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#158 |
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Freitag, 30. September 2011 |
Wie immer superpünktlich zum ersten des Monats schwärmen wir aus und bringen den neuen curt unter Volk. Wenn Ihr Glück habt, könnt Ihr uns dabei beobachten. Aber wir sind schnell, sehr schnell... curt 10/2011 ab heute überall abzugreifen!
Vorwort:
Ich löse vier Aspirin und zwei Alka-Seltzer in meiner Maß Bier auf, da mir das rechte Ohr pfeift. Eigendiagnose: Tinitus. Tinitus durch Ärger mit den curt-Schreiberlingen. Dabei war es von Anfang an klar: Die Besten sind eben auch immer Exzentriker. Dass mich das krank machen könnte und von einem Burn-out in den nächsten treiben würde, daran hatte ich nie gedacht. Und: Keine Besserung in Sicht.
Dabei führen sie doch ein Leben in Saus und Braus hoch zehn, die curt-Recken. Denn natürlich ist es nicht unangenehm, in Cannes am richtigen Wochenende nur mit einem güldenen String bekleidet und mit einem Starlet im Arm von der Yacht herab ins Blitzlichtgewitter zu schreiten. Oder bei den MTV Awards lasziv von Gwen Stefanie begrapscht zu werden. Auch die richtige Party nach den Oscar-Verleihungen hat was, oder das Abhängen in Boxengassen. Und ebenfalls okay: die eine oder andere Filmpremiere oder Vernissage (Tach, Neo! Servus, Damien!). „Wie kann sich ein curt-Redakteur das alles leisten?“, wird sich ein Naivling jetzt fragen. Haha, Du ahnungsloser Narr! Du unwissender Konsument! Das kostet NISCHT! NULLINGER! Wir sind geladene Gäste im Schlaraffenland, so sieht's aus. Der Firmen-Porsche? Ein Geschenk! Der Akquise-Ferrari? Eine Spende. Der Verteiler- Hummer? Eine Leihgabe von einem Scheich, dessen Sohn wir mal zum Kopulieren backstage gebracht haben bei der Comedy Lounge. Warum wir gerade alle in Louis Vuitton gekleidet sind? Eine Koop: Der curt-eigene Kaulquappenhund ist Model der aktuellen Kampagne. Das Ed-Hardy-Tattoo auf Franks rechter Arschbacke? Ein genialer Deal, der sein Chalet in Aspen finanziert. Und so weiter - die komplette Liste würde den Rahmen sprengen. Dass wir grundsätzlich weder Geld noch Ausweis mit uns führen, hat zwei Gründe: Wir brauchen es nicht und es wäre uns lästig. Cher, Madonna und der Papst brauchen auch keinen Nachnamen.
Jetzt aber, und darauf wollte ich hinaus: Mir selbst würde es also ebenfalls unfassbar gut gehen, wenn ich nicht die undankbare Aufgabe hätte, unsere exorbitant vom Leben verwöhnten Schreiber zum Schreiben zu bringen. Dabei gibt es per SMS Ansagen wie „Top: Sitze mit Arnie im Whirlpool + schnabbuliere Cheesebread! Komme morgen später“. Oder „Bin mit Dittsche im Edelpuff. Champagner geht gerade aus. Berichte exklusiv, ruf mich in 2 Wochen an.“ All das, und noch viel mehr, trudelt über die unterschiedlichsten Kanäle ein. Das Übel: die curt-Mondänität, unser Jet-Setting und die Augenhöhe zu den Superreichen und Superschönen lässt mich an der Echtheit der Nachrichten nur in den allerseltensten Fällen zweifeln. Die Jungs sind eben nur Jungs, und Jungs machen eben manchmal Quatsch. Bei wem mir aber Ausflüchte so richtig auf den Magen schlagen, weil ich mir denke, da reicht man einem den rettenden Ast, da wirft man den Rettungsring in die Kloake des Daseins, da baut man die Brücke zurück ins Leben, weil sonst wäre es aus: gestrauchelt for ever und so, das ist bei all unseren sogenannten „Kolumnisten“. Diese Schöngeister und Tagträumer mit ihren verkopft-philosophischen Marotten und Anschauungen, mit ihrem ewigen Dagegencontra, mit ihren Mittagsschläfen und Schwimmrunden, mit ihren Flanierexzessen, mit ihrem blinden Hass gegen den ihnen überlegenen curt-Repräsentanten Sir Karl-Otto Walski ... und wenn dann eine SMS kommt it „Entschuldige, verspäte mich mit der Abgabe um einen Tag. Mir geht´s nicht gut, vermutlich Masern, oder irgendwas aus der Tierwelt“, dann müssen Maßnahmen her, die jegliche Menschlichkeit, Moral oder Genfer Konventionen ad absurdum führen! Angenehmer Nebeneffekt: Daraus machen wir Snuff Videos und schon geht's wieder mit Beyonce und Kumpel Charlie Sheen im verwirrten Hopserlauf irgendeinen Strand entlang, finanziert von Apple oder Budweiser oder egal. So ein Kolumnist hat am Ende also doch auch was Gutes.
Viel Spaß bei allem, was Ihr tut. Wir haben das auch.
Eure curt-Gang
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