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SELLFISH

So war: Ja, Panik
Montag, 2. November 2009
Da ist sie also wieder die Kapelle aus Wien, die es inzwischen nach Berlin gezogen hat, weil es sich von dort aus den deutschsprachigen Raum leichter bespielen lässt... Das Label Staatsakt hat man somit auch geografisch im Rücken, Studio und Produzent des aktuellen Albums „The Angst and the Money“ ebenfalls. Weil die zweite Heimat von Musikern, aber zwangsläufig auf Tour sein muss, kann man Ja, Panik den ganzen Winter über auch zwischen Berlin und Wien antreffen.

Mit dabei im Tourplan nach zähen Verhandlungen auch das Nürnberger K4, womit das Wörtchen „wieder“ aus dem ersten Satz des Artikels auch endlich Sinn macht, denn Ja, Panik waren bereits im vergangenen Jahr an selber Stelle zu Gast. Weil die Band damals allerdings im Vorprogramm von den befreundeten Le Mobilé versteckt wurde und die deutsche Musikpresse abgesehen vom Magazin SPEX die Österreicher erst mit dem dritten Album - und damit mindestens eineinhalb Alben zu spät - für sich entdeckt hat, haben das erst diesmal so richtig viele Menschen mitbekommen.

Das Zentralcafé ist somit prächtig gefüllt, als Ja, Panik auf die Bühne kommen, angeführt von Hauptsongwriter Andreas Spechtl, der wie kein Zweiter der fünf jungen Herren den Geist dieser Band verkörpert. Ein von Angst und Exzess gebeuteltes, wandelndes Manifest, durchzogen von einem Funken Arroganz, der aber vermutlich nicht von aufgesetzter Hochnäsigkeit herrührt, sondern sich aus dem sympathischen, burgenländischen Schnöselhaften speist. Eine freundlich-verschmitzte, aber wenig überschwängliche Begrüßung und ein tiefer Schluck aus der Weinschorle, dann geht es los.

„Alles hin, hin, hin“, Opener und zugleich erste Single des aktuellen Albums, bildet den Anfang und gibt schnell die Richtung vor, denn auf der neuen Platte liegt an diesem Abend eindeutig der Schwerpunkt. Logisch. Viel wurde darüber gesprochen und geschrieben, jetzt sollen sie endlich raus in die Welt die Stücke, die inhaltlich wie klanglich nahtlos an die des Vorgängers „The Taste and the Money“ anknüpfen. Eine Album-Trilogie soll es angeblich werden und deshalb verbietet sich auch die sonst so reflexartig bemühte Kritik bezüglich mangelnder Verä nderung zwischen den Werken. Es geht, wie der Titel schon unterstreicht, mal wieder ums liebe Geld, um die Ängste und die Zweifel zwischen prekären Lebensentwürfen und den Freiheiten und Nöten, die damit einhergehen und es geht natürlich auch wieder um den Rausch und den Kater danach. Darüber hinaus handelt „The Angst and the Money“ von all dem , was wir in den Texten sehen wollen und auch von dem, was wir nicht sehen. Zu verdanken haben wir das Andreas Spechtl, dessen Sprachgebilde diesmal noch etwas ausgefeilter daherkommen. Erneut hat er sich „talent borrows, genius steals“ auf die Fahnen geschrieben und remixt sich durch die Poesie von Bob Dylan bis Falco. Da kann eine Textzeile durchaus mal auf Deutsch anfangen und auf Englisch oder sogar auf Französisch enden, ohne dass der Flow verloren geht, wie wir Hip Hopp er sagen. Musikalisch ist das Raue immer noch vorhanden, das Songwriting variabler, der Soundkosmos insgesamt aber etwas kompakter ausgefallen. Unterschiede gibt es also schon zwischen den beiden „…and the Money“-Teilen , man muss eben nur etwas genauer hinschauen.

Dass sich das ganze live dann durchaus immer wieder von der Platte abhebt, ist das große Glück f ür den geneigten Zuhörer und aufmerksamen Ja, Panik-Verehrer. Eher unscheinbare Album-Perlen wie „Blue Eyes“ oder „The Golden Handshake“ gewinnen beim Konzert enorm dazu. Stimmungshits wie „Die Luft ist dünn“, „Dynamite“ und „Als habe ich…“ haben bereits gewonnen. Das Infernal „1000 Times“ wird dagegen in der Setlist genauso schmerzlich vermisst, wie der Titelsong des Zweitwerks. Dafür gibt es mit „Thomas sagt“, „Wien, du bist ein Taschenmesser“, „ Ich bringe mich in Form“ und „Marathon“ (als Zugabe) immerhin vier Übersongs von „The Taste and the Money“, die im Zentralcafé auch wegen ihrer vermeintlich explosiveren Gangart mit am besten ankommen . Vom Debüt gibt es leider nur den Gassenhauer „Zwischen 2 und 4“, doch wer sein Publikum mit einer unfassbar coolen und gleichzeitig zerbrechlich schönen Version von Bob Dylans „Ring Them Bells“ in die Nacht entlässt, hat sowieso alles richtig gemacht - jede weitere Diskussion überflüssig. Punkt.

Sebastian Gloser

http://ja-panik.com
http://www.myspace.com/japanik


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Kommentare (1)

TOCOTRONICSTYLE | 19.01.2010 | 12:34
ich fands total langweilig, völlig belanglos und so furchtbar, dass es einer der ganz wenigen Konzerte war, wo ich früher gehen musste. Ach und überhaupt ist diese Ding eh irgendwie schon seit geschätzten 3-5 jahren völlig durch. Im Deutschunterricht einmal bei der Lektion "Metapher" aufgepasst, heißt noch lange nicht, dass sich solche Kapellen nicht genausschell tothören wie NuRave zum Beispiel.

Schade nur, dass die großartigen Dadajugend Polyform nicht in einem einzigen Satz hier erwähnt wurden.



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