Hamburg ist ne Ecke, ja. Aber das Dockville hat was, das unseren Musikredakteur Barni alle Jahre wieder unwideruflich gen Norden zieht. Warum? Lest selbst:
Das Dockville - Grund genug für mich zum 3. Mal nach Hamburg zu einem Festival zu fahren. Eigentlich hatte alles gepasst, super Erinnerungen an die letzten Jahre und ein top Lineup. Nur der Wetterbericht, der sah nicht so rosig aus...
Da es am Freitag schon recht früh losgeht, fährt man schon einen Tag früher hin. Die via Facebookgruppe gefundene 20köpfige Reisegruppe fand sich schon am frühen Morgen am Nürnberger Hauptbahnhof ein. Ab in den Zug, der komplett überfüllt war. Naja 19 von den 20 hatten ja eine Reservierung, nur der hier Schreibende nicht. Ein Stehplatz bis Hannover war dann die Ansage, inklusive vieler Ausflüge zum Bordbistro. Frisch angekommen, erstmal ein paar Biere im Golden Pudel Club gekippt.
Nun aber zum Dockville. Man sollte anmerken, dass es bereits sieben Tage lang in Hamburg geregnet hatte. Entsprechend sah der Festivalplatz denn auch aus. Es gab wohl kaum einen Platz ohne (mindestens) 10cm Schlamm. Naja, macht man halt das Beste daraus. Erstmal das Gelände angeschaut, das sieht ja jedes Jahr anders aus. Dieses Mal sind alle Hallen abgerissen worden, das freut einem bei dem Wetter natürlich um so mehr, aber dafür können die Veranstalter ja nichts. Dann mal die Kunstinstallationen angeschaut, die ja einen großen Teil vom Dockville ausmachen. Das sogenannte "Nest" will ich hier mal besonders hervorheben, das sind zwei Baumhäuser, die mit einem Container verbunden sind, darunter ist eine Bühne. Sieht man auch nicht alle Tage. Es gab imn den Boden eingelassene große Buchstaben, die das Wort "Friends" bildeten. Bei schönem Wetter sicher total super, so wurde es eher zum Waschen der Gummistiefel verwendet.
Nun aber zur Musik:
Erste Band für mich: Casiokids. 6 Leute aus Norwegen die auf alten Keyboards und Synthesizern indielastige Musik spielen. Die haben zum frühen Nachmittag schon sehr viele Leute vor die Hauptbühne gelockt und es gab die ersten Tanzeinlagen. Prädikat: Gefällt mir!
Andreas Dorau wusste dann vollkommen zur überzeugen. Man merkt ihm an, dass er seit 30 Jahren Hits schreibt und ein Pionier der elektronischen Musik ist. Wer braucht da noch Fred vom Jupiter?
An der gleichen Bühne kamen dann Egotronic. Spitzen Show, spitzen Stimmung. Leider war der Platz vor der Bühne ein wenig zu klein. Wohin man schaute tanzende Menschen... Der Matsch vor der Bühne verwandelte sich in einen flüssigen Brei.
Danach ein wenig den HipHoper Marteria angeschaut. Erster Song gleich der Hit „Endboss“, ab da hatte er sein Publikum im Griff. Ganz gut.
Hab dann ihn und seine tanzenden Backgroundroboter verlassen um Fuck Art, Let`s Dance zu sehen. Leider gab es wegen dem ganzen Schlamm einige Verschiebungen, so sah ich nur noch das Ende. Zu wenig, um mich in Stimmung zu bringen aber ich hörte auch viele begeisterte Stimmen.
Die restliche Nacht wurde dann elektronisch verbracht. Erst Fukkk Offf, die super waren und auch richtig viele Leute interessiert haben, danach zum Hamburger DJ Team Push the Button die ein Zirkuszelt völlig zum überkochen brachten.
Dann im Taxi zur Wohnung, die Leute auf dem Zeltplatz bemitleidet und mich doch ein wenig geärgert dass ich Acts wie Editors, Kollektiv Turmstraße oder Johnossi nicht sehen konnte. Immer diese Überschneidungen... immer dieser Schlamm...
Start 2. Tag
Ein Blick auf dem Fenster erstaunte mich, es regnete nicht und die Sonne schien. Voller Vorfreude ab zum Festivalgelände, aber ein paar Stunden Sonnenschein konnte den Regen der letzten Woche nicht trocknen, a touch too matsch too soon.
Beim Ankommen noch den letzten Song von Videoclub gehört, da freue ich mich dass sie im Oktober beim Nürnberg.Pop Festival spielen.
Blackmail mit neuem Sänger mal angehört, hört sich an wie der alte nur mit weniger Flair auf der Bühne.
Kakkmaddafakka, die Band mit dem lustigen Namen spielte einen guten Auftritt vor enorm vielen Leute, im Publiku m wurden sogar Fahnen mit dem Bandnamen geschwenkt.
Auf der gleichen Bühne danach: Casper. Kaum ein Künstler wurde 2011 so diskutiert. Für mich ist „XOXO“ ein super Album, allerdings waren seine Ansagen live auf dem Niveau eines Pubertierenden. Das war nix! Dass er dazu ständig andere Acts und Labels dissen muss gehört auch nicht gerade zur feinen Art.
Langsam wurde es dunkel und Crystal Castles kamen auf die Bühne und haben mich völlig begeistert. Die Bühnenshow bestand aus viel Nebel und Stroboskop. Davor 10.000 tanzende Menschen.
Supershirt spielten in einem Zirkuszelt, endlich mal keine Matschpfützen mehr. Das Zelt platzte aus allen Nähten und es gab viele glückliche Gesichter.
Auf der gleichen Bühne gleich danach Slagsmålsklubben, die spielten ja am Vorabend auf dem Brückenfestival. In Hamburg hatten sie viel Spaß und wurden belohnt mit vielen tanzenden Menschen die sie ordentlich abfeierten.
Da es so schön trocken war blieb ich gleich auf der Bühne. War keine schlechte Entscheidung bei den folgenden Künstlern: Sbtrkt, Mount Kimbie und DJ Phono.
Nach so einem Mammutprogramm an einem Tag verzichtete ich auf weitere Partys sondern ging lieber ins Bett.
Sonntag, 3. Tag
Früh aufstehen hieß es, um 13:30 spielten Uijuijui aus Lüneburg. Schön trashiger Elektropop um den Labelchef von Escapehawaii und Bird Berlin. Waren wenig Leute da aber die hatten viel Spaß!
Später am Nachmittag folgte dann eine 2 Stunden Show von King Fehler A.K.A. Knarf Rellöm + DJ Pattex. Sehr gutes Konzept, zu bekannten Beats eigene Texte zu singen.
Crystal Fighters im Anschluss waren einer der Headliner, sehr viele Menschen strömten zu ihren Elektro-Indie-Beats. Exzessive Live Show - schlammtastisch!
So das war das Dockville. Es gab viel Schlamm, noch viel mehr gute Musik und tolle Veranstalter die trotz des Wetters alles mögliche Unternommen haben, um es den Besuchern so angenehm wie möglich zu machen. Für mich weiterhin das schönste Festival überhaupt. Fazit: nächstes Jahr bitte alle zum Dockville!