Cordanzug, ein Schild in der Hand: „Der Chef will dich sofort sehen!“, steht drauf. Ich öffne die Tür. „Und übrigens könntest du auch mal wieder zu einer Redaktionssitzung kommen“, spricht mich der Affe an. Er klingt wie Cornelius aus diesem Affenfilm mit Charlton Heston. Aber wie gesagt, mich wundert bei der Redaktionsleitung nichts mehr. „Ich war doch noch nie bei einer Sitzung, ich bin freier Mitarbeiter. Und überhaupt, du könntest dich ruhig erst mal vorstellen“, antworte ich. Der Affe sieht mich streng an, als wäre er Widerspruch nicht gewöhnt. Er reicht mir einen Umschlag mit einem Erste-Klasse-Flugticket. „Morgen, fünf Minuten vor Mitternacht, Paris. Am Eiffelturm, Ostpfeiler“, schnarrt er mich an, macht auf dem Absatz kehrt und geht die Treppe runter. In seinem Anzug sieht er richtig schnittig aus. „Juan Moreno muss bei der SZ doch auch nie zu einer Redaktionssitzung!“, rufe ich ihm noch nach. Er dreht sich um und zieht eine Augenbraue hoch. Grob gedeutet soll das wohl in etwa heißen: ‚Das ist ja schließlich auch Juan Moreno, du Pfeife.‘ Äußerst subtile Mimik, nicht nur für einen Primaten, denke ich. Wo der Chef nur immer dieses Personal auftreibt…
Die nächste Nacht am Eiffelturm vor dem Pfeiler. Außer mir nur ein verliebtes Pärchen im Schatten des Turms. Ein Fahrstuhl fährt herab und ich betrete ihn durch seine auseinandergleitenden Türen. Anstatt mich aber hinauf zu fahren, versinkt er im Sockel des Stahlpfeilers und landet in einer gigantische Höhle, in deren Decke ein identischer Eiffelturm wie ein Stalaktit-Kopf frei nach unten hängt. Ich fahre bis an die Spitze, also den tiefsten Punkt des Turmes, und verlasse den Lift. An einem Schreibtisch aus dem gleichen alten, patinierten Stahl des Eiffelturmes sitzt der Chef. „Willkommen in unserem neuen Büro, Thomas!“ Seine Stimme hallte in der riesigen Höhle etwa fünf Minuten nach. „Das Heft läuft gut, wir sind wieder umgezogen. Wie gefällt es dir?“ „Witzige Einrichtung. Ich mag gebrauchte Möbel. Wirklich.“, erwidere ich, „Aber Du hast mich jetzt nicht wieder hierher bestellt, nur um mir das neue Büro zu zeigen, oder?“ „Eigentlich schon. Freut mich aber, wenn es Dir gefällt. Dieser Moreno fand‘s scheiße. Du kannst jetzt gehen.“ Also verließ ich Paris wieder. Sagte ich bereits, dass mich nichts mehr wundert?

Euer Thomas


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