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MAGAZIN // CURT BERICHTET

Wieder da: Nasty
Samstag, 31. Dezember 2011
Nach einem Jahr Auszeit, von einer "Sommer Edition" im Gärtla einmalig unterbrochen, meldet sich am 7. Januar die Nasty wieder zurück im Reigen der elektronischen Partys. Über das Warum und vieles mehr haben wir uns mit dem Veranstalter Tom Zitzmann unterhalten, der uns, obwohl schon so viele Jahre dabei, sein erstes Interview überhaupt gab.

Das ist übrigens mein erstes Interview heute.

Ehrlich?


Ich habe mich bis jetzt mein ganzes Leben lang erfolgreich davor gedrückt...

Wieso? Magst du keine Interviews?


Ich hab da normalerweise keine Lust drauf. Aber für curt breche ich das Tabu jetzt mal...

Sauber. Merci. Also: Du bist seit wann Veranstalter?

Seit 1991. Da hatte ich mit Freunden zusammen unsere erste Party im Südbad gemacht. Die Tontechniker hatten damals die komplette Anlage an eine einzige Steckdose angeschlossen. Klar, dass da der Strom immer wieder ausgefallen ist... Seitdem habe ich eine kleine Anlagen-Paranoia. Aber es war witzig. Und legendär. Die meisten meiner Gäste von heute wurden damals gerade geboren...

Also die zwei Male, die ich auf Nasty war, war das Publikum aber eher älter...

Das freut mich auch immer richtig, viele von „ früher“ zu treffen.. Das sind die „Raver-Rentner“, die da noch ab und zu mit am Start sind. Die sind immer treu gekommen und ich hoffe auch, dass sie auch diesmal wiederkommen.

Die Nasty hat Pause gemacht 2011...

Klar. Das Zoom hatte geschlossen und wir mussten da erst mal drüber hinweg. Ende August hatten wir eine „Nasty“ im Gärtla. Die Stimmung dort war sensationell und das Publikum war auch richtig gut, es hat sehr viel Spaß gemacht und wir versuchen das auch 2012 wieder…..

Wann gab es eigentlich die erste Nasty?

Das war im Januar 2003 im Zoom mit DJ T.

Und die Idee dahinter?

Die Idee der Nasty ist eigentlich in einem Urlaub mit Freunden auf Ibiza entstanden. Ich wollte einfach die DJs nach Nürnberg holen, die ich persönlich kannte und dessen Sound ich gut fand... Das waren zu der Zeit DJ T, Disco, Karotte oder der Marc Schneider - bodenständige, aktuelle aber nicht überhypte DJs.

Damals gab es in Nürnberg ja schon einige Formate für House und Techno...


Also für mich war das damals die Zeit von Schranz. Ich wollte nicht wahrhaben, dass es das ist. Nur auf die Zwölf... Das war nicht meines. Außerdem fand ich immer schon, dass zu einer ordentlichen elektronischen Feier gute Deko gehört. Bei Hans Nieswandt hatten wir mal 5000 Rote Rosen... das war ein Aufwand... hat aber super gewirkt. Nasty ist eigentlich ganz anders als der Name, das hat viel mit Gegensätzen zu tun. Wie zum Beispiel eine alte SS Kaserne, die dann total schön dekoriert ist und nach Blumen duftet.

Was waren so die Abende an die du dich besonders gerne erinnerst?

Ich fand den Abend mit Loco Dice sensationell. Damals war der noch unbekannt, es waren vielleicht 200 Leute da. Aber musikalisch war das eine Bombe. Dann natürlich die Abende mit Karotte und T, und die vielen kleinen, feinen Abende mit eher unbekannten DJs, die einfach guten Sound gemacht haben. Da fällt mir zum Beispiel ein Matthias Kaden ein, der damals noch völlig unbekannt war.. Den hatte ich mal in der „Muna“ gehört, wo er mehr oder weniger noch ein kleiner Nachwuchs-DJ war, ich fand ihn toll und habe ihn sofort nach Nürnberg eingeladen. Wenn man sieht wo er jetzt überall spielt...

Auf was legt ihr jetzt beim Neustart im Loop besonders wert?

Wir werden wieder mit Liebe zum Detail arbeiten. Darum geht es. Wir werden unsere komplette Türe aus dem Zoom mitbringen. Das ist mir persönlich sehr wichtig, dass die Gäste sich auch von dieser Seite her wohl fühlen. Es soll ein angenehmes Miteinander sein. Außerdem fahren wir natürlich Deko auf und es gibt auch wieder die Walking Acts. Mit der DJane Bebetta aus Bremen kommt auch bewusst noch kein großer Name. Die Musik soll für sich sprechen. Und das Drumherum.

Wie kamst du auf die Location? Das Loop ist ja bisher nicht gerade als elektronische Bastion bekannt...

Ich hatte das Loop tatsächlich nicht so auf dem Schirm. Ein Bekannter hat´s mir empfohlen und ich dachte mir dann auch, warum eigentlich nicht? Dann hatten wir die Location besichtigt und wir fanden sie gut und ziemlich gemütlich, nicht so über-stylisch, feiertauglich und mit mehreren kleinen Ecken und Sitzgelegenheiten. Von der Anlage werden wir ein Kling & Freitag Soundsystem reinstellen. Vielleicht kommt auch noch die eine oder andere Ex Zoom-Bedienung dazu, welche sich hinter die Bar stellt...

Was hat das Zoom gehabt, was jetzt vielleicht in Nürnberg fehlt?

Das Zoom war eine Art Familie, die sich schon lange kannte, größtenteils den Ursprung von House und Techno in der Stadt miterlebt hatte. Und bitte das Wort „Raver“ nicht falsch verstehen! Du hattest viele, die ihr Herz in der elektronischen Musik verloren hatten, gemeinsam am Start und die haben für eine in gewisser Art und Weise „autonome“ Events gemacht. Die Atmosphäre war immer super. Dafür musste man sich aber umso Sachen wie die Anlage und Security mit besonderem Augenmerk kümmern. Um Geld ging es nur sekundär, an oberster Stelle stand das Feiern.

Das fehlt dir in Nürnberg?

Ja die meisten Clubs oder Diskotheken die neu aufmachen, wollen immer zuerst die Champagner trinkenden Porschefahrer, wenn das dann nicht funktioniert, probiert man es mit Elektronischem. Es gibt wenige Clubs, die aus Passion elektronische Musik veranstalten.

Deiner Ansicht nach fehlt also in Nürnberg eine Anlaufstelle für elektronische Musik?


Ja. Nicht dass ich das Bestehehde schlecht finde, aber geht es um die Vielfalt und Abwechslung. Dazu braucht es mehr wie einen Club und eine halbe Hand voll vereinzelter Veranstaltungen. Wir essen ja auch nicht jedes Wochenende Schnitzel mit Pommes oder Schäuferle.

Aber grundsätzlich ist Nürnberg eine Stadt mit einem Fundament in Sachen elektronischer Musikkultur?

Nürnberg ist eine geile Stadt und war nicht zu Unrecht mit eine der Ursprungs-Städte elektronsicher Musik in Deutschland. Damals gab es neben Berlin, Frankfurt, Köln, Hamburg auch eine gute Szene in Nürnberg. Da war in München noch gar nix und wir hatten schon das Toxic!. Denk da mal an Clubs wie die Prime Rose, die R.A.F, die Belly Cloud, das Market, das Boot... Es wurden damals ganze Busse organisiert zu Events wie Mayday und Loveparade. Nürnberg ist oft nicht leicht und manchmal schon richtig kompliziert. Aber gut und ehrlich.

Wie beurteilst du in dem Zusammenhang die Sperrzeitdiskussion?


Auf der einen Seite bin ich manchmal froh, dass wir eine Sperrzeit haben und die Partys nicht so wie in Berlin bis zum nächsten Abend gehen. Auf der anderen Seite macht sie oftmals einfach keinen Sinn, gerade bei elektronischer Musik. Wir leben eigentlich in einer Demokratie. Jeder soll feiern und machen was er will, so lange er andere nicht belästigt.

Interview: dl

Nasty bei Facebook.

NASTY. Am 7. Januar (und künftig wieder immer am ersten Monatssamstag) ab 22 Uhr in der Klingenhofstr. 52. Mit DJane Bebetta, PatPat, Chris Cutter, To, M!lan. In den folgenden Monaten sind dann unter anderem Acts wie Tommy Four Seven, Hanne & Lore zu Gast.

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Kommentare (3)

MISSPARTYSAN | 20.01.2012 | 10:16
Raver Rentner?? Ha Ha... Meine Feierclique und ich haben oft den Gedanken Seniorenrabatt am Eingang zu ordern, weil das plublikum auf den meisten elektro events soo verdammt jung is...aber in anbetracht dessen, das " Die Alten die Jungen ins Bett bringen" (bestätigt sich immer mal wieder) ist das wohl eher nicht gerechtfertigt. Vielleicht kommt durch uns ja doch ein bißchen Ur-Feierkultur bei den Jungschen an.
Danke Tom Zitzmann,Danke für deine Passion!!! Danke für Re-Nasty!!!

ORIGINALKOMPASS | 11.01.2012 | 19:01
endlich wieder nasty!!!location passt auch...

OUTSIDER64 | 06.01.2012 | 02:27
Wow, ich bin echt beeindruckt was der Interviewte da von sich gibt. Ich bin direkt beeindruckt. Scheint als hätte ich da echt was verpasst bisher... Ich werd mir das auf jeden Fall mal ansehen im Loop und hoffe dass sich da was erfolgreich etablieren kann.



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