Die neuen Alben von Bon Iver, Fink und Death Cab For Cutie - von unserer Musikredaktion unter die Lupe genommen.
BON IVER - BON IVER www.boniver.org Verzerrte E-Gitarren, Orchester, Schlagzeug mit Double-Bassdrum, Progrock-Anleihen, Korg M1-Keyboardklänge à la Bruce Hornsby, Saxophon ... Justin Vernon gibt sich alle Mühe, auf seinem zweiten Album unter dem Namen Bon Iver den Winter der Isolation und das Sparsame des Debuts "For Emma, Forever Ago" hinter sich zu lassen. Obwohl man es nach den ersten zwei Songs befürchten könnte, das Album wird nicht zu der totalen größenwahnsinnigen Reizüberflutung wie es Sufjan Stevens' "The Age of Adz" letztes Jahr war. Überhaupt, Sufjan Stevens - der einst ja drohte, ein Album über jedes amerikanische Bundesland zu machen, woraus nun nur zwei wurden - erscheint hier als geistiger Verwandter: Die meisten Songtitel auf "Bon Iver" sind Ortsnamen, die Arrangements bisweilen ausladend, das grundlegende Klanggerüst im amerikanischen "Folk" verwurzelt, mit den Fühlern überallhin ausgestreckt. Während sich Stevens Stimme in seinen letzten Veröffentlichungen immer distanzierter anhört, bleibt die stets gedoppelte Falsettstimme Vernons das emotionale Zentrum von Bon Iver. Die schmerzliche Intimität des Debuts klingt aber nur noch leise - z.B. in "Wash" - nach. Verkopfter, diffiziler, verschwurbelter, verspielter ist Bon Iver. Und doch stets voller Schönheit und kreativem Übermut. Der WTF-Moment am Ende des Albums mit einer waschechten Hornsby-Soundhommage namens "Beth/Rest" setzt einem dann ein breites Grinsen auf. Von Vernon und seinem mittlerweile dazugewachsenen Musikerkollektiv ist nach dieser Ansage mit allem zu rechnen. Das hier ist auf jeden Fall ein Anwärter auf das Album des Jahres.
FINK - PERFECT DARKNESS www.finkworld.co.uk/ Fink kommt im Herbst ins K4. Und es wäre ein Versäumnis der tragischen Art, sich Fin Greenall und seine beiden Mitstreiter, die zu dritt wie ein Jazztrio aussehen, entgehen zu lassen. Seit nunmehr vier Alben macht der ehemalige DJ sein sanft rollendendes, intensives Akustic-Soul-Dubstep-Songwriter-Ding, weitgehend unbemerkt vom Rest der Welt. Auf "Perfect Darkness" schleichen sich Anklänge von Stone Temple Pilots ("Fear Is Like Fire"), Radiohead ("Honesty") únd sagen wir mal einem theoretischen jungen John Lee Hooker ("Wheels") in eine titelgerecht dunklere Stimmung, die aber ziemlich sexuell aufgeladen ist. "Perfect Darkness" und "Warm Shadow" machen mit ihren nicht schwer zu durschauenden Metaphern kein großes Geheimnis aus einer offensichtlichen Muse. Die Rhythmen kommen fast durchgehend sehr spät im Song dazu und lassen beim Durchskippen des Albums den Eindruck entstehen, es handle sich um eine reine Akustikgitarrenplatte. Es ist sehr zu empfehlen, sich die Geduld zu nehmen und nicht zu skippen. Gerade bei "Warm Shadow" lohnt das Warten.
DEATH CAB FOR CUTIE - CODES AND KEYS www.deathcabforcutie.com Nachdem die Cuties auf "Narrow Stairs" noch mit einer 8-minütigen eigenartigen Single namens "I Will Possess Your Heart", deren erste Hälfte rein instrumental war und deren Text sich erst auf zweiten Blick als ziemlich unheimlicher Stalker-Monolog herausstellte, auf ihre Eigenwilligkeit hinweisen wollten, setzen sie mit "You Are A Tourist" diesmal eine waschechte Hitsingle ins Radio. Es wird niemand mehr hören wollen, da die Musik die Death Cab For Cutie perfekt beherrschen, nicht mehr angesagt und hip ist. Es ist nämlich großartige amerikanische Melancholia mit gelegentlichen großen Gesten und mit viel unverzerrten Gitarren und fast zu hübschen Melodien. Da ähneln sie immer ein wenig ihren britischen Kollegen Elbow, wobei Death Cab For Cutie sich durch die Bank deutlich weniger in Zeitlupe durch ihre Songs bewegen. So passt auch der Titel des Closers "Stay Young, Go Dancing". Ja! Und bitte auch auf Musik, die vor 5 Jahren gefragt war. Sie war deswegen nämlich nicht schlechter, werte Trendhopper.