4. Dockville insgesamt, 2. Dockville für mich. Nach dem sehr gutem Festival 2010 war es für mich keine Frage dass ich auch dieses Mal dabei bin. Dieses Gelände am Wasser in Hamburg, sonst eine industrielle Brachfläche hat einfach einen nicht
abstreitbaren Charme. Um die Menge der Eindrücke wieder zu geben hier alles chronologisch:
Freitag 14:30
Um sich auf Hamburg einzustimmen verbrachte ich die Nacht davor schon in St. Pauli, aber trotzdem so früh aufgemacht um Terrible Eagle zu hören, vom S-Bahnhof Wilhelmsburg bis zum Festivalgelände ganz schön gewundert was die Leute alles an Unmengen mit sich herumtragen, die Camper halt. Beim Ankommen waren leider die Aufbauarbeiten noch im vollen Gange, Bier gab es auch erst eine Stunde später. Egal, dafür freute man sich über den Sonnenschein, denn eigentlich war Regen gemeldet. Terrible Eagle haben dann eine ganz große Soundwand aufgebaut, erstaunlich für nur 3 Leute auf der Bühne. Musikalisch starke StonerRock Einflüsse, super Einstand für die ca. 50 Zuhörer.
16:10
Die Band ist vorbei, mit guter Laune wird auf dem Gelände herumgelaufen welches dieses Jahr ganz anders aufgebaut ist, viele Bühnen (alle tragen übrigens Namen von Räumen in Schiffen) sind dieses Jahr in Hallen. Bei dem Wetterbericht wohl
auch ganz gut. Einige Kunstwerke welche auf dem ganzen Gelände aufgebaut waren angeschaut und mit Freude festgestellt dass es mindestens 3 Mal so viele Bierstände wie letztes Jahr gab.
16:40
Mein erstes Highlight des Festivals Ja, Panik aus Österreich, mittlerweile im Berliner Exil angekommen. Textlich im deutschsprachigen Raum ganz oben dabei und dazu sympathischen Schrammelpop. Leider ohne Ansagen, dabei höre ich ihr burgenländisch so gerne.
18:00
Auch wenn gerade keine Band auf der Bühne steht, die einen interessiert, gelangweilt braucht hier niemand umherzustehen. Denn neben den überall zu betrachtenden und anzufassenden, zu bedienenden und bestaunenden Kunstwerken, die in den vergangenen Wochen entstanden sind, gibt es auch eine Menge Spielzeug, eine Wippe wurde ebenso häufig genutzt wie eine überdimensionale Schaukel.
19:20
Nun zum ersten Mal auf der Bühne namens Hauptschott (die größte Bühne) um K.I.Z. zu sehen. Entertainer der ersten Liga, zwischen den Songs die mittlerweile eine riesige Menge exzessiv abfeiert gab es Kostümwechsel wie vom
Demopolizisten auf Kiezassi mit nackten Oberkörper, riesige Kissen die von der Menge zerissen wurde, ich habe noch nie so viele Federn auf einem Haufen gesehen, und einer Geldkanone aus der Selbstgedruckte Geldscheine in die Menge
gefeuert wurden. Ein großer Spaß.
21:00
Auf der großen Bühne spielt Shantel, da bin ich lieber geflüchtet und will mir Die Rakede anschauen, in einer Halle namens Maschinenraum. Der Party HipHop wurde ja schon von Charlotte Roche gut gefunden. Leider war der Sound so mies dass man die Text nicht verstand und der Beat immer zu einer anderen Zeit als die Stimmen am Ohr ankamen, schade eigentlich.
22:00
Ab in die Halle daneben, im Butterland legte Lawrence Techno auf, absolut super, technisch wie stimmungsmäßig.
01:00
Wieder zurück in den Maschinenraum. Leider gab es, aus verschiedenen Gründen, insgesamt 2 Stunden Verspätung. Gleich spielen Bratze, der erste Eindruck: ohje die Halle ist viel zu klein, da werden einige leider enttäuscht draußen bleiben müssen. Das Hamburger Duo auf dem Audiolith Label lieferten eine unglaubliche Show zwischen Elektrobeats und schlauen Texten. Die Halle war am Kochen.
02:30
Zurück in den Butterland, bei Tiefschwarz noch ein paar Stunden zu Techno getanzt, also nicht ich sondern die Menge.
6:00
Nach etlichen Stunden Gitarren- und elektronischer Musik, leckeren Vodka Mischgetränken, die ich da zum ersten Mal kennen gelernt habe, nun mit dem Taxi den Stadtteil Wilhelmsburg ab Richtung Bett verlassen.
Samstag 15:30
Sehr früh spielten Hgich.T, na ja sehr trashig, einfache Beats auf dumpfen Gesang („Das System ist das System, ja“) das Konzert musste unterbrochen werden da die Bühne irgendwann gestürmt wurde.
18:30 Die Sterne, immer wieder schön dieses Urgestein der Hamburger Schule zu hören.
20:00
Gerade vor Bonaparte geflüchtet, sorry aber diese inszenierte Zirkusshow mit ganz ganz flacher Musik ist so was von gar nicht meins. Nun aber auf zu Uffie, aber nach wenigen Songs war mir klar, völlig überschätzter 80er Pop. Da interessanteste an der Show war ein Hubschrauber der hinter der Bühne gelandet ist, alle diskutieren wer da gelandet ist, der Headliner oder doch nur ein Spitzenpolitiker. Oder doch das wahrscheinlichste, niemand und es war nur ein Kunstperfomance.
22:22
Delphic und Jamie T. waren beide bestenfalls nur Durchschnitt, lieber die Zeit mit den netten DJ Teams auf einer der unzähligen Bühnen angeschaut.
22:30 Klaxons beginnen auf der Hauptbühne, eine der Bands auf die ich mich am meisten gefreut habe, leider war der Sound so unglaublich schlecht dass ich nach 20 Minuten gegangen bin. Lieber die Leute bei Frittenbude ausrasten anschauen. Das ist auch eingetreten, nachdem die Band letztes Jahr noch in einer kleinen Halle spielte die aus allen Nähten platzte nun auf der zweitgrößten Bühne, auch da war es mehr als voll. Sehr schöne Show und die ersten 100 Reihen am kollektiven durchdrehen, und das im Gegensatz zu Bonaparte nicht geplant und inszeniert. Die Menge rief noch 10 Minuten lang Zugabe. Das erlebt man auf Festival ja auch nicht jedes Mal.
00:10
Eigentlich wollte ich zu Schwefelgelb, leider haben Leute davor Autos angezündet. Die Autos waren eigentlich von Kindern angemalte Kunstwerke. Wegen dem Rauch wurde dann die entsprechende Bühne gesperrt. DJ Phono und Fritz Kalkbrenner habe ich dann leider verpasst weil ich nicht mitbekam dass die Bühne wieder
aufgemacht wurde. Das DJ Set von Ada und dem Revolver Club waren dann aber ein guter Ersatz.
04:00
Mal wieder viel zu viel Sachen nur kurz angeschaut, aber was will man bei der Auswahl machen? Da am nächsten Tag ein großes Radrennen in Hamburg stattfindet ab ins Taxi bevor die Straßen gesperrt werden.
Sonntag 15:30
Mist verschlafen denke ich mir, eigentlich wollte ich mir ja die Emopunkrocker von Jupiter Jones anschauen, vor Ort erfahre ich dann das die Band im Stau stand und nicht spielen konnte. Dafür nun We Were Promised Jetpacks sehen, die Schotten begeistern schwer mit ihrem Indierock und es tanzen bereits erstaunlich viele Menschen für diese Uhrzeit.
17:50 Therapy? auf der Bühne, absolut Top die Tiefhängenden Gitarren und diese Genretypischen Ansagen, ca. 10 Mal „Hamburg, you’re the best audience in the world“. Erwähnenswert auch die Coverversion von I Wanna Be Your Dog.
19:00
Ich weiß ja nicht was die Altpunker von Slime dazu bewogen hat noch mal aufzutreten, aber so sehe ich wie diese Rentner alle ihre Hits spielen, und am Ende „Deutschland muss sterben“ großartig, dass ich das noch erlebe.
20:40
Gefühlte 99 Prozent der Besucher laufen zu Jan Delay, ich hatte große Probleme gegen den Strom zu Hallogallo 2010 zu kommen. Aber wer will schon verpassen wie der Schlagzeuger von Sonic Youth zusammen mit dem Gitarristen von Neu!
zusammen Songs von Neu! spielen. Das war für mich auch das Konzert des Jahres. Leider nur eine Stunde lang, dann kam ein Platzregen wie man ihn nur selten erlebt. Das Wasser stieg von unten immer höher, deswegen dann doch vor dem Ende gegangen.
Wieder war es sehr schön, bei keinem anderen Festival kann man so schön neben den Konzerten die Zeit verbringen, mit wie viel Aufwand dort Kunstwerke gebaut worden sind und wie viel Energie in diesem Festival steckt bekommt man erst mit wenn man das selbst sieht. Dockville 2011, ich bin dabei!
Text: Sebastian Gloser Fotos: Stefan Malzkron / Pressefreigaben