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MUSIK

10 Jahre Brückenfestival - Bandticker
Montag, 16. August 2010
Freitags Dauerregen, Samstag durchgehend Sonne. Unterschiedlicher hätten die beiden Jubiläumstage kaum sein können. Auch das musikalische Line-up war gemischt - wir fassen in aller Würze zusammen, was so unter Augen und Ohren gelaufen ist.

FREITAG
18:25 Top Trash Pot. Indiehits für Indiekids. Wer das erwartete, wurde von den inzwischen von Nürnberg nach Berlin ausgewanderten Jungspunden auf der Bühne enttäuscht. Im positiven Sinne. Auch die Kids vor der Bühne erfreuten sich vor allem in der zweiten Konzerthälfte an durchaus durchdachten Songwriter-Anleihen und spendeten warmen Applaus.

19:25 Kommando Elektrolyrik (Poeten Bühne). Spoken Word zu elektronischen Beats. Gute Idee, gut umgesetzt. Und das trotz Bierzeltstimmung vor der zweiten Bühne des Festivals. Die wandelte sich im Laufe der Tracks zur Zuhörstimmung, besonders nett: „Vater Konsum“ (statt „Vater Unser“).

19:45 Here Comes Conclusion. Der Sound war am ersten Festivaltag grundsätzlich nicht besonders gut. Der filigran erarbeitete vierstimmige Gesang (im Wechsel mit hardcoreskem Geschrei) der Lokalheroen ging völlig im Brei unter, die komplexen Arrangements ebenfalls größtenteils. Schade, denn die sind eigentlich toll.

21:05 Rainer von Vielen. Auch die sympathische Chiemgauer Oberton-HipHop-Bande hatte anfangs mit dem Sound zu kämpfen, der nach der großartigen „Mein Block“ - Coverversion (Sido) aber keine(n) mehr interessierte. Die Bude tobte und das völlig zu Recht. Nebensatz für alle Musiker(-erinnen): Versucht mal, so auf eurer Gitarre zu slappen, wie das der Michi vom Rainer macht. Wahnsinn.

23:05 The Black Box Revelation. Der für The World Inferno Friendship Society eingesprungene Headliner polarisierte, machte sich aber musikalisch betrachtet besser als The Black Rebel Motorcycle Club vor drei Jahren auf dem Southside, weil weniger Southern-Rock-Anleihen im Konzert, sondern mehr dreckige Bluesvariationen à la Jack White & Co. Da standen auch einige der Kids vom Anfang (Top Trash Pot) wieder in der ersten Reihe und hörten aufmerksam zu.

SAMSTAG
15 Uhr Punch & Nerves. Gibt es noch nicht so lange, sind aber ganz gut und vor allem mit ihrem entspanntem Akustik-Indie-Pop ein prima Opener gewesen. Zusätzlicher Pluspunkt: Die erste Frau auf der Bühne und die konnte auch noch gleich richtig was.

16:40 Mio Myo. Spielten zu früh. Kaum Leute vor der Bühne, und die, die weiter hinten standen, waren auch nur teilweise interessiert. Und dann war ja noch die Sache mit dem Wetter, das zum Rumflacken in der Wiese nur so einlud. Vielleicht mal zu überlegen, künftig die eine oder andere lokale Band ob besserer musikalischer Einbettung und/oder Lautstärke an anderer Stelle spielen zu lassen. Denn...

17:40 King Automatic. ... das, was diese französische One-Man-Soul-Rockabilly-Kapelle mit Schlagwerk, Orgel, Gitarre und Samplern auf der Bühne veranstaltete, war erstens ein echter Augenschmaus, hätte zweitens super auch etwas früher gepasst und war drittens nicht so laut.

19 Uhr Golden Kanine. Toller skandinavischer Sonnenuntergangs-Indie-Folk, der viele völligst in seinen Bann zog. Die Band aus Schweden identifizierte sich nicht nur mit ihren ehrlich gemeinten Sympathiebekundungen mit Festival und Publikum sondern spielte auch noch (bei auffällig gutem Sound) einen auf, dass es eine wahre Freude war. So schön kann Urlaub klingen!

Die letzten beiden Bands des Abends, Budzillus und Who Made Who, hat der Verfasser dieser Zeilen nicht mehr persönlich gesehen, sich aber von unzählig, eigens zu diesem Zwecke engagierte Spionen berichten lassen, dass vor allem die Zweitgenannten eine Party unter und links und rechts und wahrscheinlich auch oberhalb der Brücke und mit ALLEN (auch denen die eigentlich gar nicht da waren) gefeiert haben, wie es besser kaum geht. Da sind nicht nur (dänische) Kühe und BHs geflogen...

Außerdem: Das Essen war für Festivalverhältnisse top. Das Bier schmeckte erst am Samstag, die Barcrew war aber auch am Freitag schon super nett. Weinschorle aus der Flasche geht gar nicht. Auch Mann will beim Pinkeln etwas unbeobachter sein - die Plastikurinale sind zwar praktisch, aber kaum einer traut sich, wenn "währenddessen" links und rechts die Menschenmassen nur vorbei flanieren. Klasse Videoprojektionen an der Unterseite der Brücke, derweil die vielen weißen, mühevoll bemahlten Stoffbahnen, die von der Brücke runter hingen, nebenan auch mal gerne als "Riesen-Klorolle" bezeichnet wurden. Schade, dass Bird Berlin nicht da war - gute Besserung! Schade, dass es schon wieder vorbei ist.

(dl)

p.s.: Fotos vom Festival kommen noch.

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Kommentare (2)

LITTI | 17.08.2010 | 09:25
danke..,-)

FUNKYANDY | 17.08.2010 | 09:08
Weil es schon zum zweiten oder dritten Mal falsch geschrieben wurde: Die NN-Rockbühne Gewinnerband heißt PUNCH & Nerves, nicht Punches. ;)



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