Vor drei Jahren startete die Ära eines der wohl beeindruckendsten Festivals, das es in Deutschland gibt. Hier wird Musik direkt mit anderen Künsten verbunden und vor einer faszinierenden Kulisse präsentiert.
Die Rede ist vom Dockville Festival in Hamburg Wilhelmsburg, das vom 13.-15. August 2010 bereits zum vierten Mal veranstaltet wird. Was da im Hamburger Süden in den letzten Jahren gewachsen ist, darf man schon mal als phänomenal bezeichnen. Nirgendwo sonst ist ein Festival so eng mit Livemusik, Clubkultur und Kunst verknüpft.
Wie schon in den letzten Jahren erschaffen internationale Künstler zahlreiche Installationen, Objekte und andere Kunstwerke, die dem Festivalbesucher mit einbeziehen und einladen, Teil des Gesamtkonzeptes zu werden. Das diesjährige Motto lautet “Recreation”. Dabei sollen die Ruinen der Vorjahreskunstwerke recycelt und in die neue Kunst eingearbeitet werden.
Das mit den Besuchern einbeziehen ist wohl wie jedes Jahr sehr ernst gemeint, allerdings wirkt das weder aufgesetzt oder gezwungen, sondern passt sich ideal in das Festival ein. Das ganze Gelände ist sowieso ein unglaubliches Erlebnis: direkt am Wasser, zwischen alten Docks und Lagerhäusern und nachts wunderbar beleuchtet. Zwischen den Bühnen befinden sich die Kunstwerke und diverse weitere Plätze zum Feiern und sorgen für eine Atmosphäre, die einen nicht so schnell los lässt. Dieses Jahr wird das ganze Festival ein wenig größer, mehr Musik, mehr DJs und vor allem mehr Bierstände.
Bands spielen natürlich auch, hier die Empfehlungen:
Klaxons
Die Londoner haben den Namen New Rave als Emblem drauf und feiert sich selbst mit Neonstäbchen, Trillerpfeife und vielen Pillen. Wirklich unglücklich sind die drei mit diesem Image nicht. So viel Rave weist ihre Musik aber eigentlich gar nicht auf. Eher brachialen Falsett-Gesang mit stampfenden Disco-Beats und einem verdopten Bass. Die Kids kriegen nicht genug davon und zelebrieren die Klaxons wie einst Oasis. Was will man mehr?
Übrigens bringen die Jungs dieses Jahr noch eine neue Platte heraus.
Uffie
Weibliche Künstlerin auf dem Ed Banger Label. Seit Jahren sind ihre Hits Dauergäste in den Clubs. Freche Reime und treibende Elektro-Beats.
Die Sterne
Das Hamburger Schule Urgestein ist mittlerweile auf Disko Pfaden unterwegs, und das sogar sehr gut!
We Were Promised Jetpacks
Diese vier Schotten schielen nicht Richtung Tanzfläche, sie schubsen uns dort hin. Allerdings nicht deshalb, weil es sich da besser Platten verkauft lässt, sondern weil man dort die Sorgen am besten vergisst und weil dort die auf ihrem Debütalbum besungenen vier Wände längst Schutt und Asche sind.
Bratze
Das Projekt von Clickclickdecker und Der Tante Renate, die Texte haben Ohrwurmcharakter und die Beats sind tanzbar. In den letzten Jahren ein Dauergast auf den hiesigen Festivals.
Ansonsten freut sich der Autor auf Frittenbude, die ja schon im letzten Jahr die Halle bis zum Einlassstopp brachten, auf dem Hurricane Festival in diesem Jahr ihre Show wegen Überfüllung abbrechen mussten und im Mai den Hirsch im Voraus ausverkauften. Auf Therapy? wegen all den Jugenderinnerungen, auf Ja, Panik weil wohl eine der wichtigsten deutschsprachigen Bands, auf Jupiter Jones und Fäuste ballen beim Mitsingen, auf tanzen zu Good Shoes, auf K.I.Z. wegen deren Humor und Slime werden nach ihrer Auflösung 1994 eine Reunion spielen. The Drums, der Hype des Jahres, ist auch am Start, genau wie die NME - Lieblinge The Whip. Und wo das alles herkommt, steht noch mehr, also einfach mal selber das Line-Up checken.
Natürlich wird es von curt und sellfish wieder einen Bericht darüber geben. Wie es letztes Jahr war, kann man HIER lesen. Und wer die Zeit dafür hat, kann sich hier eine 50-minütige Doku über das Dockville 2009 anschauen (siehe unten). Bis zum 11. Juli gibt es noch einen Vorverkauf mit verbilligten Karten, und die sind sogar hübsch. Also nicht nur Computerausdrucke.
Dockville 2010, Hamburg wir sehen uns.
Text: Sebastian Barnickel
Fotos: Stefan Malzkorn / Pressefreigaben
"Bei den Campingtickets wird es bereits besonders eng. Wer die Dockvillenacht in der nahegelegenen Wildnis verbringen möchte, sollte zuschnappen - es gibt hiervon nur noch 500 Stück!"