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MUSIK

Goldkettenmariechen - The xx in Berlin
Dienstag, 26. Januar 2010
Ein Hype wie aus dem Bilderbuch: The xx sind die Band der Stunde. Auch zu dritt. Daran, dass eine Stunde manchmal ziemlich schnell vergeht, mag man da nicht denken. Noch nicht. Eine Momentaufnahme zum Konzert im Astra Kulturhaus und der "xx-Installation" von Saam Farahmand, geschrieben von Vera Hummel.

++ Sie sind so bescheiden! Mit gerade mal 20 Jahren stehen sie vor ausverkauften Locations. Manche Konzerte müssen wegen des großen Andrangs in größere Hallen verlegt werden. Bis Ende Sommer sind sie in der ganzen Welt unterwegs und wagen es kaum, dem Hype um sie herum zu glauben. Die Band The xx (sprich "äks äks" und nicht "iks iks") aus London besteht aus der Gitarristin Romy Croft, dem Bassisten Oliver Sim und dem optisch kaum in Erscheinung tretende Jamie Smith an der Drum Machine. Wer sie noch als vierstellige Konstellation aus dem Video ihrer Single "Crystelised" in Erinnerung hat, wird sich auf Konzerten nur den drei Genannten gegenüber sehen. Keyboarderin Baria Qureshi hat ihren Part wegen "persönlicher Differenzen" geschmissen.

Da stehen sie nun also, die beiden mit schwerer Goldketten behangenen Vocalisten und man fragt sich, ob sie mit der Melancholie ihrer Songs nicht schon genug zu tragen haben. "Thank you so much for coming" raunt Oliver Sim mit der bodenlosen Tiefe seiner Stimme ins Mikro. Man möchte ihm entgegenschreien, dass doch nur sie der Grund dafür sind. Zwei Konzerte waren für diesen Abend im ausverkauften Astra Kulturhaus in Berlin angesetzt. Das letztere sollte um 23.00 Uhr beginnen, um 0.30 Uhr fingen The xx schließlich an. Da war Sim allerdings doch schon manch einer Rock'n'Roll Attitüde verfallen und zog die Textzeilen zum Teil etwas lallend durch den dichten Sound. Kein Problem, The xx genießen viel Amnestie bei ihren Fans. Die Band verzaubert durch ihre Zurückhaltung und Zerbrechlichkeit. Sowohl in ihrer Musik als auch bei ihren Auftritten. Viel Variation im Vergleich zu den Albumversionen gab es nicht. Man kennt die Lieder. Das Publikum singt mit, schwelgt, träumt, schließt die Augen, nimmt die Lichteffekte dennoch wahr und lässt sich von dem wummernden Bass durchdringen.

Als Single (im Sinne von "nicht vergeben") hat man auf diesem Konzert doch mit einem gewissen Wehmut zu kämpfen. Überall schauen sich Paare verliebt in die Augen "Don't think that I'm pushing you away / when you're the one that I've kept closest". Das möchte man doch gerne mal ins Ohr geflüstert bekommen. Es ist ein Konzert für Pärchen, es geht um die Liebe, viel Gefühl, auch um Verlust.

"Stars" wird als Zugabe gespielt. Die Drei kommen, im Ansatz routiniert wirkend, auf die Bühne zurück und tauchen den Saal in Sternenlicht. Oliver Sim bringt die Emotionen durch das Einschlagen auf das Becken (das einzige, was bei der Drummachine noch an ein Schlagzeug erinnert) zum Überlaufen. Es ist ein endgültiger Abgang der Band, die für einen kurzen Zeitraum so grenzenlos begeistern konnte.

Passender Weise am gleichen Wochenende ist der Künstler Saam Farahmand mit seiner Installation "xx:a sculpture of the Album" im HBC am Alexanderplatz zu sehen. Beschrieben wird dieses Projekt als Repräsentation der Band und ihrem einzigartigen Sound. Jedes Mitglied wird individuell durch audiovisuelle Effekte auf einer schwarzen Box abgebildet und die Musik von The xx umfasst den Raum und führt somit zu einer "totally unique experience of xx" (laut Projektbeschreibung durch Saam Farahmand).

Was sich dann dem interessierten Zuschauer bietet, sind in der Tat drei Boxen. In jeder davon ist ein kleiner Bildschirm eingebaut, der jeweils ein Bandmitglied zeigt. Die Songs der Band laufen, die Lichtintensitäten ändern sich und scheinen das Album in einen "whole new context" setzten zu wollen. Aber: Wovon die Installation eigentlich lebt, ist die Musik. Und die gab es davor auch schon. An der Glasfassade des Raums laufen Menschen vorbei, es ist zu hell, Kabel liegen auf dem Boden, von einer besonderen Atmosphäre kann keine Rede sein. Es will mir nicht ganz einleuchten, was so besonders an diesem Werk sein soll und auch die euphorischen Einträge im nebenliegenden Gästebuch sind mir eher suspekt. In mir drängt sich ein "Ist das alles?"-Eintrag auf. Kurz nach mir betreten drei Mädchen den Raum, stellen sich in die Mitte der drei Boxen und sind begeistert von dieser "Innovation". Vielleicht war ich noch so beeindruckt von dem Konzert, dass mir diese Art von Versuch, die Band "einfangen" zu wollen, nicht ausgereicht hat. Es ist sehr kalt in Berlin und ich habe mich über den Fußweg vom Alex zum HBC geärgert, obwohl die Installation sowohl kostenlos als auch umsonst war. Dafür lohnt es sich nicht nach Berlin zu kommen. Aber The xx wegen eines Konzerts um die halbe Welt zu folgen, kann ein durchaus erfüllendes Erlebnis nach sich ziehen.

Vera Hummel

The xx MYSPACE
The xx VIDEO "Crystalised"

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