Vier Jahre lagen zwischen den letzten beiden Eels-Studioalben. Eine Menge Holz für jemand wie Mark Oliver Everett aka E aka Kopf von Eels, sieht man einmal davon ab, dass er in diesem Zeitraum mehrere Live- und Raritäten-Alben veröffentlicht hat.
Nun ging es deutlich schneller, denn nur wenige Monate nach „Hombre Lobo“ biegt Everett erneut mit einem Album um die Ecke und das hat seinen Grund: Dieser Mann hat eine Geschichte zu erzählen.
Wie der Titel vermuten lässt, handelt es sich dabei aber natürlich um nichts Gutes. „And I can hear it loud and clear, the world is ending, and what do I care? She's gone, end times are here”, singt Everett, der „ End Times” weitestgehend im Alleingang aufgenommen hat. Oft gibt es nur Gitarre und Gesang zu hören, selten Klavier, ab und zu blitzen ein paar Streicher- und Bläser-Arrangements auf, den Bluesrock hat der Souljacker von einst weitestgehend außenvor gelassen. Dafür hat der Vorzeige-Kauz mal wieder das gute alte Vierspurgerät ausgepackt und mal eben so sein intimste s Album aufgenommen.
Zwar sind mit den „End Times“ auch die Ruinen dieser Welt gemeint, wie sie spätestens seit der Weltwirtschaftskrise noch offensichtlicher zu Tage treten. Es geht auch um den ganz normalen Wahnsinn da draußen von dem jeden Abend in den Nachrichten berichtet wird. In erster Linie handelt das achte Eels-Studioalbum aber nicht von der Apokalypse, sondern einfach „nur“ von einer gescheiterten Liebesbeziehung. Mark Oliver Everett knüpft da an, wo zum Beispiel Beck 2002 mit „Sea Change“ aufgehört hat und trotzdem klingen die Wunden auf „End Times“ so frisch, als hätte es die hunderten oder gar tausende n von Alben über Trennungen nie gegeben. Man sollte meinen, dass all die Dylans, Springsteens, Drakes und Obersts dieser Welt bereits alles zu dem Thema erzählt hätten, doch Everett hat es geschafft, dass keiner seiner Songs auf „End Times“ überflüssig erscheint.
Es beginnt mit dem todtraurigen „The Beginning“ und einem vorweggenommenen Resümee: „And eve rything was beautiful and free in the beginning“, und wenn jemand diesen Satz in die Vergangenheit setzt, wird schnell klar, wie die Gegenwart aussehen muss. Weiter geht es mit dem groovenden Ausreißer, der einem mit fast schon sarkastischer Lässigkeit „she used to love me but it's over now“ entgegen ruft. Früher hätte er das einfach abgeschüttelt, aber jetzt hat er langsam die Schnauze voll davon, stellt E in „In My Younger Days“ fest und beschreibt wenig später mit unfassbar einfachen, aber umso treffenderen Worten die letzten Atemzüge der Beziehung: Sie hat sich mal wieder heulend im Badezimmer eingesperrt und deshalb muss er zum Pinkeln in den Garten („A Line In The Dirt“).
Everett beschreibt den Seelenkater nachdem sie gegangen ist und er alleine durch die dunkle Wohnung geistert, als hätte es noch keiner vor ihm getan. Sympathisch wird einem die Geschichte als Hörer natürlich auch deshalb, weil E nicht nachtritt, sondern sich vielmehr die Liebste zurückwünscht. „But right now I can't see making sense of this world, I just can't take out very much. Goddamn, I miss that girl“, singt Everett in „Little Bird“, um schließlich zur selben Erkenntnis, wie schon so viele vor ihm zu kommen: „One sweet day I'll be back on my feet and I'll be all right. I just gotta get back on my feet.“
Die Größe dieses Albums kann gar nicht genug betont werden, weshalb der Autor dieses Textes sogar ausnahmsweise mal die pseudo-objektive Form der dritten Person beiseitelässt und zu folgen dem Schluss kommt: Es mag Mitte Januar vermessen klingen, aber ich bezweifle bereits jetzt, dass in diesem Jahr noch ein Album erscheint, dass mich mehr mitnimmt als „End Times“ von Mark Oliver Everett dem bärtigsten unter all den Einsamen.
Text: Sebastian Gloser
www.eelstheband.com
www.vagrant.com
MIGHTYMOJO | 28.02.2010 | 13:24 schönes album, isch finds subba |
GLOSOLI | 25.01.2010 | 23:16 weit aus dem Fenster lehnen, das ist unsere Stärke. |
KANEDA | 25.01.2010 | 19:47 auch wenn eels nie so meins waren, die begeisterung dafür kann man nachvollziehen. auch schön, dass der bärtigste unter all den sellfish schreibern über den bärtigsten unter all den einsamen schreibt. |
LITTI | 25.01.2010 | 17:48 na da lehnt sich einer ja weit aus dem fenster...,-) |
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