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SELLFISH

Vorgestellt: Die neue Kettcar-DVD
Donnerstag, 26. November 2009
Gleich zu Beginn begegnet Sänger Markus Wiebusch der Tatsache, dass ihr Auftritt eher knapp ausfällt mit dem Satz „Wir werden kurz spielen, aber sehen geil aus“. Die Hamburger Pop-Band hat sich für ihre erste DVD „Live auf Kampnagel 5:43 A.M.“ in Anzüge geschmissen... ... Wiebusch (2), Bustorff, Langer und Tirado-Rosales sehen damit ein wenig älter aus, als ohnehin schon. Für das besondere Konzert "auf Kampnagel" stand die Band am 31. August 2008 früh auf, um auf dem internationalen Sommerfest Hamburg, auf dem Gelände einer ehemaligen Kranfabrik, ein Akustikgitarrenset mit Streichern zu spielen.

Das Konzert fällt dabei so kurz gar nicht aus: elf Songs in 55 Minuten sind eine angenehme Länge. Die Songauswahl wirkt gut überlegt. Und Kettcar haben sich mit „Money Left to Burn“ oder „Landungsbrücken raus“ jene Songs ausgesucht, die wie gemacht sind, um mit Streichern veredelt zu werden. Vier vom ersten Album, vier vom zweiten, und drei von „Sylt“. Die Band gibt sich wortkarg, erfreut sich an der „andächtigen Atmosphäre“ und strahlt schließlich wie Honigkuchenpferde, als sich nach vier Songs das Tor hinter ihnen öffnet und langsam aber sicher die Sonne aufgeht. Das perfekte Timing.

Das ist berührend, das ist schön. Und das ist charmant, wie sich Markus Wiebusch ausgerechnet bei der „jetzt wo die Pinneberger weg sind“-Stelle in „Money Left to Burn“ versingt, oder wie er sein Streicherensemble verwirrt, weil er versehentlich den falschen Song ankündigt. Das ist aber auch weitgehend unspektakulär. Kettcar machen das, was sie eben immer machen. Nur etwas reduzierter und erhabener zugleich. Für Fans eine gelungene Sache. Für alle anderen verzichtbar. Wäre da nicht das üppige Bonusmaterial.

Zum einen die unterhaltsame Doku über den Event selbst, bei der Reimer mit Initiator Matthias von Hartz darüber plaudert, welche Locationideen man leider wegen befürchteter Genickstarre, Höhenangst, Sicherheitsbedenken, Angst vor Regen oder schlicht der Technik verwerfen musste. Sänger Markus Wiebusch und Arrangeur Michael Hagel erzählen darin, wie es überhaupt zu dem Abend kommen konnte. Dazu gibt es Livebilder vom Auftritt Kettcars auf dem Dach des Deutschen Schauspielhauses (File under: „Reclaim the Streets“) und Aufnahmen von der Probe in Tobias Levins Studio.

Zum anderen ließ sich die Band letztes Jahr von Kameras begleiten, wie sie kurz hintereinander acht Konzerte in Hamburg spielte. Das liefert Stoff für 18 zusätzliche Songs, live von den Bühnen der Hamburger Clubs Schmidts Tivoli, Hafenklang, Molotow, Knust, Docks, Fabrik, Markthalle und dem Schiff MS Concordia. Hier dann auch mit „Deiche“ und dem auch auf Kampnagel gespielten „Sylt“-Stück „Am Tisch“, das gemeinsam mit Niels Frevert vorgetragen wird. Kettcar nutzen ihre „Kampnagel“-DVD nebenbei für eine dezente Hamburg-Huldigung.

Und so darf am Ende jedes Bandmitglied noch ein paar Worte darüber verlieren, was ihn mit den aufgezählten Musikschuppen verbindet. Markus erzählt, dass er bei At The Drive-In nicht reingekommen ist, Erik schwärmt vom montäglichen Punker-Stammtisch, „wenn einen das Wochenende noch nicht geschafft hat“, und wer genau hinsieht, entdeckt auch Audiolith-Chef Lars Lewerenz und Olli Schulz mal durchs Bild stolpern. Die sieben bisher gedrehten Kettcar-Videos komplettieren das Doppel-DVD-Paket. Übrigens: Das „Deiche“-Video wurde damals nicht in Hamburg gedreht. Sondern im Saal des Nürnberger Z-Baus. Am selben Abend, an dem auch die The Thermals das Zentralcafé bespielten. Puh, auch schon wieder vier Jahre her…

Text: Sebastian Zapf

www.kettcar.net

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