HOME
SELLFISH

So war: Port O‘Brien
Mittwoch, 16. September 2009
26.08.2009 Bar25, Berlin
Port O'Brien sind eine tolle Band. Die Bar25 soll eine tolle Location sein, so hat man mir jedenfalls als „nur für kurze Zeit“-Berlinerin gesagt. Dann sollte die Kombination „Port O'Brien akustisch + Bar25“ ja eigentlich ein tolles Konzert ergeben. Warum das dann nicht hundertprozentig funktioniert hat, ist schwer zu sagen.

Aber fangen wir von vorne an. Die Bar 25, eines der gehyptesten Projekte in Berlin, macht dicht. Endgültig, so sagt man - und feiert 250 Stunden nonstop Abschied. In diesem Rahmen sollen Port O'Brien spielen, unterstützt von The Crack Up Collective als Vorband. Doch schon bei dieser werden die Probleme der ganzen Idee deutlich. Die Bar 25 ist eine Bar, kein Club. In der Bar25 tummeln sich an diesem Abend sehr viele Menschen, die eigentlich wegen des 250 Stunden-Marathons da sind und nicht wegen eines Konzerts. Und so gehen die in Zeitlupe vorgetragenen Songs ziemlich im allgemeinen, fröhlichen Geplapper unter, auch wenn der Mix aus elegischem Gesang, Geige, Cello und träger Elektronik durchaus interessant klingt und zum genauer Hinhören einlädt. Insgesamt viel Publikum, aber wenig Zuhörer.

Als dann Port O'Brien die Bühne betreten, ist es noch voller, ein Großteil der Zuschauer lümmelt allerdings in den - zugegeben, sehr bequem aussehenden - Sofas. Das wird dann von Sänger Van Pierszalowski zwar ironisch kommentiert, die Lümmler kümmert's wenig. Und so geht es dann auch weiter: Die ganze Zeit hat man das Gefühl, die Band spielt gegen das Publikum und ein wenig auch gegen die Vorgabe, ein lauschiges Akustikkonzert zu spielen. Dafür ist es sowieso zu voll und zu laut, aber ein wenig wirkt es auch, als ob die Menschen da auf der Bühne eigentlich gerne eine Rockshow spielen würden, das aber nicht dürfen. Sie spielen brav die Hälfte des Sets alte Songs von „All We Could Do Was Sing“ und die andere Hälfte Songs vom kommenden Album „Threadbare“.

Eben jene Rockshow findet auf dem neuen Album allerdings so gut wie gar nicht mehr statt. Das hat seinen Grund, denn rückblickend sagt Pierszalowski über die erste Platte und die dazugehörigen Konzerte: „I don’t want Port O’Brien to turn into a pub rock band“. Einen anderen Weg wollte er einschlagen und ein intimeres Album aufnehmen. Das hat er auf beeindruckende Weise geschafft und das ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit in einer Zeit, in der so viele Bands nur noch ihren Rhythmus aus Album-Promo-Tour abspulen und Veränderung in diesem Kosmos eher selten Platz eingeräumt wird. Erst recht, wenn der eingeschlagene Pfad recht erfolgreich verläuft. Die Zeiten als Bands ihrem Publikum mit jeder neuen Veröffentlichung Veränderung zumuteten scheint fast vorüber, weshalb „Threadbare“ bereits in der Theorie eine echte Wohltat ist. In der Praxis gibt es deshalb kein zweites „I Woke Up Today“, was sicherlich einige enttäuschen wird und dennoch war das wohl die erste und vielleicht letzte Wende-Möglichkeit und die Fahrt Richtung Sackgasse frühzeitig zu stoppen. Pub Rock war also gestern, jetzt regieren die ruhigen Akustiknummern, die es so ähnlich natürlich auch schon auf dem Debüt zu hören gab. Und wer fragt schon noch nach dem Hit von gestern, wenn die Glanzstücke von morgen „My Will Is Good“, „Sour Milk / Salt Water“ oder „Oslo Campfire“ heißen? Hoffentlich niemand, selbst wenn die Live-Umsetzung jetzt wohl etwas schwieriger werden wird - oder doch nicht?

Bei aller Kritik an diesem Abend in der Bar25: Die Songs von Port O'Brien funktionieren selbst unter diesen widrigen Umständen hervorragend. Die Geschichten, die erzählt werden, kommen mit einer außergewöhnlichen Dringlichkeit und Intensität an, gehen direkt in Kopf und Herz oder tragen einen ganz weit weg, so dass man das trostlos-hippe Durcheinander um einen herum komplett ausblendet. Das ganze vorgetragen in Holzfäller-Flanellhemden und mit einer verschrobenen Bodenständigkeit, die die Umgebung noch surrealer erscheinen lässt. Leider verschwindet Co-Sängerin und -Songschreiberin Cambria Goodwin nach der Hälfte des Konzerts spurlos von der Bühne, dadurch werden die Songs einer Nuance beraubt, die sie noch schöner, noch intensiver und verletzlicher gemacht hat. Vorerst kann man sich deshalb nur ausmalen, welch großartige Momente entstehen können, wenn diese Typen mit ihren Songs richtig loslegen können und nicht durch ein Akustik-Setting eingeschränkt sind.

Im Herbst kann das dann überprüft werden, dann geht die Band nämlich mit neuem Album auf Tour. Und bei aller Kritik, zu der der Auftritt in der Bar25 Anlass gab - an diesem Abend wurden musikalisch und verbal so einige Versprechen gegeben. Und allein um zu schauen, ob diese eingehalten werden, ist die Herbsttour ein Pflichttermin. Und selbst wenn nicht - Port O'Brien beim Scheitern zu zuschauen, wird trotzdem ein tolles Erlebnis sein.

„Threadbare“ erscheint am 2. Oktober bei City Slang.


[Konzertbericht: Verena Kurz, Albumreview: Sebastian Gloser, Fotos: Lindsey Byrnes / Pressefreigaben]


www.portobrien.com
www.cityslang.com

Twitter Facebook StudiVZ MySpace Mister Wong del.icio.us Digg.com Yigg Webnews Oneview Slashdot StumbleUpon Google


Kommentare (1)

GLOSOLI | 24.09.2009 | 11:10
Ein Video gibbet nun auch:
>> Klick mich <<



Nur registrierte Benutzer können Kommentare schreiben.
Bitte melde Dich an oder registriere Dich.




curt_Helden_Sky