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#154 |
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Donnerstag, 5. Mai 2011 |
Ich rase mit meinem Fahrrad durch die Straßen. Vorne am Lenker hängt ein Metallkorb, darin befinden sich die druckfrischen curt Hefte. Ich trage meine schwarze Velourslederjacke. Nicht wegen der Protektion, sondern weil es scharf aussieht, wenn man beim Radeln die Ellenbogen nach außen drückt und der Wind durch die schwarzen Fransen an den Ärmeln pfeift.
Wenn man zum Abbiegen den Arm weit ausstreckt, dann hat man fast die maximale Fransenwirkung. Mehr geht nur, wenn man freihändig radelt, dabei theatralisch den Kopf in den Nacken legt und die Arme ausbreitet wie Leo einst am Bug der Titanic. Aber das ist mir meist zu gefährlich, darum benutze ich ja auch Abstandhalter und Signalwimpel. Mein Fahrrad ist ein Dreirad, wie es von Gehbehinderten präferiert wird. Es war ein Geschenk, ich habe es umgebaut: es hat nun einen gedrechselten Chopperlenker, Weißwandreifen und klappernde Spielkarten in den Speichen. Den Koffer auf der Hinterachse habe ich entfernt. Hier befindet sich stattdessen ein alter Sessel, der mit Kabelbinder und Klebeband fixiert wurde. Dennoch befürchte ich manchmal, wenn ich zu schnell in die Kurven fahre, der Sessel könne abreißen und mitsamt Karel im Graben landen. "Langsam, du Scheißhenker!", brüllt er dann immer und zurrt mit einer Hand den Kinnriemen seines Helms fest, während er mit der anderen Hand die curt Heftchen den erschrockenen Passanten an den Kopf schleudert. "curt! Hier kommt der curt! Frisch aus der Presse!", brülle ich und drücke die Hupe. "Aus der Bahn, Marzipan!", ereifert sich Karel, während sein Blick irrer wird und ich bergab das Tempo anziehe. Lenken und Hefte gezielt schmeißen ist mir kaum noch möglich, das Papier zischt unkontrolliert in Fußgängergrüppchen, zerschmettert Kniescheiben und Nasenbeine, ein kleiner Hund wird halbiert, wie ich erst Tage später dem Polizeiprotokoll entnehme.
Das Tempo wird mörderisch, das Innenrad spult ins Leere und in einer langgezogenen Rechtskurve verlassen mich der Sessel und Karel. "Fliegeralarm!", höre ich ihn noch schreien, bevor er mit dem Helm voran durch das Schaufenster einer Metzgerei bricht. Der Sessel zerbirst am Schädel unseres zufällig vorbei flanierenden Büronachbarn Olaf, der unbeeindruckt weiter sein Wassereis lutscht, während er die Flugbahn von Karel beobachtet. Unsere Magazine verteilen sich quer über die Straße, Reifen quietschen, Autotüren werden geschlagen, Fahrer und Passanten stürzen sich auf die am Boden liegenden curts. Fäuste fliegen, Stoffe reißen. Plötzlich steht Karel mitten auf der Kreuzung, sehr heroisch: den Wind im Gesicht, die Sonne im Nacken, noch einen Wurstzipfel im Mundwinkel. "Auseinander, ihr Geschmeiß! Keine Gewalt! Es gibt genügend curts für alle!" Der Mob hält inne, gehorcht augenblicklich, kommt auf Knien vorsichtig angekrochen und holt sich bei Karel langsam und artig seinen curt ab. Einer nach dem anderen. Ein kleiner Junge pfeift ein wunderschönes Lied, ich weine ein bisschen, winke mit baumelnden Fransen hinterher und nur wenige Minuten später ist es so, als wäre nie etwas passiert... Ja, so etwas gibt es nur in Franken!
curt feiert am 1. Juni seinen 14. Geburtstag. Und auch wir werden pfeifen, eventuell aus dem letzten Loch. Bis dahin gehabt Euch wohl, genießt unser Nachtleben und gebt Gas!
Euer Euch treu ergebenes curt-Team (Ihr erkennt uns an dem Pfiff!)
PS: was ihr im heft nicht findet, das gibt es auf www.curt.de, der offiziellen website für ein besseres leben.
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