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MAGAZIN // CURT BERICHTET

Ulmen: Vom Ballermann nach Island
Donnerstag, 22. Oktober 2009
Christian Ulmen ist witzig. Der frühere Humor-Silberschweif am MTV-Horizont erfindet prollige Typen, gibt sich unangenehm, muss aber irgendwie schlau sein, um sowas zu improvisieren. Er wirkt recht unsportlich und ist drahtiger Chef eines ganzen Unternehmens, das seinen Namen trägt. In sein tiefstes Inneres wollten wir da gar nicht schauen, uns aber mal mit ihm über Humor unterhalten, über Humor und Sport.


Sag mal, ist Humor Arbeit?
Na klar, das ist natürlich Arbeit bei der Erschaffung des Drehbuchs, der Vorbereitung und dann beim Drehen das richtige Timing zu erwischen. Es ist aber keine unangenehme Arbeit. Wenn man am Set ewig warten muss oder eine Szene zehnmal dreht, weil vielleicht irgendwas mit der Kameraführung nicht klappt, nervt das für den Moment. Aber eigentlich sind das zu vernachlässigende kleine Dinge, die mal ein bisschen zwicken. Quasi Luxusgejammer.

Was ist mit diesen Tagen, an denen man einfach müde ist und nicht witzig?
Das was rauskommen soll, muss man schon herstellen können, auch wenn man nicht gut drauf ist. Gerade beim Film ist das Handwerk: Man weiß ja, wo es witzig sein soll. Wenn ich einen schlechten Tag habe, aber methodisch an diesem Moment arbeite und das funktioniert, dann bin ich auch wieder gut drauf. Bei den Figuren in „Ulmen.tv“ ist es anders, da improvisiere ich immerzu, muss mich zusammenreißen und dann geht das los. Aber ich kann gar nicht sagen, wann ich den inneren Schweinehund groß überwinden musste.

Musst Du Dich für andere Sachen überwinden, beispielsweise die „Zusammenarbeit“ mit Tieren?
Da sie beißen können, sind mir Hunde nicht die sympathischsten Tiere, auch vor Katzen habe ich großen Respekt. Ich hatte nie traumatische Erlebnisse mit Tieren, aber meine blühende Phantasie malt sich aus, was im schlimmsten Fall passieren kann.

Hast Du schon mal von deinen Figuren geträumt oder sogar als diese?
Ich glaube nicht, könnte gut sein, aber ich kann mich generell an Träume nicht länger als zehn Minuten nach dem Aufwachen erinnern.

Du erinnerst Dich bestimmt noch an die Situation, als einem MTV-Redakteur eine Figur von Dir nicht gefallen hat. Daraufhin bist Du gegangen, hast Dein eigenes Ding gemacht. Eigentlich cool. Kann man das auch als mangelnde Kritikfähigkeit interpretieren?
Nein. Ich bin sehr kritikfähig innerhalb des Teams, umgebe mich gerne mit Leuten, die sagen, was sie scheiße finden. Wir sind jetzt vier Autoren, da darf jeder dagegenhalten, bin ich ein großer Freund von. Gerne dürfen und müssen auch mal Fetzen fliegen, insofern halte ich mich für kritikfähig. Aber schwierig ist es, wenn es den gemeinsamen Konsens nicht gibt, der Andere eine andere Humorausrichtung hat.

Witze kann man nicht erklären?
Genau. Das ist wie wenn zwei Leute heiraten und der eine will zum Ballermann fliegen, laut singen und nackt tanzen und seine Frau möchte nach Island und klassische Musik hören. Dann würde man dem Ballermann-Mann auch nicht sagen können: Sei kritikfähiger. Man muss erst mal so weit sein, dass man sich auf Island einigen kann, dort kann man sich ja immernoch streiten, welche Musik man hört. Mit unterschiedlichen Auffassungen geht das nicht, die Grundausrichtung muss klar sein für eine gemeinsame Ebene. Im Fernsehen gibt es Leute, die gar keinen oder einen ganz anderen Humor haben.

Wann gibt es denn endlich mal ein neues Format mit witzigen Menschen: Uwe Wöllner und Horst Schlämmer, oder Harald Schmidt und Christian Ulmen?
Ich finde nicht, dass man immer alles zusammenwerfen muss. Ist schon okay, wenn alle ihre eigenen Sachen machen.

Gibt es niemanden, mit dem du gerne zusammenarbeiten wolltest?
Doch, aber so rum fange ich nicht an. Erst muss die Idee da sein, nicht der Mensch. Die Idee ist das Fundament. Diese Überlegung, wer mit wem, die stellen eher die Sender an. Das geht meiner Meinung nach nach hinten los. Erst brauchst du das Fundament, auf das du das Haus bauen kannst, nicht erst das Haus bauen und dann ein Fundament suchen ...

Welche neuen Ideen hast Du?
Es gibt den Plan, nächstes Jahr Uwe Wöllner fürs Kino zu verfilmen. Das ist die Baustelle für 2010.

Für „Maria, ihm schmeckt's nicht“ hast Du zwölf Kilo abgenommen, bei „Männerherzen“ quälst Du Dich im Fitness-Studio. Dennoch ist durchgedrungen, dass Sport nicht gerade Dein Leibgericht ist.
Es ist überhaupt nicht mein Ding. Aber ich habe jetzt endlich einen guten Arzt gefunden, den Bruder vom Mannschaftsarzt von Hertha BSC. Dieser Doktor hat mich sehr beeindruckt: Ich hatte immer Schmerzen im Ellenbogen, er spritzt da alle sechs Monate was rein und es ist weg. Ebenjener Arzt hat zu mir gesagt: „Es gibt nun mal Menschen, die sind nicht geschaffen für Sport.“ Das ist keine Pointe. Es gibt Leute, die brechen sich was, tun sich dabei weh, und das ist bei mir ganz oft so. Diese Mär, dass man Sport treiben muss, gilt für mich nicht mehr. Ich fand diese Nachricht sehr beruhigend - und lass es.

Tust du irgendwas für die Gesundheit?
Ich habe so „Gesunde Ernährung“-Flashes, wo ich dann wochenlang auf Kohlehydrate und Fett verzichte und fast nur Gemüse esse. Außerdem probiere ich manchmal auf der Wii so Haltungsübungen, yogaähnliche Sachen. Laufen, Ballsportarten und diesen anderen Quatsch mach ich auf gar keinen Fall. Und da ich schnell abnehme, muss ich auch keine Kalorien zählen. Da macht man sich nämlich wahnsinnig.

[cn im Gespräch mit Christian Ulmen]

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Kommentare (2)

HEINZ | 02.11.2009 | 10:15
coole sau!

FREDDY | 01.11.2009 | 10:51
Der ulmen scheint ja privat eine echts Spasskanone zu sein!



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