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MAGAZIN // CURT BERICHTET

curt in Gefahr: 20 Kilometer, 70 Kurze
Montag, 12. Oktober 2009
Da hatten wir uns ganz schön was vorgenommen. Von Forchheim durch den Staatsforst hinauf auf den Kreuzberg. Und wieder zurück. Das war viel. Zu viel?

Fragt mal den Jens (Name nicht von der Redaktion geändert), wie der sich die zwei Tage danach gefühlt hat. Vor der allem seine Beine. Immerhin ist der Gaumen voll auf seine Kosten gekommen. Aber von vorne...

11:45h. Aufbruch am Nürnberger Hauptbahnhof. Zehn und eine halbe Portion (klein, schwarz, Vierbeiner, trinkt keinen Alkohol) waren wir und mächtig motiviert. Ein uns völlig unverständliches Problem bei der Tourplanung: Viele Bierwander-Startorte erreicht man nur via Bus - der fährt aber nur zur Hauptsaison, also bis Ende September. Sch**ß Touristen. Oder mit dem Auto. Aber mal ehrlich, wer fährt denn mit dem Auto zum Bierwandern? Nun ja, es gab ja diese eine Route für Lang-Läufer und dafür hielten wir uns zumindest anfangs.

12:15h. Ankunft in Forchheim. Einmal quer durch die malerische Altstadt zur Brauerei Hebendanz, wo es vor allem um das Schaffen von Grundlagen ging. Was für eine Spelunke. Eigentlich wollten wir wieder gehen, saßen dann aber warum auch immer um eine große Holztafel und bestellten Schnitzel, Schweinebraten, Limburger und Bier. Hervorragend. Da zeigte sich zum einen einmal mehr, dass die Qualität eines Gerichtes, je kleiner die Karte, umso größer (Siehe Rach, der Restaurant-Tester). Zum anderen schmeckte das selbstgebraute, helle Bier mild, würzig und unaufdringlich gut.

13:15h. Aufbruch. 250 Meter weiter das Ende. Wir mussten den Main-Donau-Kanal überqueren, aber die einzige Brücke war von Baustellen-Zäunen umstellt, schweres Gerät versperrte uns den Blick. Von Weg ganz zu schweigen. Eine Katastrophe bahnte sich an. Sollten wir das wirklich zulassen? Die ersten Tränen. Die ersten Zusammenbrüche. Wir wälzten uns verzweifelt auf dem Boden der deprimierenden Tatsachen. Und dann gingen wir einfach rüber. Gut, das wir von verschiedenen Festivals her wussten, wo die Sollbruchstelle eines Baustellen-Zaunes war. Wir pumpten ihn einfach weg. Naja, nicht ganz, wir schummelten uns am Rand vorbei. Fühlten uns mächtig und überlegen.

13:45h. Der Wald begann. Und was für ein Wald. Eingans gleich mal ein 18%iger Aufstieg, dann die angeblich legendären „Sechs Eichen“, die sich als Parkbank mit sechs Stummeln drum herum entpuppten. Irgendjemand hatte das Hinweisschild vorsorglich schon verschwinden lassen. Keine schlechte Entscheidung. Dann um die 8 Kilometer durch den Wald. Links und rechts säumten ziemlich grässliche Bilder den Weg. Selbst gemalt. Bibelszenen mit Wasserfarbe. Auf jedem zweiten Bild der Tod mit im Spiel. Ein motivierendes Signal für alle Wandersleut.

16:45h. Der Wald öffnete sich und vor uns erstreckten sich in echter Postkarten-Grazie ein paar Weiher und Pferdekoppeln. Wir erreichten Willersdorf und die Brauereigaststätte Rittmayer, die auch gleich mal geschlossen war. So hatten wir uns das vorgestellt.

17:15h. Nach weiteren zwei Kilometern Fußmarsch (nicht so schön: man musste direkt an der Hauptstraße entlang laufen), erreichten wir Stiebarlimbach. Am Ende des Dorfes die Brauerei Roppelt, die schon in einem Stern-Artikel erwähnt wurde und einen eigenen Fanclub besitzt. In einem schönen Biergarten mit großem Kinderspielplatz (mit eigenem Stammtisch für die Kinder) am Rande des Kreuzberges schmeckten vor allem die Brezen. Das Bier war eine Mischung aus Jever (also sehr herb) und Kellerbier (also sehr intensiv) - nicht ganz unser Ding.

17:45h. Links neben dem Ausschankhäuschen der Brauerei Roppelt begann der Aufstieg zu den drei Bierkellern des Kreuzberg. Laut unserer Karte sah der ziemlich heftig aus, aber das stimmte nicht. Nach 10 Minuten Fußmarsch waren wir da. Und wie wir da waren. Und staunten. Die drei Bierkeller (Rittmayer, Lieberth, Freidel) waren nebeneinander und mit Stil in den von Stollen durchlöcherten Berg „eingelassen“. Wir entschieden uns ob Vorbildung und dem Wissen, dass uns beim Friedel ganze drei hauseigene Schnapsbrennereien mit insgesamt 70 Mischungen erwarten würden, dafür, die anderen beiden auszulassen. Und das lohnte sich: Da wir bei diesem prächtigen Wetter des ersten Oktoberwochenendes auch jetzt noch locker draußen sitzen konnten, füllte sich der Tisch vor uns im Nu mit Kellerbier (ziemlich süffig, aber im Vergleich zum Roppelt nicht so aufdringlich im Geschmack und das gefiel uns) und einer Auswahl aus der Schnapskarte, unter anderem mit den Geschmacksrichtungen schwarze Johannesbeere (unser absoluter Favorit), Stachelbeere (auch sehr gut), Spargel (ziemlich abartig), Apfel (schön säuerlich), Himbeere (standesgemäß), Sanddorn (durchschnittlich), Haselnuss (super), Wildbrombeere (eher enttäuschend), Willi Premium (gut, aber nicht außergewöhnlich). Zu unserer Ehrenrettung: Ein, zwei Stücke Kuchen waren auch dabei.

18:30h. Leicht bis mittelschwer wehmütig wankten wir den Kreuzberg wieder hinunter. Die laut Karte letzte Brauerei der Tour hatte leider auch zu und das vor allem von Jens mit Sehnsucht erwartete Abfüllzentrum entpuppte sich als Brauerei-Lager - inklusive Securitys. Also nicht mal mehr ein Wegbier. Dafür aber ne Pulle von dem superben Johannesbeergeist. Und Vollmond. Da es längst am Dunkelwerden war, unsere absolute Rettung. Denn es folgten noch mal sieben Kilometer. Richtig erkannt, mitten durch den Staatsforst. Was für ein Brett. Wir dachten ernsthaft über zwei Familientaxis nach. Und liefen dann los. Besser: Schwankten. Noch viel abgefahrener als man das von den Schullandheim-Nachtwanderungen in Erinnerung hat. Und lang, wirklich lang. Das zwickte in den Waden. Aber wir hatten Kippen und Schnaps. Und Vollmond statt Handylichter. Romantisch.

20:45h. Alles, was sich sonst noch im Wald abspielte, wird für immer unser Geheimnis bleiben. Jedenfalls erreichten wir endlich das Rockcafé in Forchheim und genehmigten uns quasi auf halber Strecke zum Rück-Zug noch eine Halbe Friedel Bräu. Dann zurück nach Nürnberg, was zum Beißen zwischen die Kiemen und entgegen aller Ansagen vom Mittag, SMS-Versprechen an Kumpels, die schon in irgendwelchen Bars am Trinken waren und so weiter nix wie heim und Beine hoch. Mehr ging nicht. Wirklich nicht!

23:15h. Licht aus.

(dl, Foto: Jens // Mehr Bilder von der Tour gibt es HIER)

www.gasthaus-am-kreuzberg.de
www.rittmayer.de
http://lieberth.brauereien.bierland-oberfranken.de/
www.brauerei-roppelt.de/
www.brauerei-hebendanz.de/

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Kommentare (1)

JENS | 13.10.2009 | 02:40
mir zittern schon beim durchlesen schon wieder die wadeln...



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