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MUSIK

So war: Einar Stray, Me And My Drummer
Mittwoch, 11. Januar 2012
Die Konzertreihe “across” startete am Dienstag mit ausverkauftem Haus ins neue Jahr. Ein ungewöhnlicher Abend in ungewöhnlichem Ambiente.

++ Das 1990 ein Stück weit überambitioniert geplante und errichtete Neue Museum hat es nicht immer leicht gehabt in seiner Vergangenheit. Um sich in Nürnberg als Ort der internationalen Gegenwartskunst zu etablieren, brauchte es seine Zeit. Inzwischen flanieren zwar tagsüber immer noch ganz schön wenig Menschen über den Klarissenplatz und bestaunen die etwa 100 Meter lange, eindrucksvolle Glasfassade. Aber die Besucherzahlen des Museums nähern sich Stück für Stück einem zufriedenstellenden Maß. Möglicherweise auch, weil man nicht nur für die Blaue Nacht eine Ausnahme von der klassischen Museumskultur macht. Das „Neu“ ganz im Blickwinkel, wird im Untergeschoss seit etwas mehr als einem Jahr der Konzertreihe „across“ eine Heimat gewährt. Und das lohnt sich. Die Aufmerksamkeit ist groß und so wundert es kaum, dass das Gastspiel des Berliner Duos Me And My Drummer und des genialen norwegischen Jungspundes Einar Stray samt Band nicht der erste Abend ist, bei dem es ein „sold out“ zu vermelden gilt.

Einmal durch die Eingangstüre geschritten, findet man sich inmitten dieses sorgsam zwischen alten und neuen architektonischen Ideen errichteten Baukörpers. Außergewöhnlich. Der einzige, der mit dem in Alter und Aussehen völlig gemischtem Publikum nicht so ganz zu Rande zu kommen scheint, ist der Museumswärter, der linkerhand steht und den Besucherstrom mit einer Mischung aus Schüchternheit und Neugierde mustert.

Es geht die Treppen abwärts. Ein hektisches Treiben ist das im Untergeschoss. Es müssen mehr Stühle her. Die Stühle kommen, werden verkeilt. Die Gäste setzten sich. Es kommen immer mehr. Die bleiben einfach stehen.

Ziemlich pünktlich um 21 Uhr betritt das Berliner Duo Me And My Drummer die Bühne. Die Sängerin und Keyboarderin Charlotte Brandi beginnt passt sich dem Ambiente an und beginnt das Konzert ohne Instrumentalbegleitung. Langsam steigt Schlagzeuger Matze Pröllochs ein. Das Publikum jubelt. Je länger das Konzert dauert, desto mehr geht dieser Jubel allerdings in (warmen) Applaus über. Warum? Warm wegen dem Ambiente und der qualitativ guten Darbietung. Aber: Die Songs zitieren von Soul über TripHop bis PostRock. Das ist zuviel. Zudem ist das Stimmorgan von Brandi zwar gut ausgebildet, hat aber nichts, das einen richtig mitnimmt und verläuft sich von Zeit zu Zeit in ziemlich seltsam anmutende Irish Folk Gesangsmelodien. Pröllochs hingegen ist die Konstante des Duos und verleiht den Stücken mit mutigen Breaks einen Hauch vom typischen, immer etwas abseits der Spur verlaufenden Rhythmus, für den das Sinnbus-Label, bei dem die beiden unter Vertrag sind, steht. Aber eben nur einen Hauch...

Kurzer Umbau, dann der gerade einmal 21jährige Einar Stray, manchen vielleicht noch als Musiker bei Moddi vom Folk im Park Festival ein Begriff. Dieses Mal als Pianist und Sänger. An seiner Seite nicht minder junge und begabte Instrumentalisten an Cello, Geige, Bass und Schlagzeug. Schon mit den ersten Klängen verwandelt sich der überwiegend in dezentem Rot gehaltene Raum in eine Kopfkino-Landschaft aus skandinavischer Sehnsucht, die an vieles, aber nicht an die hier gerne mal zitierten Sigur Ros und Radiohead erinnert. Die Songs haben Überlänge oder werden von der virtuos aufspielenden Band miteinander verknüpft. So hat man genug Zeit zum Träumen. Kurz vor Ende dann der Höhepunkt: Ein zauberhaft gesungener Acapella-Part. Raum und Zeit stehen still und es wirkt fast störend, dass die Band wieder einsteigt. Man merkt, dass es ganz schön laut ist. Trotz Schallschutz rund ums Schlagzeug. Der Hall in diesem so hohen Gebäude ist immens. Vielleicht ein wenig zuviel für eine komplette Bandbesetzung. Andererseits genau richtig. Es geht ja auch ums Neue. Um das Entdecken von Neuem. Genau das hat sich „across“ auf die Fahnen geschrieben. Und genau dafür sollte man diese Reihe beglückwünschen. Hier und heute voll gelungen.

(dl)

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