Am 21. & 22. Mai feiert der im Künstlerhaus beheimatete Musikverein (MV) Jubiläumswochenende, unter anderem mit Konzerten von Kreidler, Cloud Boat und Mount Kimbie. Hinter dem etwa 20köpfigen Team steckt so einiges mehr als das, was ihr zu sehen bekommt, wenn ihr zu den MV-Veranstaltungen geht.
Also haben wir uns ein gemeinsames Getränk mit Sascha Wilke (seit 4 Jahren dabei) und Manfred Beck (seit 12 Jahren dabei) im Casablanca gegönnt. Könnten auch zwei gewesen sein...
Wie seid ihr zum MV gekommen? Sascha: Ich geh seit 11 oder 12 Jahren auf Konzerte ins K4. 2006 war ich für ein Jahr in Hamburg und hab da gemerkt, dass Nürnberg unglaublich viel bietet. Ich hab das K4 vermisst und bin dem Musikverein, als ich wieder da war, gleich beigetreten. Jetzt wohne ich in Regensburg und bin froh, dass ich als „Exiliant“ geduldet werde. Manfred: Bei mir war es ähnlich. Ich komme eigentlich aus Passau, bin zum Studieren nach Nürnberg gekommen und als jemand, der schon in seiner Heimat recht aktiv war, habe ich dann den MV entdeckt. Ich fand das klasse, dass die so eine offene Gruppe waren, wo man einfach mitmachen konnte. Zwischenzeitlich war ich drei Jahre in Stuttgart und habe es ähnlich dem Sascha vermisst. Statt nach Berlin zu gehen, bin ich dann in Nürnberg hängen geblieben, weil es einfach so geil war.
Was macht für euch den Reiz des MV aus? Sascha: Die Zugänge zur Musik sind heutzutage ziemlich offen. Man kann schnell irgendeine Party organisieren, wenn man das will. Im MV ist man auch mit Leuten konfrontiert, die einen anderen Zugang zur Musik haben und andere Präferenzen. Das ist unheimlich bereichernd. Die musikalische Entwicklung, die man selbst macht, wird sehr breit und geht über den reinen Konsum von Musik hinaus. Das kann man nur mit dem Internet nicht kompensieren. Manfred: Die Wandlung des MV über die Jahre finde ich auch sehr reizvoll. Mal ist es mehr Hardcore und Punk, mal mehr Elektronik, mal was ganz anderes. Da wird auch nichts einfach so runter gerotzt, sondern mit viel Liebe zum Detail auf die Beine gestellt. Ich war früher politisch aktiv. Für mich ist die Arbeit mit dem Musikverein genauso politisch, aber im kulturellen Bereich. Damit beeinflusst man ja vieles als Gruppe. Das ist in Städten wie Berlin, Stuttgart oder Hamburg anders. Da geht man einfach unter...
Ihr geniest es also, „freie Kultur“ machen zu können? Manfred: Ja, auf jeden Fall. Sascha: Ich glaube, dass es eine tolle Situation ist in Nürnberg, weil man den Leuten eine enorme Bandbreite bieten kann, die trotzdem Räume lässt, um mal woanders rein zu schauen. Für eine relativ kleine Stadt ist hier wesentlich mehr geboten als anderswo. Deswegen gehören auch andere Clubs und Veranstaltungen für uns dazu, auch wenn man nicht immer auf einer Linie ist.
Wie kann man sich die Entstehung einer Veranstaltung bei euch vorstellen? Manfred: Es gibt zwei Ansätze. Erstens haben wir in der Woche über 100 Anfragen, die wir uns durchgucken und schauen, was uns interessiert. Teilweise kenne ich davon 90% gar nicht. Aber da sind halt so Nerds bei uns dabei, die fast alles kennen (Gelächter). Zweitens gibt es eine Band, die wir gerne machen wollen. Dann fragen wir auch mal an. Es müssen mindestens zwei, drei Personen hinter einer Band stehen.
Seht ihr euch in Konkurrenz zu anderen Veranstaltern? Manfred: Nein, das sehe ich nicht so. Wir sind ja auch eng vernetzt miteinander und versuchen uns, so gut wie möglich abzusprechen.
Bogen zum Jubiläum: Was ist für euch in den letzten 35 Jahren im Musikverein passiert? Beide: Musik.
Ihr habt mit Kreidler eine sagen wir geschichtsträchtige Band zum ersten Teil eures Jubiläums geholt. Zufall oder Absicht? Manfred: Zufall war das nicht. Das war schon bewusst ausgewählt. Kreidler waren ja auch schon mal da, wir schätzen die Band sehr.
Warum nicht in groß, mit einem dicken Booking und im Festsaal? Sascha: Ich habe das so im Gefühl, dass wir immer vorsichtig geworden sind, wenn die Namen zu groß wurden und die Relation zwischen Musik und seiner Breitenfähigkeit nicht mehr gepasst hat. Gerade bei DJ-Bookings sprechen uns manchmal die Künstler selbst schon an, aber das drum herum nicht mehr. Daher finde ich es fast konsequent, gar nicht so eine aufgeblasene Geschichte zu machen sondern etwas Musikbezogenes. Manfred: Es geht ja auch nicht darum, eine riesen Feierei zu machen, zu der die Leute dann genau deshalb auch kommen, sondern einen Akzent zu setzen, zu dem die Leute auch wegen uns und unserem Schaffen kommen. Nach der Band gibt es ja dann auch Party, bei der aber die Musikvereins-DJs auflegen und das stilistisch ganz breit gefächert.
Es gibt Umbaupläne, die vorsehen, dass ihr mittelfristig zusammen mit dem Zentralcafé Kaya e.V. und der Kulturkellerei umziehen müsst. Es ist sogar von einem neuen Club im Keller des Künstlerhauses die Rede... Manfred: Das schwebt uns schon im Hinterkopf rum. Aber für mich wirkt das konzeptlos. Die nächsten Jahre wird da nichts passieren. Für uns ist es schon wichtig, an den Orten bleiben zu können, an denen wir jetzt sind. Und liegt aber auch das ganze Haus am Herzen. Wäre doch komisch, wenn dieser schöne Biergarten verschwinden muss, oder? Die Umbaupläne gehen in eine Richtung, in deren Folge das Haus seinen Charme als Gesamtes verlieren würde. Wir werden schon versuchen, mit zu erwirken dass das Künstlerhaus das Künstlerhaus bleibt. Sascha: Ich finde, das Zentralcafé ist inzwischen längst ein gewachsener Ort und eine feste Anlaufstelle, die alleine optisch betrachtet ein geschlossenes Bild vermittelt und damit auch eine Geschichte. Ich weiß nicht ob das in einem neuen, eher funktionalen Raum aufrecht zu erhalten wäre. Manfred: Damit würde der Stadt ja auch ihr „Eingangspunkt“ verloren gehen mit all seinem Leben, wenn die verschiedenen Spielstätten von Kino über Glasbau bis Festsaal Programm anbieten... es hat doch die letzten 35 Jahre ganz gut funktioniert.
35 JAHRE MUSIKVEREIN. AM 21. MAI KONZERT MITAGIKAKALUNA UND KREIDLER & PARTY. AM 22. MAI KONZERT MIT MOUNT KIMBIE UND CLOUD BOAT. CURT GRATULIERT!