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PRINT // WAS CURT SO MACHT

#152
Freitag, 4. März 2011
Samstag Nacht, Hauptbahnhof. Ich will Verpflegung für die curt-Nachtschicht holen. Ich bin mit dem Auto da, parke vor der Outdoor-Raucher-Lounge der Indabahn. Es schneeregnet, die schönen und reichen Raucher frieren. Ein Typ mit gelber Hose und rosa Polohemd zittert. Ich gehe zum Haupteingang des Bahnhofs und werde NICHT angeschnorrt. Die Punks frieren ebenfalls, ihre Hunde auch, trotz Halstuch - das Bier schmeckt natürlich ungebremst gut. Innen im Warmen steht eine Zweidutzendschaft Bereitschaftspolizei.

Ich fühle mich dank dieser strammen Burschen mit ihren schicken Schnauzbärten sehr sicher, solange sie mich nicht am Leib kontrollieren. Ich versuche, nicht übermüdet, nicht vergammelt und nicht kontrollwürdig auszusehen und flaniere légère an den Ordnungshütern vorbei, direkt rein in die nächste Dutzendschaft: Minderjährige, stark verpickelte HipHop-Gangsta, die ihren hart trainierten Schweineghettoslang mit kampfsportartigen Gesten untermauern. Sie brauchen keine Namen - sie nennen sich gegenseitig "Homeboy", "Homie" und "Dog", gerne auch mit einem "Alda" drangehängt.

Sie finden sich krass, endkrass, porno und laser. Einer von ihnen zappelt vor mir in der Reihe vorm Burger King. Er ist irrsinnig unattraktiv, offensichtlich ein echter Verbrecher und braucht "Cola, Alda, sonst verreck ich, Alda". Er kann auch delegieren, ist sichtlich erfahren in Personalführung: "Homeboy, Alda, hol´ mir mal an Strohhalm, Alda, ich verreck´ gleich." Dabei zappelt er und demonstriert ungebremste positive Energie, die es nur noch zu kanalisieren gilt. Sein Homboy geht zur Strohhalmstation und holt einen Strohhalm. Die anderen Dogs nicken anerkennend. Dann klingelt sein Handy und er berichtet im Schweineghettoslang seinem Homie, dass er nicht ins WON gekommen ist und ohne Cola fast verreckt wäre. Merkwürdig: mittlerweile finde ich ihn sehr anziehend, kann mich seinem Proletencharme nicht mehr entziehen. Ich lenke seine Aufmerksamkeit auf mich, indem ich ebenfalls brutale Gesten mache und so tue, als würde ich mit einem Massenmörder telefonieren, der mein bester Freund ist und zugleich mein Bruder, mein Vater und meine Mutter. Er reagiert darauf, sieht mir in die Augen, berührt wie zufällig meinen Schenkel und wir trinken gemeinsam seine Cola.

Wenig später fahren wir die Rolltreppe runter, knutschen wie verrückt und hüpfen kichernd im Hopserlauf, wobei uns die 24 Herren von der Bereitschaftspolizei strahlend Spalier stehen und übermütig in die Luft schießen. Der Abend endet im Liebesrausch, in der Amnesie und als Sexfilmchen im Internet. Ich verliere Frau und Kind und curt alle Anzeigenkunden. Verrückte Welt. Gehabt Euch wohl, genießt Eure Stadt und die Region und feiert, dass es kracht

Euer curt-Team

PS: was ihr im heft nicht findet, das gibt es auf www.curt.de, der offiziellen website für ein besseres leben.

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