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Angehört: The Chemical Brothers - Further |
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Montag, 19. Juli 2010 |
Die sich im Mainstream sonnenden britischen Elektroniker durchfahren dieser Tage eine interessante Verfranzösisierung, gepaart mit einer Neigung zum Konzeptalbum.
Nach den Gorillaz und ihrem deutlich synthieflächenlastigeren Epos „Plastic Beach“, auf dem man bisweilen sogar irgendwie an Jean-Michel Jarre denken musste, bieten nun auch die Chemical Brothers Tom Rowlands und Ed Simons deutlich mehr Vergleichspotential zu sagen wir einmal Daft Punk. Starsänger oder -rapper sparen die beiden sich diesmal, der Textgehalt des Albums ist äußerst überschaubar, die wenigen Zeilen singt meist Tom Rowlands selbst.
Das Album beginnt mit einem wunderbaren Antiklimax namens „Snow“, dessen sehr langsam ansteigende Spannung sich nie entlädt. Erst der 11-Minüter „Escape Velocity“ wartet mit einem stumpfen Beat auf und umeinandertanzenden Synthesizer-Arpeggios, die immer wieder auf und nieder zappeln bis man bei „Another World“ und seinem eben sehr an Daft Punk erinnernden Synthie-Kosmos schon langsam Sorgen bekommt, dass die Väter von solch peitschenden Hits wie „Hey Girl Hey Boy“ oder „Galvanize“ komplett in die Welt der Psychedelik verabschiedet haben. Auch bei „Dissolve“, bei dem man zu Beginn eine U2-Gitarre („Where The Streets Have No Name“) zu hören glaubt, obwohl man sich täuscht, dauert es eineinhalb Minuten bis endlich ein harter Livebeat im Stil von „Let Forever Be“ oder „Block Rockin' Beats“ hereinpoltert. Und die Dramaturgie des Konzeptalbums weiß schon was sie tut, wenn sie direkt danach mit „Horse Power“ einen ganz klassisch-fiesen Chemical-Brothers-Stampfer hinterherschickt.
Danach ist aber Schluss mit Reminiszenzen an sich selbst, mit „Swoon“ folgt das einem Popsong am nahesten kommende Stück des Puzzles, ein bisschen mehr Popwillen und Text und man hätte einen lupenreinen 80er-Revival-Synthiepop-Song, wie er derzeit von Dänemark (Turboweekend) bis Frankreich (Curry & Coco) zelebriert wird. So ganzen trauen sich die Nicht-Brüder aber nicht, obwohl sie beim letzten Stück als Rausschmeißer ein bisschen Coldplay-Harmonie- und Rhythmusästhetik walten lassen, was dem Gesamtwerk einen etwas zuckrigen Nachgeschmack verleiht.
Dennoch kann man diese Scheibe sehr gut in einem Rutsch durchhören, am besten tanzend vor irgendeinem Strandclub in der Südsee, nicht unbedingt in einem stickigen dunklen Kellerclub. Dazu durchströmt das Ding zu viel Peace, Love and Happiness. Diese Hippies!
Claus Friedrich
www.thechemicalbrothers.com
www.myspace.com/thechemicalbrothers
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