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Platte des Monats - September |
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Donnerstag, 1. Oktober 2009 |
Sometree // Yonder (PIAS). Da ist sie wieder die Band, die ihre Zuhörer, vor allem aber sich selbst, immer wieder überfordert.
Die Band, die selten eine Deadline einhält und auch nach über zehn Jahren des gemeinsamen Musikmachens noch überraschen und verwirren kann. Die Band, die Gefühle, die sich nicht greifen lassen, hörbar macht. Die Band, die all dem Schwermut einen Namen gibt: „Yonder“.
„Yonder“ hätte nach den Erlebnissen der letzten Jahre alles werden können: das spontane, reinigende Gewitter nach der an den Nerven zehrenden Produktion zu „Bending The Willow“, das orchestrale Mammutwerk unter der Leitung von Freund und Produzent Tobias Siebert (Klez.E, delbo) im Stile seiner letzten Veröffentlichungen, die in ihrem Kontext zugängliche „Popplatte“ nach den Auftritten im Vorprogramm von Snow Patrol. Es hat von allem ein bisschen etwas, ohne dass die Platte deshalb nach Konsens klingen würde.
Wer Sometree schon immer auch für ihren Krach geliebt hat, wird vielleicht etwas enttäuscht sein, denn ruhiger war die Band nie, darüber können dann auch nicht Anfang und Ende von „Yonder“ hinwegtrösten. Wäre „Yonder“ ein Buch, dann wäre „Sink Or Swim“ der Prolog und „Enchiridion“ der Epilog. Zwei laute Paukenschläge und dazwischen das leise, behutsame Drama. Sometree stellen dafür das Klavier mehr in den Vordergrund und wenn es laut wird, dann eher durch Streicher und Bläser. Ob es die in der Form benötigt hätte, lässt sich in Frage stellen, da es ja eigentlich immer die Stärke der Band war, die Effekte von klassischen Instrumenten ohne selbige zu erzeugen: das Mäandernde, das Sphärische, das Cineastische, es war ja schon immer alles vorhanden.
Vielleicht ging es einfach darum, dass sich die Band selbst etwas beweisen wollte. Und was andere mal so nebenbei mit viel Geld in teuren Studios auffahren, haben sich Sometree eben vom Mund abgespart oder mit Freunden daheim im Badezimmer aufgenommen. Stagnation gibt es jedenfalls auch auf „Yonder“ nicht: Bei „Heroin“ hätte man nach drei Minuten die ganz großen Lärmwände auffahren können - tut man aber nicht. Bei „Serene“, dem außergewöhnlichsten Stück des Albums, das zunächst ganz ohne Schlagzeug und Gitarren auskommt, klingen Sometree zum ersten Mal überhaupt nach der Band mit der sie schon so oft verglichen wurden: Radiohead - beziehungsweise eigentlich vielmehr nach Thom Yorke. Zusammen mit dem großartigen „Moduin“ vielleicht eines der besten Sometree-Stücke der Bandgeschichte, weil sie die vielleicht extremsten Vertreter in ihrer Discografie sind.
Überhaupt klangen Sometree noch nie so unterschiedlich innerhalb eines Albums und dennoch ist „Yonder“ ihr schlüssigstes Werk. Vielleicht waren die Stücke beim Vorgänger „Bending The Willow“ jeweils für sich noch stärker. Vielleicht klangen sie auf dem umwerfenden „Moleskine“ noch mehr wie aus einem Guss. Verknüpfter als auf ihrem vierten Album waren die Songs trotzdem nie, weil sie sich anziehen und wieder abstoßen, weil sie sich gegenseitig brauchen. Der Sommer ist nun endgültig vorbei. Wir haben den Blues. Sometree sind schuld. Danke!
[Sebastian Gloser]
sometree.com
pias.com/germany
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