Wer hätte das gedacht: In Zeiten wo Nicoles „Ein bisschen Frieden“ das offizielle Geschehen dominierte, trieb im Nürnberger Stadtteil Gostenhof das für manch einen Stadtrat beinahe schon Terrorismus-verdächtige Wörtchen „Rock“ zarte Knospen.
Dort wo auch heute die Musikzentrale (MUZ) ein Netzwerk für die lokale Musikszenerie zur Verfügung stellt und mit dem MUZ-Club eine Location bietet, in der einheimische auf internationale Bands treffen, sich die Jazzszene duelliert und ab Februar auch Improtheater-Matches ausgetragen werden, fand anno 1982 auch so etwas wie die Grundsteinlegung statt. Rick Roth war mehr oder weniger zufällig mit dabei. Sein Kumpel Roland Wächter hatte ihn angerufen. Sieben Mitglieder brauchte der, um seinen „Verein zur Förderung progressiver Musik“ in die Wege zu leiten. Fehlte eines. Noch. Denn dann kam Rick. Das sollte Folgen haben.
Zwei Jahre später - manch einer erinnert sich vielleicht noch an den zeitgleich vom Jugendamt initiierten Bandwettbewerb „Chance“ - erweiterte man sich und das nicht nur gedanklich. Zur Gründung der Musikzentrale e.V. waren 84 künftige Mitglieder gekommen, um den gemeinsamen Traum eines Musikhauses zu leben. Und um die ein oder andere Barriere in der Zusammenarbeit mit den städtischen Organen aus dem Weg zu räumen. Zusammenarbeit nennt man das dann. In Zeiten, wo manch ein CSU-Stadtrat froh darüber war, wenn die „Langhaarigen weg von der Straße sind“, kein einfaches Unterfangen. Zusätzlich war man sich auch intern nicht ganz einige. Künstler wie die legendäre Rockband „Ihre Kinder“ setzten ganz auf ein Organisationsmuster, das Kunsträume schafft und sich damit stattlichen Eingriffen widersetzt. Andere wollten die Kooperationschancen nach Vorbild des Berliner „Senatsrock“ nutzen. Vor allem durch den Abzug der US-Streitkräfte (damals wurden viele Auftrittsmöglichkeiten dicht gemacht) waren große Lücken im Bereich Konzertlocations entstanden. Neue, an den Stand der Zeit angepasste Rahmenbedingungen waren vonnöten. Mittelkurze Rede, noch kürzerer Sinn: Man einigte sich. Und auch das hatte Folgen.
Anfangs hatte man zwar einen Raum (im damaligen GOST in der Fürther Straße), aber kein Geld. Soweit wollte das Jugendamt dann doch (noch) nicht gehen. Also organisierte man 1986 ein dreitägiges Benefiz mit allen Bands die man so kannte. Zum Beispiel die NC Brown Blues Band oder Rudi Madsius. Ein riesen Aufwand. Aber einer der sich lohnen sollte, denn am Ende einer für alle Beteiligten schweißtreibenden Veranstaltung hatte man sich einen ersten Etat erwirtschaftet. Von dem übrigens kein einziger Pfennig in die Produktion der ersten Zentralnerv-Ausgabe - quasi das Presseorgan der MUZ - floss. 100 Exemplare konnte sich Rick, der den Zentralnerv von Beginn an zu seiner Chefsache erklärt hatte, mit den gebuchten Anzeigen finanzieren. Ein kleiner Schritt für das Magazin, ein großer für die Szene. Schon die dritte Ausgabe hatte 800 Exemplare und es wurden mehr und mehr...
Dann wurde umgezogen. Rick dazu: Wir brauchten eine eigenen Adresse, an der man nicht sieht, dass wir vom Jugendamt unterstützt werden.“ Außerdem wollte man seine Arbeit auch mittels eines großen Schaufensters der flanierenden Öffentlichkeit demonstrieren. Die neuen Räumlichkeiten in der Kernstraße 32 waren wie geschaffen für diese Vorhaben. Und mittels eines kleinen Wörtchens mit großer Bedeutung schaffte man es, auch die Stadt davon zu überzeugen: „Pop“. Gab ja damals noch keinen Zu Guttenberg, der sich öffentlich zu AC/DC und den Sportfreunden Stiller bekennt - im Gegenteil. Also brauchte es einen „Glätter“. Rock & Pop, da waren sie also, die zwei Schlagworte der Zukunft. Noch nicht ganz griffig im Volksmund, aber darauf kam es auch nicht an. Sondern auf die neue MUZ. Nun wurden Festivals organisiert, der AK Musik (mit u.a. dem Fünfeckturm, Alf und Klüpfel) auf die Beine gestellt, Bands auf Touren sogar bis nach Schottland geschickt und vieles mehr, was beim einen oder anderen von euch zum Beispiel in Form eines alten Posters, einer dem Zentralnerv beigelegten CD mit Musik der einheimischen Szene oder einfach einer Erinnerung an einen schönen Konzertabend im Keller beziehungsweise dem Langzeitgedächtnis schmoren könnte.
Aber es war nicht alles Friede Freude Eierkuchen. Interne Querelen hatten 2005 zur Folge, dass die MUZ umgekrempelt wurde. Und zwar so richtig. Das alte Modell einer Musikinitiative, die inzwischen mit Artverwandten in halb Deutschland vernetzt war, schien überholt. Besser gesagt: Ein Generationswechsel war fällig. Überfällig. Zu den neuen Federführern zählten unter anderem der Sänger der Great Bertholinis, Steffen Zimmermann (Geschäftsführer), die ehemalige Mitarbeiterin beim aufregenden Frankfurter Label Hazelwood Vinyl Plastic, Eva Bär (Presse & Promotion), und der Ex-Robocop Kraus Basssit Tobias Helmlinger (1. Vorstand). Das Interessante daran: Die Hauptaufgaben blieben die Gleichen. Also Proberäume, Auftrittsmöglichkeiten, Tonstudio, Bandbus... Steffen dazu: „Das hat mich selbst überrascht.“ Seine Kollegin Eva fügt dem im Hinblick auf zukünftige Aufgaben hinzu, das es in den kommenden Jahren darum geht, „das was wir bisher geschaffen haben, in der Form weiter zu führen.“ Steht also einiges vor der Türe. Zum Beispiel Schülerprojekte, eine Bandtour für Newcomer, die zweite Verstärker-Musikmesse und die Band-Auswahl für Klüpfel Open Air oder Bardentreffen. Aber bevor es richtig losgeht, wird erstmal die Geburtstagstorte angeschnitten. Und das verdientermaßen!
Am kommenden Samstag (23. Januar) wird im Rahmen von 3 Jahre MUZ Club gefeiert. Mit den Bands Yapi & Frey, Sonic Flowers, Yotho und Der Ungeheuer Sei Schwester und einem DJ-Set von Boozoo Bajou. Rick, der ist natürlich mit von der Partie. Und darf sich inzwischen natürlich zu seiner Leidenschaft für Rockmusik bekennen. Dazu braucht es keinen Zu Gutenberg. Abgesehen davon: Seine MUZ-Kollegen sind eh die bessere Gesellschaft und das auch noch mit Vergnügen.
curt gratuliert!
(dl)
Website der MUZ
curt-Bericht zu 2 Jahre MUZ-Club vom 13. Januar 2009
LAMPE | 24.01.2010 | 03:38 Es war wunderbar. Danke für´s Freibier! |
FREDDY | 20.01.2010 | 15:50 für uns Mukker mein ich |
FREDDY | 20.01.2010 | 15:49 Die MUZ ist für uns ein superding DANKE!!! |
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