    |
|
#156 |
|
Freitag, 1. Juli 2011 |
Die Handschellen klickten und wurden mit einem Grinsen so fest zugedrückt, dass unter dem Stahl das Blut hervor trat, welches mir meine goldenen Ed-Hardy-Manschettenknöpfe an meinem Evisu-Hemd versaute. Ich nahm einen letzten Zug von meiner Eve und spuckte den Glimmstengel vor die Füße des grobschlächtigen Security-Affens...
"Rutsch drauf aus", zischte ich, während ich schon das Knistern des Elektroschockers hörte, der mir im selben Moment mehr als 80 Millionen Volt durch den Unterleib schickte. "Fühl dich frei", murmelte ich, während ich unauffällig meinen Blick durch den Backstage das angesagtesten Clubs der Stadt schweifen ließ, auf der Suche nach einem ordentlichen Drink.
Zwei Stunden Water Boarding hatten meine Frisur definitiv ruiniert, das Gel hatte sich in dem blutroten Wasser zersetzt und auch meinen zart aufgetragenen Labello rosé konnte man nur noch erahnen. Der einst sorgfältig gestärkte und nach oben gestellte Kragen meines Hemdes hing lasch herab, das weiße Velourleder meiner Slipper war rot gesprenkelt.
Ich hatte eine Scheißwut im Bauch. Hätten mir diese sieben kotzhässlichen, aufgespritzten Stiernacken nicht die Magengrube und die Jochbeine mit kurzen, harten Fausthieben malträtiert, so würde ich vermutlich immer noch auf der Bar stehen, mit Champagner um mich spritzen und den Bereich vor der Bar in einen Wet-T-Shirt-Contest verwandeln. Ich würde den Champagner von oben direkt in rot angemalte Münder schütten, dabei Eve rauchen und den Girls meine Visitenkarten in die zu engen BHs stecken. Ich würde eine Lokalrunde nach der anderen schmeißen, dem DJ haufenweise Scheine hinter sein scheiß DJ-Pult ballern und jede Menge Drogen ...
Stattdessen: Ich habe eine blutige Acht an den Handgelenken, meine Muskeln zucken immer noch von den Stromstößen und meine Short fühlt sich an wie ein nasser Putzlappen. Meine Schleifspur aus Blut, Urin, Haaren und Zähnen geht quer durch den Club, über die Tanzfläche, den Gang entlang und schließlich bis hier her, in den Backstage-Raum. Jetzt stehe ich jedoch wieder aufrecht, habe Durst und bin gewillt, die Situation zu meinen Gunsten zu verändern. Der Drink im Regal (Jacky-Cola auf viel Eis) wäre ein Anfang. Ich scanne den Raum, analysiere Körperhaltung und -spannung meiner sieben Widersacher, checke ihre Waffen und Blicke. Im exakt richtigen Moment zerfetze ich die Handschellen hinter meinem Rücken, wirbele mit fliegenden Fäusten durch den Raum, gehe mal in die Hocke, dann schnelle ich wieder in die Höhe, mach mich krumm, dann wieder gerade, weiche allem aus, was man mir entgegen schlägt, sticht oder feuert. Elf Sekunden lang. Wie immer.
Ich streiche mir Gel ins Haar, Labello rosé auf die Lippen, stelle meinen Kragen hoch und gehe wieder an die Bar. "Wo warst du so lange?", fragt mich eine Sexgöttin mit wallendem Haar. "Ich wollte mich nur frisch machen", antworte ich mit einer Eve im Mundwinkel. "Kennen wir uns eigentlich?", gurrt die Sexgöttin, während sie sich an mich schmiegt und mir tief in die Augen blickt. Ich blase ihr den Rauch in die Augen. "Jetzt ja", raune ich, "ich bin die neue Praktikantin bei curt."
Viel Spaß bei allem, was Ihr tut. Wir haben das auch.
Eure curt-Gang
PS: Was ihr im Heft nicht findet, das gibt es auf www.curt.de, der offiziellen Website für ein besseres Leben.
Download :: PDF :: 20 MB |
|