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SELLFISH

In Anbetracht: Fantasy Filmfest - Teil 2
Dienstag, 1. September 2009
Das Festival läuft. Die Endzeitstimmung zum Auftakt haben wir verdaut. Zeit, uns wieder in den durchgesetzten Kinosessel zu sitzen und weiter unserer Filmleidenschaft zu frönen. Die Highlights am Freitag hießen dabei Moon, Thirst und Red Cliff.
Los ging es mit einem nahezu meditativen Weltraumtrip. Bei der Science-Fiction-Story Moon handelt es sich um das Regiedebüt von Duncan Jones, dem Sohn von David Bowie. In der Einsamkeit des Alls ist es der ausgezeichnete Hauptdarsteller Sam Rockwell, der mit einer tollen One-Man-Show dafür sorgt, dass dem Zuschauer nicht langweilig wird. Rockwell spielt den Astronauten Sam Bell. Einen Mechaniker im Weltraum, der bereits drei Jahre im All verbringt. Die Aussicht bald nach Hause zu dürfen, treibt ihn an. Doch Sam beginnt Halluzinationen zu sehen und baut schließlich einen Unfall, der dafür sorgt, dass er sein Leben aus einer ganz anderen Perspektive betrachten darf.

Seine Premiere feierte Moon dieses Jahr auf dem renommierten Sundance-Festival. Die Presse bedachte den Film fast durch die Bank mit Vorschusslorbeeren. Im Nachhinein war das vielleicht ein wenig zuviel des Guten. Die dadurch ausgelöste Erwartungshaltung erweist sich als Bärendienst. Der allgemeine Tenor lautete nämlich: „War schon ganz gut, aber ich hätte mir mehr erwartet“. Dabei liefert Moon anspruchsvolle Science-Fiction, der man in seiner sterilen Weltraumumgebung das Mini-Budget von fünf Millionen Dollar kaum anmerkt. Ein neuer 2001 mag Duncan Jones damit nicht gelungen sein, aber allein der Versuch, sich mit Stanley Kubrick zu messen, ehrt ihn. Ganz allein - soviel darf man verraten - ist Sam Rockwell übrigens nicht. Bordcomputer und HAL9000-Verwandter Gertie wird in seiner fast schon unnatürlich besonnenen Art von Kevin Spacey gesprochen. Eines von vielen erinnerungswürdigen Details.

Für Thirst, das neue Werk von Park Chan-Wook (Oldboy, I’m a Cyborg, but thats okay), ließen die Veranstalter extra deutsche Untertitel anfertigen. Man weiß eben, was man am „südkoreanischen Spielberg“ hat. In Thirst geht es um einen Priester, der durch ein Experiment zum Vampir wird. Um keine Aufmerksamkeit zu erregen und niemanden zu verletzen, hält er sich erstmal mit Blutinfusionen aus dem Krankenhaus über Wasser. Doch dann verliebt sich der Pfarrer in die junge Tae-Joo. Und das Unheil nimmt seinen Lauf.

Park Chan-Wooks Film bietet unheimlich viele liebevolle Ideen, die es einfach lohnt, im Kino zu sehen. Der Regisseur vermischt lakonischen Humor mit einer tragischen Geschichte und einer gehörigen Portion nackter Haut. Und spätestens, wenn Tae-Joo, die Geliebte des Pfarrers, ebenfalls zum Vampir wird, gibt es einige erstaunlich heftige Gewaltausbrüche zu bestaunen. Würde Chan-Wook nicht irgendwann in der zweiten Hälfte des Films den Faden verlieren, ihm wäre auch mit Thirst ein Meisterwerk gelungen. So leidet der Film vor allem an seiner Länge, die den überbordenden Einfallsreichtum ein wenig überschattet. Nichtsdestotrotz: Chan Wook gelang es, einen Vampirfilm zu drehen, der sich liebevoll an den Regeln des Genres abarbeitet, und dabei in all seiner Verspieltheit vor allem jenen gefallen dürfte, die sich sonst nicht für Vampire interessieren. Ein großer Film, nur eben etwas zu lang.

Zum Abschluss des Freitag Abends wagten wir uns noch an das asiatische Schlachtenepos Red Cliff von Regiemeister John Woo. Wir möchten ehrlich sein: Schon nach zwei Minuten wussten wir nicht mehr, wo vorne und wo hinten ist. Zu Beginn werden so viele verschiedene Figuren eingeführt, dass einem schon mal schwindlig werden kann. Zumal, wenn diese Namen tragen wie Zhou Yu, Sun Quan, Zhao Yun, Cao Cao oder Liu Bei. Nur eine Auswahl an Charakteren, die immerhin allesamt gut gezeichnet werden wollen. Und das braucht seine Zeit. Kein Wunder, dass die hochkarätig besetzte Literaturverfilmung im Heimatland in zwei zweistündigen Teilen daherkommt. Für Europa wurde die Schere angesetzt, und ein 150 Minuten langer Film draus gemacht. Dabei liefert Red Cliff von der ersten Minute optimal ab. Der Zuschauer bekommt was er erwartet. Epochale Landschaftsaufnahmen, aufwändige Schlachtenszenen, Pathos galore und eine gute Besetzung. Ein paar Lacher gibt’s zwischen den heftigen Kampfszenen auch. Wer auf Asiatische Schlachtenfilme steht, der kommt an Red Cliff nicht vorbei. Die einzige Frage, die wir uns stellen: Ob wir wohl alles verstanden hätten, wenn wir nicht zwischendurch immer mal wieder eingenickt wären?


[Text: Sebastian Zapf, Fotos: Pressefreigaben]

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