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MUSIK

So war: das Southside
Montag, 20. Juni 2011
So gut wie durchgehend Regen, am Samstag wurde es dazu richtig kalt. Trotzdem (beziehungsweise erst recht) gibt es viel zu berichten. Denn es standen (auch) große Namen auf dem Tableau.

FREITAG
Band of Horses. Gleich zu Beginn die erste angenehme Überraschung. Der leicht Dreampop- und Folkgeschwängerte Indie der Band aus Seattle war toll gespielt. Hoffentlich verlieren Band of Horses ihren Charme nicht, sollten sie es auch ohne Pearl Jam in die großen Stadien schaffen.

The Hives. The Hives können sich schätzungsweise noch die nächsten 25 Jahre durch die großen Festivals spielen ohne das was anbrennt. Die Glühlampen ihres riesigen Schriftzuges im Rücken der Bühne werden dabei allerdings eher nicht mehr zum Einsatz kommen. Für einen Slot am Abend braucht es dann doch mal wieder was wirklich Aufregendes.

The Wombats. Die Vorfreude wich schnell der Ernüchterung. So gut die Band auch auf Ihren Alben klingt, so nichtssagend und kraftlos kommt sie auf der Bühne rüber. Die Begeisterung der Zuschauer hielt sich in Grenzen und ging selbst bei den großen Hits wie „Tokyo“ oder „Techno Fan“ nicht weiter als ein leichtes Mitwippen. (jr)

Arctic Monkeys. Für mich das erste große Highlight des Wochenendes. Trotzt strömenden Regens war ich scheinbar nicht der einzige der gespannt auf das Gastspiel der Band auf Sheffield wartete. Der Platz vor der Bühne war sehr gut gefüllt. Die Indie-Rocker um Sänger Alex Turner waren auch bestens aufgelegt und spielten viele alte Hits aber auch einige neue Stücke ihres neuen Albums „Suck it and See“. Der Sound war gut abgemischt und die Massen begeistert. Nach Band of Horses kurz vorher das erste Ausrufezeichen dieses Jahr. (jr)

Lykke Li. Es werde Pop. Ganz schick, was die Schwedin im schwarzen Kleid im sehr gut besuchten Zelt abliefert. Um ihre Stimme ins rechte Licht zu rücken, muss diese verdammt gut abgemischt sein. War sie hier und heute.

Egotronic. Das gefällt dem Nerd jetzt nicht, aber das Southside-Debüt von Egotronic war ein großartiges. Spätestens bei Superpunk-Cover „Die Bismarck“ flog im Weißen Zelt die Kuh gleichermaßen bei Ravern und Rockern und Torsun bedankte sich ehrlich gerührt mehrfach beim Publikum.

Frittenbude. Das gefällt dem Nerd jetzt ebenso wenig, aber auch Frittenbude überzeugten und haben jetzt auch ein richtiges Intro.

Foo Fighters. Was ein emsig headbangender und flitzender Dave Grohl und seine Mannen sich in den ersten 30 Minuten ihrer Show aufbauten und sowohl mit Klassikern wie „Learn to Fly“ als auch mit der neuen Single „Rope“ dramaturgisch richtig machten, verloren sie im Folgenden mit vielen zu langen, gesichtslosen Instrumental-Parts, mit denen sie glaubhaft zeigten, dass auch bei Superstars die Würze manchmal in der Kürze besser aufgehoben ist.

Hercules & Love Affair. Das Beste zum Schluss. Pech für alle, die nach Frittenbude gegangen waren, denn der im Streifenanzug auftretende Andy Butler und seine aus Männern und Frauen und als Frauen angezogenen Männern (hätte man das jetzt besser ausdrücken können?) bestehende Truppe untermauerten erstens eindrucksvoll die These dass Disco der neue Rave ist, hatten dabei zweitens eine unglaubliche Power und drittens an der Front drei Stimmen, die einem den Atem stocken ließen. Und das Tanzbein zum kontrolliert unkontrollierten Zucken brachte. Stark!

Clueso. Hmm... Es mag und mag nichts gescheites einfallen zu Clueso. Warum wohl?


SAMSTAG
Irie Révoltés. Kann mal jemand damit aufhören, diese gesichtslosen Reggae-Ska-Rock-Pop-Punk-HipHop-Funk-Jazz-Balkan-Sonstwas-Bands auf Festivals zu buchen, die zwar technisch ausgezeichnet sind aber absolut null Eindruck hinterlassen?

Darwin Deez. Das Zelt war proppevoll bei Ex-Creaky Boards Gitarrist samt Band und das zu Recht. Was für eine großartige Mischung aus Indie, Pop, Disco und Funk. Hoffentlich waren da all die Schreiberlinge da, die irgendwann mal was von Folk geschrieben haben. Völliger Unsinn. Toll auch, dass das Publikum nicht auf einen Song (wäre schätzungsweise „Radar Detector“ gewesen) reduzierte, sondern das Konzert in seiner vollen Länge feierte.

Portugal. The Man. Der psychedelische Post-Kauderwelsch aus Indie und Rock, den es bei den US-Amerikanern auf die Ohren gab, war schlecht abgemischt und interessierte kaum jemanden. Vor zwei Jahren konnte man um das Zelt, in dem die Band damals spielte, einen großen Bogen machen. Ging dieses Mal (Blue Stage) nur bedingt, man musste zumindest an ihnen vorbei.

William Fitzsimmons. Völlig fehl am Platz. Hätte man die Red Stage bestuhlt und einen fähigen Techniker hingestellt, wäre das Konzert des glatzköpfigen Bartträgers mit doppelter Grey´s Anatomy Referenz sicherlich ein stimmungsvolles gewesen. Aber stehend ging wirklich nicht. Und wie man eine Stimme und eine Akustikgitarre derart vermixen kann, dass so ziemlich jede/r im Publikum sich erst vor Fiepstönen, dann vor Bass die Ohren zuhält, ist noch so eine Frage. Man merkte auch dem Protagonisten an, dass hier irgendetwas nicht stimmte. Aber er hielt tapfer durch.

Kashmir. Es hat schon seine Gründe, das Lou Reed und David Bowie bei den Dänen bereits zum Duett angerückt waren. Für ihr aktuelles Album „Trespassers“ hatten sie sich fünf Jahre Zeit gelassen. Fünf Jahre, die der Band musikalisch gut getan haben. Bleibt zu wünschen, dass davon künftig auch außerhalb Dänemarks mehr Notiz genommen wird, man merkte im Publikum schon, dass da abgesehen „She´s Made Of Chalk“ noch nicht so viel Breite da war. Aber eine gute Band ist eine gute Band, also blieben die Leute stehen und lauschten und entdeckten.

Glasvegas. Die Quoten-Druffis. Keine Ahnung ob uns was James Allan & Co vor dem Gig genommen hatten, aber ihre Darbietung wirkte ziemlich daneben. Zumindest die Sonnenbrillen saßen und die Rockstar-Posen von Allen waren gut einstudiert.

Elbow. Guy Harvey gab sich als hervorragender Entertainer und durfte sogar mehrmals „f**k" sagen ohne dass die hartgesottensten Fans ihm das wirklich übel nehme konnten - ganz im Gegenteil. Aus seinem „f**k rain“ vom Beginn wurde dann im Verlauf des Konzertes dann tatsächlich ein Hauch von Sonnenschein am Horizont und sein britischer Pathos, der Meatloaf zwar ab und zu streift, aber nie überhand nimmt, passte einfach zum Augenblick. Das Streichquartett ebenfalls, man merke: Livestreicher sind im Punkto Sound schon was ganz besonderes.

The Kills. Warum Alison Mosshart und Jamie Hince im Zelt spielten, derweil wesentlich weniger zugkräftigere Bands draußen ran durften, wird wohl auf ewig ungeklärt bleiben. Klar, dass die Red Stage lange vor dem Auftritt von The Kills wegen Überfüllung dicht war. Der tosende Applaus war die eine Seite ihrer Show, der Drumcomputer die andere. Schlecht war das nicht, aber viel zu voll.

Portishead. Eine unfassbar bezaubernde Beth Gibbons, Geoff Barrow, Band und Videokunst auf großer Leinwand führten das Konzept Festival zuerst einmal ad absurdum, in dem sie das erste Drittel ihres Auftrittes in einer (perfekt abgemischten) Lautstärke fuhren, die irritierte, begeisterte und die Generation „Rock´n´Roll-verseucht“ zu verzweifelten „lauter“-Rufen antrieb. Alle anderen hielten inne und ließen sich fasziniert in die Welt des langsamen Beats treiben, der mit einer beatlosen Version von „Wandering Star“ die Krone aufgesetzt wurde. Dann kam mit „Maschine Gun“ der Wums, gefolgt von einem „Glory Box“, das man so schnell nicht wieder vergisst. Gibbons selbst war so mitgerissen, dass sie am Ende des Auftrittes ihr Understatement beiseite legte, auf die erste Reihe zulief und die begeisterten Hände abklatschte. Was für Augenblicke.

Arcade Fire. Kann man Portishead noch einen drauf setzten? Nein, kann man nicht. Aber man kann in der selben Liga spielen und das taten Arcade Fire mit einem ebenfalls wahnsinnig guten Sound, einem Set mit allem was das Herz begehrt von mehreren „Neighbourhoods“ über „Ready To Start“ bis „Suburbs“, einer cinemaesken Video-Untermalung und einer Danksagung an Geoff Barrow, der einst den Mut besessen hatte die Anfrage, den Mix für letztgenannten Track zu machen mit der Begründung abzulehnen, zu schlecht dafür zu sein, definitiv. Großartig!

The Chemical Brothers. So richtig wollte die Kraft nach zwei Tagen Dauermatsch nun nicht mehr reichen, um eine Bühne nebenan nach vorne zu stürmen. Aber der visuelle Fokus von dem Chemical Brothers erschließt sich auch aus der Ferne hervorragend und dass da jetzt keine 10-piece-Band auf der Bühne steht, versteht sich von selbst. Der sehr laute Sound von der Blue Stage war (mit Ohrenstöpseln intus) nach einer halben Stunde Frontalansicht der richtige Weggefährte auf dem Weg zum Auto.

dl (bis auf The Wombats und Arctic Monkeys, die hat sich unser Jens angeschaut)















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Kommentare (2)

BARNI | 21.06.2011 | 17:27
Das ist Kunst
es hört nicht auf
>> Klick mich <<

BARNI | 21.06.2011 | 13:15
zwar nicht vom Southside, aber vom Hurricane. Man sieht bei Egotronic sind ein paar Leute vor der Bühne und auf youtube gibt es Videos von Menschen in langen Reihen vor dem Zelt die nicht mehr reinkamen
>> Klick mich <<



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