HOMEMUSIK Im Gespräch mit den Lokalen Leidenschaften
MUSIK
Im Gespräch mit den Lokalen Leidenschaften
Dienstag, 31. Januar 2012
Die Radionsendung für die regionale Musikszene feiert am Samstag, 4. Februar im MUZ Club die Veröffentlichung ihrer zweiten CD, die gleich mal eine doppelte geworden ist. Darüber haben wir uns mit Keisha und Andreas, den beiden Machern hinter diesem spannenden Format, bei der einen oder anderen Dose Bier in der Küche von Radio Z unterhalten.
Was macht ihr im „normalen“ Leben? Andreas: Ich mach internationales Projektmanagement in der Pharmaforschung. Keisha: Ich bin Teamleiterin im Marketing und Sales in einer Agentur.
Wann habt ihr die Lokalen Leidenschaften (LL) übernommen? Andreas: Vor ziemlich genau zwei Jahren.
Wie ist es dazu gekommen? Andreas: Ich hab damals eine Mail vom Musikverein gelesen, in der stand, dass die lokalen Leidenschaften einen Nachfolger suchen. Ich wollte schon immer mal Radio machen und hab kurzerhand beim Andy Morgan, der die Sendung damals gemacht hat, angerufen. Das war am Dienstag vor der ersten Sendung und ich dachte eigentlich, er hat längst jemanden. Hatte er nicht. Keisha: Mich hat der Andy über Myspace gefunden. Ich kenne Radio Z schon immer als den Sender wo wahnsinnig viel über Musik gelabert wird, die ich nicht kenne. Ich komme ja aus der Soul-, HipHop- und R´n´B-Szene. Ich hab dann zuerst gedacht, ich bin in irgendeiner Spam-Schleife drinnen, als ich seine Nachricht gelesen habe und habe so was wie „vielen dank, ich glaube Sie haben sich vertan, ich habe gar keine Ausbildung in diesem Bereich, bitte nehmen Sie mich aus diesem Mailverteiler“ zurück geschrieben. Aber Andy hat geantwortet, dass das keine Spam-Schleife wäre und wenn ich Bock hätte, könnten wir uns einfach mal treffen.
Inwiefern wart ihr, bevor ihr die LL übernommen habt, schon in der lokalen Musikszene vernetzt? Keisha: Dadurch, dass ich selbst Sängerin bin, habe ich schon immer nebenbei Musik gemacht, bin mit Musikern abgehangen und habe in Bands gespielt. Andreas: Ich war hauptsächlich Konsument und bin viel auf Konzerte von Bands gegangen, über die ich in der Intro oder der Visions gelesen habe. Zwischendurch habe ich immer wieder Subkultur-Sponsoring gemacht. Ich habe einfach Bands angefragt, ob sie nicht Lust hätten, in Nürnberg zu spielen und ihnen zum Beispiel das Fahrtgeld zugeschossen.
Wie habt ihr euch beide dann gefunden? Keisha: Wir haben uns erst kurz vor der ersten Sendung zum ersten Mal gesehen. Der Andy hat uns kurz erklärt, für was welcher Regler ist und dann gesagt, „macht mal, ich bin ab Sonntag weg“. Andreas: Und er erzählte uns, dass pro Sendung zwei Bands kommen. Das war eine ganz schöne Aufgabe für uns, gleich für die nächste Woche zwei Bands auf die Beine zu stellen. Da war ich froh, das Keisha da war. Keisha: Man muss sagen, das Erbe von Andy Morgan war ganz schön groß. Das war uns schnell bewusst. Wir haben uns ins kalte Wasser schmeißen lassen. Dass es dann letzten Endes das werden würde, was es jetzt ist, hat damals keiner von uns beiden geahnt.
Was war denn so eure Vision? Keisha: Vision? Also ich habe mit dem Gedanken angefangen, „hoffentlich hört überhaupt irgendjemand zu.“ Aber selbst wenn nicht, hätten wir es trotzdem gemacht glaub ich. Andreas: Ich hätte es einfach schade gefunden, wenn diese Sendung weggefallen wäre. Die lokale Szene ist groß hier, die Lokalen Leidenschaften als wichtige Schnittstelle hatte es schon 23 Jahre gegeben und ich wollte, dass das weitergeht. Andy hatte uns ein Grundgerüst gegeben und dann haben wir bei Null angefangen. Ich war damals viel im Klüpfel, wo viele lokale Bands spielten. Ich hab einfach die ersten drei, die da auf dem Programm standen eingeladen. Keisha: Mir war das alles überhaupt gar kein Begriff und ich hoffte, überhaupt Bands zu finden, die ich auch zuhause hören würde. Das ist jetzt natürlich anders.
Was hat sich für euch in den zwei Jahren verändert? Keisha: Man ist mittlerweile mit dem Machern per Du und merkt, was für interessante Leute das sind. Für viele ist das Musikmachen keine wirtschaftliche Angelegenheit, sondern eine, die aus den Herzen kommt. Das verschweißt einen miteinander, weil wir da ja ähnlich sind. Andreas: Wir machen inzwischen nicht mehr nur die Sendung, sondern unterstützen zum Beispiel die NN-Rockbühne, laden die Leute vom Straßenkreuzer ein, sitzen in Festivalgremien, machen die Livesendung aus der MUZ. Im Idealfall hören die Leute einen Namen durch unsere Aktivitäten einmal mehr, lesen ihn am nächsten Tag vielleicht nochmal in der Zeitung und schauen sich dann das Konzert der Band an. Wir verstehen uns da schon auch als Dienstleister.
Wo ist denn da für euch die Schnittmenge aus Dienstleistung und Herzensangelegenheit? Andreas: Ich glaube wir könnten diese Dienstleitung nicht machen, wenn sie nicht auch eine Herzensangelegenheit wäre. Man kann sich ins Studio setzen und irgendwelche Musik spielen oder man kann sich auch darüber hinaus einsetzen wie wir das machen. Zum Beispiel die Livesendung aus der MUZ. Damit verdienen wir kein Geld und wollen auch kein Geld damit verdienen, sondern wollen den Leuten mit den tollen Bands wie Ernst oder Yohto, die da live spielen, bewusst machen, was hier in Nürnberg alles geht. Keisha: Wenn wir das nicht machen, macht es vielleicht gar keiner. Stell dir mal ne Band von der NN-Rockbühne vor. Die kann so ins Thema Radio rein schnuppern, kriegt noch ein Youtube-Video dazu und freut sich darüber einfach so sehr, dass es uns auch wieder motiviert, weiter zu machen. Andreas: Besonders für die jungen Bands sind die Lokalen Leidenschaften eine Möglichkeit, zu lernen, wie Radio funktioniert und das in einer entspannten Atmosphäre.
Ihr seht euch also manchmal auch als Sprungbrett? Andreas: Genau. Und das nächste Mal, wenn sie bei einem anderen Sender sind, wissen sie, wie das abläuft und dass der Moderator da auch nur mit Wasser kocht.
Kann man den Erfolg der Lokalen Leidenschaften messen? Andreas: Wir haben 12000 - 14000 Zuhörer. Keisha: Aber wir werden natürlich nie erfahren ob und wer sich für welche Band begeistert. Da arbeiten wir ins Blaue hinein. Aber wir machen das, was wir machen, mit Passion und bei mir hört die auch nicht auf, im Gegenteil.
Ihr bringt am 4. Februar eure zweite CD raus, die sogar eine Doppel-CD ist. Erzählt mal wie sich das entwickelt hat... Andreas: Dadurch dass wir uns, seit wir die lokalen Leidenschaften machen, wirklich rein gehängt haben, kennen wir viele Leute und die begegneten uns sehr offenherzig im Bezug auf die Zusammenstellung. Bei der ersten CD hab ich kurz bevor ich in den Urlaub gefahren bin im Sommer ne E-Mail an alle Bands, die ich im Verteiler habe geschickt. Das ging so vom Rücklauf, da waren einige einfach noch reserviert und haben sich das angeschaut. Keisha: Dieses Jahr war es ganz anders. Wir hatten solch einen immensen Rücklauf, weil uns die Leute inzwischen auch abnehmen, dass wir das mit Passion machen, nix daran verdienen und der Reinerlös komplett Radio Z zugute kommt. Deswegen war es auch schnell klar, dass es zwei CD werden. Andreas: Als wir die erste CD gemacht haben, habe ich zu meiner Frau gesagt, „wenn wir das Geld nicht wieder einspielen, dann habe ich gelernt, dass das halt hier nicht geht und werde dass nicht mehr machen.“ Aber es ist ja sogar etwas übrig geblieben, was uns sehr gefreut hat!
Und nächstes Jahr? Andreas: Also die Doppel-CD war jetzt doch schon ganz schön teuer in der Produktion. Ich glaube nicht, dass wir das nächstes Jahr noch mal machen können. Aber man weiß ja nie... Keisha: Eben!
Interview: dl
Lokale Leidenschaften CD Release Party. Samstag, 4. Februar ab 20 Uhr im MUZ Club. Live spielen die Bands Megaphon (HipHop, Dancehall), The Long Story Short (covernder Songwriter), Hyrax (Metal). Hier gibt es dann auch erstmals die neue Doppel-CD der Lokalen Leidenschaften zu kaufen, die 43 Tracks enthält, u.a. von den drei Bands, die heute auftreten und den Great Bertholinis, Thomsen, Sutcliffe, Mäkkeläs Trash Lounge, Punch & Nerves, ... . Der Eintritt (inklusive CD) kostet 10,- Euro, der Reingewinn kommt vollständig Radio Z zugute. Also: Keine Ausreden gefälligst!