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#68 |
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Dienstag, 7. Juni 2011 |
VORWORT
So, jetzt ist er wieder da, der Sommer. Fein. Feiner Sommer. Und jetzt? Na was wohl, raus natürlich, alle und alles raus, aber sofort. Doch obacht, es gibt so ein Raus und so eins. Ich meine, ein böses und ein gutes Raus.
Beispiel für ein böses Raus (das, so denke ich, eigentlich nur in Berlin passieren kann): Ich war im letzten Sommer in Berlin unterwegs und sah beim Warten auf die Straßenbahn einen jungen Mann, das Handy am Ohr, die Straße überqueren. Er redete recht lebhaft in sein Telefon (der Berliner Wortschatz besteht zu einem guten Teil aus Ikke, Wa und Ey, fiel mir wieder auf) und sagte, an der Verkehrsinsel angekommen, „Ey, wart ma kurz, Alter“, beugte sich leicht zur Seite und übergab sich in das Verkehrsinselgestrüpp links neben sich. Das Handy hielt er mit seiner Rechten weiter am Ohr. Nach insgesamt drei Schwallen räusperte er sich, sagte, „So, Alter, wo warn wa?“, und setzte sein Gespräch fort, als wenn er gerade einen Kaugummi ausgespuckt hätte. Okay, es ist Sommer und keiner ist darüber erleichterter als der Berliner, denn im Winter ist seine Stadt noch schlimmer als im Sommer. Aber gleich so? Eben! Schlechtes Raus also. Aber, wie gesagt, das gibt es wahrscheinlich nur in Berlin. Habe übrigens irgendwo gelesen, die wollen uns jetzt das Glockenbach nachmachen, finde ich unerhört.
So, und das gute Raus? Easy. Zum Beispiel: Mund auf, Zähne raus und dauergrinsend durch die Stadt laufen, den ganzen Tag lang. Zwischendrin: Einen Brunnen suchen, die Füße aus den Schuhen raus und ins Wasser halten. Und am Abend, wenn die Augenlider vom In-die-Sonne-Dauerblinzeln leichten Muskelkater haben, in der Lieblingsbar mit dem Lieblingsgetränk in der Hand den Sternen beim Aufgehen zusehen. Oder: Alle Wohnungspflanzen auf den Balkon rausstellen, gießen und ihnen beim Sich-Freuen und Wachsen zuschauen. Oder: Mit Freunden am See grillen, gegen Abend alle Klamotten ausziehen, Pimmel und Brüste raus (wer hat, auch beides) und mit vollem Bauch reinspringen. So was halt, ich denke, ihr versteht, was ich meine. Also husch, husch, raus mit euch. Und denkt daran, ein leichtes Jäckchen mitzunehmen, am Abend kann es frisch werden.
Euer Thomas
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