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So war: Les Savy Fav |
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Mittwoch, 13. Juli 2011 |
Gerade mal zwei Deutschland-Konzerte gönnten sich Les Savy Fav im vergangenen Jahr und dass obwohl sie mit „Root For Ruin“ eine der Platten des Jahres im Gepäck hatten. Das letzte Konzert in Nürnberg lag auch schon ein paar Jahre zurück, Zeit also für das New Yorker Indiepunk-Monster, um endlich mal die Begeisterung jenseits von Berlin, Köln & Co. abzuholen.
Dass sich der Festsaal des K4 zunächst recht zäh füllt, mag am guten Wetter liegen, vielleicht auch daran, dass der Mathrock der kanadischen DD/MM/YYYY (sprich Day, Month, Year) nur wenig mitreißend ausfällt. Dass das Quintett aus Toronto durchaus spannende Ansätze verfolgt, ließ sich bereits bei ihrem Auftritt einen Stock tiefer im Februar 2010 erahnen, aber so richtig zünden will der spröde Synthie-Noiserock auf Dauer nicht, es fehlen einfach die Überraschungsmomente. Die Lücke zwischen den Battles und Holy Fuck schließen sie an diesem Abend nicht. Muss sie auch nicht, denn der Irrsinn, der nach einer ausführlichen Umbaupause folgt, überstrahlt sowieso alles.
I’ve got a fever for forever. Es ist nicht so, dass man nicht gewarnt gewesen wäre; im Netz gibt es genügend Beweisfotos und Menschen, die Les Savy Fav bereits seit Ende der 90er Jahre verfolgen, können diverse Anekdoten erzählen und trotzdem ist der Wahnsinn, den die Band bei ihren Konzerten zelebriert, kaum zu beschreiben. Auf ihren Tonträgern geben sich Les Savy Fav als Posthardcore-Kapelle, die anfangs vor allem von der Washington D.C.-Szene um Fugazi geprägt war, zunehmend aber die Vorzüge von geradlinigen Popsongs für sich entdeckt hat. Die Auftritte gleichen dagegen einem Gottesdienst mit dem man als Atheist erst mal klarkommen muss. Da steht ein Prediger auf der Bühne, der mit dem Publikum mindestens für einen Moment den Heiligen Geist erwecken will. Holy ghost, come get me now. I want to hear those church bells sound. Die Riten kommen einem jedenfalls schwer bekannt vor, selbst wenn man Kirchen ansonsten nur in Kunstgeschichte von innen gesehen hat. Die Botschaften kommen aber natürlich völlig säkular daher, hier geht es nicht um ein wie auch immer höher gestelltes Wesen, es geht um dich und um mich und deshalb verlässt der Prediger auch schnell seine Kanzel und streift immer wieder durch das Publikum.
Dieser Prediger nennt sich Tim Harrington. Ein Koloss aus Bart und Schweiß, der schon bald sein Batikshirt ablegt und die Bewegungsfreiheit des Festsaals maximal ausreizt. Nach einem kräftigen Schluck Seifenblasenlauge ist kein Brillenträger im Publikum mehr sicher, auch wenn Harrington penibel darauf achtet die Sehhilfen unversehrt seinen Besitzern zurückzugeben. Auf seinen Streifzügen wandert Harrington bis zum Mischpult oder auch einfach mal aus dem Festsaal hinaus bis er auf verdutzte Kassenkräfte vor der Tür trifft. Der Bühnenaufgang wird fortgetragen, eine Bierbank vom Merchandisestand entführt, nur um diese wenig später auf der Bühne als Rutsche zu benutzen. Und während der Gesang zwangsläufig immer mal wieder auf der Strecke bleibt, schrammelt der Rest der Band derweil stoisch das Set runter, ganz so als würden sie von all dem Wahnsinn im Saal nichts mitbekommen. Dass dieses Spektakel in eine ganz andere Kerbe schlägt als der moderne Bonaparte-Zirkus oder der systematische Deichkind-Krawall, nehmen sicher nicht alle Anwesenden war. Tut auch nichts zur Sache, Hauptsache wir haben für einen Abend die Coolness hinter uns gelassen. Und kommenden Montag fahren wir dann alle nach München. We still got our appetite. Danke. Thank you. Danke. Thank you. Danke. Danke.
Sebastian Gloser
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