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SELLFISH

Rückblick: Reeperbahn Festival
Mittwoch, 14. Oktober 2009
Bereits zum vierten Mal luden ca. 20 Clubs, Bars und Theater rund um den Kiez zum Reeperbahnfestival ein, das mit einem neuerlichen Zuschauerrekord enden sollte. Knapp 200 Bands und Einzelkünstler sorgten wieder für einen buntes Angebot für Musikliebhaber aus aller Welt, und legten auch in diesem Jahr die Messlatte ein wenig höher. Wie gewohnt galt auch heuer die Devise immer schön in Bewegung zu bleiben um rechtzeitig vor den Auftritten im Club aufkreuzen. sellfish tauchte in die einzigartige Festivalatmosphäre um Deutschlands sündigste Meile ein:


DONNERSTAG
Siva machten in der sympathischen Prinzenbar den Auftakt. Die mindestens genauso sympathischen Berliner zelebrieren Post-Rock der poppigen Sorte, Radiohead und Slut im Geist, und konnten vollends überzeugen. Dananananaykroyd eher nicht. Wie die Blood Brothers in albern. Sehr gespannt war ich dann auf die Jungs von den Girls. Die Band aus San Francisco, in Habitus und Gestus ein wenig an Led Zeppelin erinnernd, pflegen einen hippiesk-verträumten Sound aus längst vergangenen Tagen. Das hat überwiegend Spaß gemacht hat, wenn auch manchmal der letzte Kick fehlte und ich mir ein bisschen mehr Aktivität auf der Bühne gewünscht hätte. Eine der schönsten Festivalstätten findet sich mit dem Imperial Theater. Ein Ort wie gemacht für den hypnotischen Synthie-Pop von Au Revoir Simone. Und die drei New Yorkerinnen sorgten nicht nur für ein umjubeltes Konzert, sondern auch für einen gelungenen Abschluss des ersten Festivaltages.

FREITAG
Am Freitag wurde vorab erstmal der MTV-Legende Ray Cokes ein Besuch abgestattet, der jeden Tag die Ehre hatte einige Bands zu sich einzuladen, um sie auf gewohnt charmante Art und Weise zu interviewen. Sehr schade, dass ich dieses Musterbeispiel eines Entertainers zu aktiven "MTV's Most Wanted"-Zeiten (altersbedingt) nicht mehr erlebt habe. Musikalisch ging es am zweiten Festivaltag mit Times New Viking los. Und wie! Ein wenig erinnerte die Band aus Columbus an die Thermals in nochmal lauter, soweit ich das den Tönen hinter der massiven Gitarrenwand entnehmen konnte. Hat aber Spaß gemacht, nur beim nächsten Mal mit Ohrenstöpseln. Im Gegensatz dazu waren Maplewood schon weit schmerzfreier für das Trommelfell. Die Band um Nada Surf-Drummer Ira Elliot bezauberte mit ihrem Sixties-Folk, wenn auch gelegentlich etwas mehr Elan auf der Bühne nicht geschadet hätte. Musikalisch aber über alles erhaben. Das hätte meinen Eltern bestimmt auch prima gefallen und ist in diesem Fall als Lob zu verstehen. Im direkten Anschluss sollte die umheimlich liebenswerte Emiliana Torrini für mein persönliches Festival-Highlight sorgen. Der Topmodel-Hit "Jungle Drums" reiht sich da genauso nahtlos in die verspielten Popsongs des aktuellen Albums ein, wie die intimen Songs von "Fisherman's Woman" tief berühren.

SAMSTAG
Liebe Macher, bitte, bitte im nächsten Jahr keine O2-Arena mehr. Bei aller Strapazierfähigkeit, die eigentlich sehr tollen Hello Saferide in einer Event-Dunstglocke aus Pizzakäse, nervendem Promotionvolk und überall aufflimmernder Wandreklame zu begutachten hat keinen Spaß gemacht. Trotz dieses Umfeldes konnte es aber José González dann schaffen, die Zuschauer mit seinen entrückten Folksongs und beeindruckendem Gitarrenspiel völlig für sich zu vereinnahmen.
Im Anschluss schnell rüber ins Knust zu den charmanten Stylern von The Asteroids Galaxy Tour, die einen tollen Auftritt gespickt mit soulgetränkten Popsongs hinlegten. Woher nehmen die Dänen um Frontfrau Mette Lindberg nur diesen Reigen an knallbunten Melodien?
In den Fliegenden Bauten ließen sich dann noch die letzten Songs des schon leicht angetrunkenen Olafur Arnalds begutachten. Wunderschöne, bezaubernde Musik! Genauso wie die darauf folgenden Phantom/Ghost: Dirk von Lowtzow gibt den unheimlich liebenswerten Crooner und auch die alten Songs kommen im Pianokleid so herrlich entspannt daher - ein perfekter Festivalabschluss!

Text: Dominik Waßerloos
Fotos: Josh Renrod

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Kommentare (2)

LITTI | 14.10.2009 | 11:12
..;-).

GLOSOLI | 14.10.2009 | 10:35
bevor Missverständnisse entstehen: das auf Foto Nummer 2 ist natürlich nicht Timo von curt, sondern J. Mascis von Dinosaur Jr.

in chronologischer Reihenfolge:
#1 The Tallest Man On Earth
#2 J. Mascis (nicht mehr im Bild Ray Cokes)
#3 Dirk von Lowtzow fame of Tocotronic und in diesem Fall Phantom/Ghost
#4 Maplewood
#5 wieder nicht Timo, sondern Girls
#6 Dananananaykroyd



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