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MUSIK

So war: The Archive
Sonntag, 17. April 2011
Ist ja immer so eine Sache, wenn man sich auf etwas richtig freut. Erwartungen werden schnell enttäuscht. Nicht so bei The Archive letzte Woche in Würzburg.

Selten, dass ich einer Band so gehuldigt habe, wie diesen Briten. Für mich absolute Hall of Fame, unter den Top 5 meiner Lieblingsbands, und wahrscheinlich habe ich in den letzten Jahren keine andere Band öfters und intensiver gehört. Um so größer natürlich die Vorfreude, dass ich es endlich mal zu einem ihrer raren Konzert schaffe. Aber eben auch nicht unproblematisch, denn wenn man sich so auf etwas freut, sind die Hoffungen und Erwartungen riesig, die Gefahr der Entzauberung und Ernüchterung dergleichen ebenso. Doch, ich hab es ja schon vorweg genommen, Befürchtungen waren völlig fehl am Platz.
Los ging es schon mal mit einer äusserst geschmeidigen und kurzweiligen Autofahrt nach Würzburg in die Posthalle, bei der ein stadtbekannter Kneipier mit Roboter-Affinität keine unbedeutende Rolle gespielt hat. Die Posthalle in Würzburg war mir bis dato unbekannt und ist eine - der Name sagt's ja schon - ehemalige riesige Lagerhalle der Post, in der gut und gerne mehrere Tausend Leute Platz finden würden. Dank geschickter Raumteilung mit dicken schwarzen Vorhängen aber auch für weniger Menschen passend gemacht, und so füllen die geschätzten 700 Besucher gut und ohne Gedränge den Raum. Das Konzert beginnt pünktlich auf die Minute, auf eine Vorband oder ähnliches wird verzichtet, soll mir recht sein.
Von Anfang an habe ich das Gefühl, hier sind Musiker im besten Sinne des Wortes am Werk, mit absoluter Leidenschaft, Konzentration und Hingabe. Alle in klassischem Schwarz gekleidet, ohne Schnickschnack, was sich auch im Lichtdesign der Show widerspiegelt: Ohne viel Firlefanz, im Grunde reduziert auf Farbenspiele und nur das schmückende Beiwerk des eigentlichen Zentrums, der Musik. Der Sound insgesamt ist gut und transparent, in einer angenehmen und angemessenen Lautstärke.
Bis zu acht exzellente Musiker stehen da also auf der Bühne, drei davon bestückt mit einer Stimme (Zwei Männlein und ein Weiblein), von der jeder alleine den Charakter einer Band prägen könnte. Doch hier hat die Band stets den Mut, sich ganz dem Song und der Kompostion unterzuordnen, und so kommt es nicht selten vor, dass mancher Musiker Minuten lang untätig und still verharrt oder gar ganz von der Bühne geht, weil das Stück in dem Moment einfach auch ohne ihn funktioniert. Die Reduktion auf das Essenzielle, nur soviel, wie es wirklich bedarf, und dabei doch die Möglichkeit, eine Soundwand zu erzeugen, die eben mit der geballten Kraft von bis zu acht Musikern möglich ist. Überhaupt sind The Archive die Meister des Minimalen und der Wiederholung, schaffen sie es doch ein Thema über Minuten zu zelebrieren, sich Zeit und auch die Ruhe zu nehmen Stimmungen aufzubauen und zu erzeugen, mit geringen Variationen zu versehen, dabei nie langweilig zu werden und oft in einem Soundgewitter zu kulminieren, das jeder anständigen Rockband würdig ist. Viel geschmackvoller und facettenreicher kann man Musik nicht gestalten, zu dem die Band auch auf Beihilfe eines Sequenzers nicht verzichtet, doch auch hier beweist, wie gut und effektiv man so etwas lösen kann. Für mich schlicht und einfach die Perfektion eines Rockkonzerts, das nach knapp eineinhalb Stunden zwar vorbei ist, aber keine Wünsche übrig lässt. Lediglich von der Songauswahl hätte ich mir den einen oder anderen Klassiker mehr erhofft, aber bei einem Oeuvre von neun Alben kann die Band ja nicht alles spielen. Der beharrliche und nicht enden wollenden Applaus der Zuschauer nach der Zugabe (tatsächlich bis die Roadies das Abbauen anfingen!), bestätigt mich in meiner Wahrnehmung des Konzertes und so treten wir mehr als Zufrieden wieder den Heimweg an und ich geniesse das Gefühl, wie schön es sein kann, wenn Erwartungen und Hoffnungen erfüllt werden.

[fs]

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Kommentare (1)

DERPOSTMANN | 18.04.2011 | 13:20
Schade, das hätte ich auch gern miterlebt! Wie war das denn mit den Sängern? Waren Pollard Berrier und Maria Q am Start? Und hatten sie auch Rosko John für die Rap-Parts mit dabei?
Und haben sie auch Klassiker aus der Zeit mit Sänger Craig Walker gespielt?

Fragen über Fragen...
Thx aweil



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