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So waren The National in Dachau |
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Freitag, 16. Juli 2010 |
Mittwochabend (14. Juli) auf dem Rathausplatz in Dachau: Die hochgelobten US-amerikalischen Indierocker The National und die schon vom Bowie-Langzeitpianisten Mike Garson unterstützte Texanerin Annie Clark alias St. Vincent geben ein umjubeltes Gastspiel. Unser Redakteur Claus Friedrich jubelt mit.
++ „That was another one of our cheery numbers...“ grinst Matt Berninger in sein Mikro, das er heute noch mehrmals fallenlassen wird, nach dem Song „Sorrow“ von The Nationals mittlerweile fünften Album „High Violet“. Die offenbare Grabesschwere von Berningers Stakkato-Bariton ist stets von einer augenzwinkernden Ironie durchsetzt, die sich beim Live-Konzert deutlicher zeigt als auf Tonträger. Denn eines muss man den amerikanischen Bands lassen, sie haben immer Frontmänner und -frauen mit starken Entertainereigenschaften. So dunkel und whiskeygetränkt und ... ja, europäisch die Musik von Berninger und den Brüderpaaren Aaron & Bryce Dessner sowie Scott & Bryan Devendorf auch daherkommt, zwischen den Songs hat der notorisch Weißwein trinkende und während des Konzert sichtlich betrunkener werdende Matt Berninger immer einen Spruch auf den Lippen. Teilweise richtige Brüller für Freunde des lachenden Zynismus. Vor malerischer Kulisse auf dem Dachauer Rathausplatz mit Kirche und Kopfsteinpflaster und Sommerabendhimmel und allem drum und dran erinnert er sich an den Soundcheck und die Kollision mit dem Klerus: „Our soundcheck was interrupted by church, we had to stop because of church. Which we should, I guess. But it allowed us to blame him for more than we already blame him for. ... With all due respect, God ... We're soundchecking!!!“
Matt Berninger ist auf der Bühne der zentrale Fixpunkt, der Rest der um drei weitere Mitstreiter - an Keyboards/Geige, Trompete und Posaune - erweiterten Band hält sich sehr im Hintergrund, obwohl die Musik komplett von den Dessners und Devendorfs kommt und Berninger nur seine wenigen tiefen Töne und unfassbar guten Texte beisteuert. Die Band spielt druckvoll und laut, zu Beginn des Konzerts kann die tiefe, bisweilen monotone Stimme sich kaum durchsetzen gegen Gitarren- und Bläserwände, doch es pegelt sich langsam ein. Bei „Abel“ springt Berninger ins Publikum und läuft quer durch die Leute den halben Platz ab, mit Mikro mit Kabel! Und brüllt sichtlich vergnügt „My mind's not right! My mind's not right!“ ... Das großartige „Fake Empire“ bildet den offiziellen Schlusspunkt, bevor noch vier Zugaben den Abend abschließen, mittlerweile vor bedrohlichem Unwetterhimmel, der immer wieder spektakuläre Blitze losschickt und das Publikum zu spontanen Jubelausbrüchen animiert.
Ganz am Schluss noch der epische Opener des neuen Albums, „Terrible Love“. Nicht nur durch das anrollende Unwetter ein perfekter Abschluss, an dem auch noch einmal Annie Clark alias St. Vincent auf die Bühne kommt, die ich von ihrer Vorprogramm-Performance ausgehend gerne sofort als die neue Björk des 21. Jahrhunderts ausrufen möchte. Perfekter kann eine Musikerin eigentlich nicht sein als St. Vincent: Zeitlos schön, ein unglaubliches E-Gitarrenspiel, das Jimi Hendrix und Johnny Greenwood zu Tränen rühren würde, eine Stimme die zwischen Bat For Lashes, Janis Joplin und eben Björk anzusiedeln ist und Songs und Arrangements, die das Publikum immer einen Tick überfordern. Hier bin ich schamlos bereit zu dem gefährlichsten aller Musikjournalisten-Klischeesätze: Von der werden wir noch hören.
Mit den Worten „It's terrible love and I'm walking with spiders. It's terrible love and I'm walking in. It takes an ocean not to break.“ endet ein perfekter Konzertabend beim Dachauer Musiksommer. Das Unwetter kann nun kommen.
Claus Friedrich
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