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# 50 |
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Donnerstag, 30. November 2006 |
VORWORT
Seit einigen Jahren gibt es im Vereinsfußball einen Trend: Mehrfachmilliardäre halten sich Mannschaften scheinbar zu ihrem Privatvergnügen. Als ein teures Hobby, so wie andere Leute Brieftauben oder Kaninchen züchten. Der FC Chelsea in London mit Roman Abramovich als Eigentümer, ist eine dieser Mannschaften; es gibt aber ähnliche, verstreut auf der ganzen Welt.
Deren Besitzer kommen auffällig oft aus der ehemaligen Sowjetunion, haben irgendetwas mit Banken oder Öl zu tun (also ehemaligen Staatsmonopolen) und haben kurz nach dem Zusammenbruch des Sozialismus scheinbar die richtigen Leute gekannt und die richtigen Entscheidungen getroffen. Diese Menschen sind stinkreich geworden, da waren sie jünger als ich jetzt. Wenn sie nicht sowieso ihre eigene Bank besitzen, haben sie doch mindestens eine eigene Bankleitzahl oder eine Zweigstelle, die nach ihnen benannt ist, und ihre Kreditrahmen bewegen sich im Bereich des Jahresumsatzes aller Spielkasinos in Las Vegas. Ich dagegen bekomme schon so viele Email-Anfragen meines Bankberaters, wann ich denn endlich wieder Geld einzahle, statt immer nur abzuheben, dass meine Software sie schon automatisch in den Spam-Ordner legt. Das ist einfach nicht fair. Die Abramovichs dieser Welt haben etwas an mir gutzumachen, sie schulden mir was und deshalb bewerbe ich mich hiermit als neuer Spieler für den FC Chelsea. Ein Team, für das der Besitzer Spieler kauft, wie andere Leute Aufschnitt. Darf' s ein bisserl mehr sein? Aber gerne doch, und dann aber auch noch hiervon, hiervon und hiervon... So jemand könnte doch auch einmal Größe und Sportsgeist beweisen und eine absolute Fußballniete wie mich aufs Feld lassen. Ich stelle mir das folgendermaßen vor: Ich verdiene so etwa 38 Millionen Britische Pfund pro Spielrunde, steuerfrei, habe freie Kost und Logis (wohne erstmal bei Ballack zur Untermiete, bis im Buckingham Palace etwas für mich frei wird) und komme pro Saison etwa für fünf Minuten zum Einsatz. Einmal auf dem Feld verwirre ich die Gegner mit zwischen ihre Beine geworfene Frisbees, laufe wie ein Wiesel mit wedelnden Armen über den Platz und werde wegen wiederholter, unmotivierter Schiedsrichterbeleidigung vom Platz gestellt. Noch bevor der Trainer mich gegen einen der Superstars der Mannschaft auswechseln kann. Die Zeitungen sind am nächsten Tag voll von meinen Allüren und Lobliedern auf Abramovich, was er für ein verrückter, spleeniger Vogel ist. Und ich habe für ein Jahr meine Ruhe und alle sind glücklich.
Roman, wenn Du wirklich weißt, wie das Spiel gespielt wird, ruf mich an.
Ich gebe bis dahin schon mal meinem Bankberater bescheid.
Dein Thomas
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