„Pop im Theater“. So nennt sich eine Reihe des Erlanger E-Werks in Kooperation mit dem Theater Erlangen. Ziel ist es verschiedene Kunstformen, verschiedene Genres und im Idealfall natürlich auch ganz unterschiedliches Publikum in einem besonderen Rahmen zusammen zu bringen.
Den Anfang macht der vollbärtige Singer/Songwriter William Fitzsimmons, der mit seiner Band am 30. Mai ins Markgrafentheater zu Erlangen kommt.
Um diesen Anlass gerecht zu werden, hat Kollegin Müller ganz fix ein paar Fragen zusammengetragen, sie über den großen Teich nach Illinois geschickt und postwendend Antworten bekommen. Es geht unter anderem um Kornfelder, um Selbsttherapie und um eine für Folk-Musik recht ungewöhnliche Remix-Platte. Als Sohn gleich zwei blinder Elternteile spielte die akustische Facette im Leben von Fitzsimmons natürlich schon früh eine bedeutende Rolle, doch welche Musiker und Genres hatten letztendlich den größten Einfluss auf den Berufsmelancholiker?
William Fitzsimmons: Ich glaube das geht wahrscheinlich vielen so, aber die Musik meiner Eltern hatte wirklich den größten Einfluss darauf, wie ich mich als Texter und Sänger entwickelte. Meine Mutter war ein Kind der 1960er und 1970er Folk Music: Joni Mitchell, James Taylor, Carole King, Bob Dylan, etc. Und mich haben die Akustikgitarren und diese subtilen Melodien immer so angezogen und getröstet. In dieser Musik steckt viel Ehrliches, und ich bin immer noch überwältigt, wie anders diese Songs sind, im Vergleich zu dem, was heute so geschrieben wird.
Mein Vater war immer besessen von klassischer und barocker Musik, besonders Orgelstücke. Wenn also meine Mutter nicht ihre Folk-Platten auflegte, hat mein Vater das Haus mit klassischer Musik beschallt. Mit klassischem Rock wie Led Zepplin oder den Rolling Stones habe ich mich dann ein wenig später näher befasst, aber die Musik von früher begleitet mich immer noch.
In deinen Songs erzählst du viel über dich selbst und es scheint wie eine Art Probleme zu verarbeiten, wie zum Beispiel die Trennung deiner Eltern oder auch deine eigene. Hat das auch damit zu tun, dass du eigentlich Psychotherapie studiert hast? Könnte es auch eine Art Selbsttherapie sein?
Meine ersten Songs habe ich als Übung während meines Studiums geschrieben, natürlich hing das ein bisschen mit meiner Leidenschaft für Musik zusammen. Es war für mich eine Ausdrucksform, die ich geeignet dafür hielt, meine Fähigkeiten als Therapeut verbessern und vielleicht auch ein paar der Dämonen aus meinem Kopf vertreiben, die sich da festgesetzt hatten. Insofern war das Schreiben immer eine Form der Selbsttherapie.
Mit der Zeit stellte sich heraus, dass gerade diese Eigenschaften der Songs, also die Ehrlichkeit, die völlige Offenlegung und die Geständnisse, das ist, was die Menschen am meisten berührt. Deswegen fühle ich mich in der Verantwortung diese Elemente noch mehr herauszuarbeiten. Ich mochte noch nie einen Song nur schreiben, damit man eben einen Song geschrieben hat. Ich möchte, dass jedes Wort eine substanzielle Bedeutung hat, sodass jeder die Gewissheit haben kann, dass das nicht nur Bullshit oder des Geldes wegen passiert ist. Das heißt nicht, dass ich nur bitterernste oder düstere Songs haben möchte. Aber authentisch müssen sie sein.
Auf deiner neuen EP „Derivatives“ sind hauptsächlich geremixete Versionen von Songs deines letzten Albums „The Sparrow And The Crow“ zu finden. Mikroboy, Pink Ganter und George Raqueter haben Remixes gemacht, aber es befindet sich sogar ein Remix eines Fans darauf. Wie bist du darauf gekommen? War das deine Idee oder kamen die anderen mit ihren Mixes zu dir? Es gab ja auch diesen Remix-Contest für Fans. Gab es darauf viel Resonanz? War es schwer sich für einen Track zu entscheiden?
Ich hatte eigentlich nie darüber nachgedacht ein Remix-Album zu machen und wenn mir das jemand vor ein paar Jahren vorgeschlagen hätte, hätte ich definitiv nicht zugesagt. Ich war immer skeptisch, ob es funktioniert Folk-Songs mit anderen so verschiedenen Stilen in diesem Maße zu mischen. Aber dann schickte mir einer meiner Freunde einen Remix von „I Don't Feel It Anymore“ und ich fand es einfach nur brillant. Sie hatten es geschafft, den Song komplett umzuformen, aber die Kernaussage und die Emotionalität des Songs blieben erhalten. In mancher Hinsicht war der Song sogar besser als das Original und es war möglich Ideen umzusetzen, die ich mir für den Song gewünscht hatte, aber mit der Gitarre oder dem Piano nicht umsetzen konnte.
Danach sind mir ein paar weitere Remixes aufgefallen und über Freunde und Bekannte bekam ich sogar noch viel mehr zugeschickt. Der Wettbewerb war wirklich nur ein Weg, da weiter zu machen und zu schauen, ob es da noch andere großartige Ideen für Songs gibt, auf die wir noch nicht gekommen sind. Und es war extrem schwer nur einen einzigen Song aus diesem Wettbewerb auszusuchen, aber wenn ich jeden Song genommen hätte, den ich großartig fand, dann hätte die Platte wohl 50 Tracks. Im Grunde wollte ich den anderen aber die Möglichkeit geben, diese neue Perspektive zu entdecken, die sich mir durch diesen Prozess eröffnet hatte.
Du warst schon letztes Jahr auf Europatour. Wie hat es dir hier gefallen? Gibt es große Unterschiede zwischen dem Touren in Europa und den USA oder bist du so sehr mit dem Busfahren zwischen den Shows beschäftigt, dass du dazu gar nichts sagen kannst?
Ich bin unglaublich froh darüber, dass es mir möglich ist, durch Europa zu touren. Wegen der Behinderung meiner Eltern war es uns nie wirklich möglich zu reisen und daher habe ich, als ich jung war, meine Heimatstadt nie verlassen. Es war immer mein Traum, die Möglichkeit zu haben, solche Plätze zu sehen, aber bis das mit der Musik Realität wurde, hätte ich nie gedacht, dass das wirklich passieren würde. Das Reisen war eine unglaubliche Zeit, und ja, an den meisten Tagen war wirklich zu viel zu tun, als dass es möglich gewesen wäre, so viel von der Stadt zu sehen, wie ich und die Band es uns gewünscht hätten, aber wann immer wir wenigstens eine Stunde oder nur ein paar Minuten hatten, schlichen wir uns davon, um ein paar coole Gegenden oder Bars oder andere Stellen zu entdecken.
Es gibt definitiv Unterschiede zwischen dem Touren in den Staaten und Europa, aber ehrlich gesagt überwiegen meiner Erfahrung nach die Ähnlichkeiten. Die vielen Menschen, die ich jeden Tag treffe, sind ganz unabhängig von den Locations überaus freundlich zu mir. Es ist manchmal fast so, dass es sich überall, wo man hinkommt, ein bisschen wie zu Hause anfühlt. Einer der größten Unterschiede sind, muss ich sagen, die schönen Landschaften in Europa. Wenn ich zehn Stunden durch Kansas fahre und alles was ich die ganze Zeit sehe , Kornfelder sind, vermisse ich das Rumfahren in Deutschland schon sehr.
Zur kommenden Tour: Was kann man auf den Konzerten erwarten? Wirst du auch Remixe der neuen Derivatives-EP spielen oder eher die Originalversionen?
Ich mag Abwechslung in den Shows, neue Cover auszuprobieren oder einen alten Song neu zu arrangieren. Aber die Remixe sind sehr schwierig umzusetzen und solange wir da oben keinen DJ bei der Band haben, denke ich, sollte man die Songs lieber auf dem Album lassen. Davon abgesehen denke ich, dass die Leute vielleicht verwirrt wären, wenn wir aus der Show eine Tanzveranstaltung machen.
In Erlangen wirst du in einem Theater spielen, bist du schon einmal an so einem Ort aufgetreten - oder an anderen Orten, die - verglichen mit „normalen“ Clubs - irgendwie besonders waren?
Ich hatte das Vergnügen schon an vielen verschiedenen Orten auftreten zu können: Theater, Clubs, Open Air Festivals und sogar Kirchen in Europa. Wenn ich es entscheiden könnte, würde ich fast immer in einem Theater spielen. Das Arrangement dieser Räume hat etwas besonderes, die Intimität, die zwischen dem Publikum und dem Künstler entstehen kann, könnte an einem anderen nicht wirklich genauso hergestellt werden. Außerdem haben die Räume für gewöhnlich eine besondere Geschichte, was meiner Meinung nach die Energie und das Konzerterlebnis steigert und das macht es der Band und mir möglich das Beste aus uns herauszuholen. Aber ehrlich gesagt sind wir über jeden Ort froh, der uns deutsches Bier serviert. Das ist unschlagbar.