Wir haben angebissen. Das 23. Fantasy Filmfest hat begonnen und wir waren gleich mal vor Ort im Cinecitta, um zu checken, was der Splatterfaktor diesmal hergibt und ob es den ganzen Nerds, die man nur einmal im Jahr sieht, auch gut geht.
Es geht ihnen gut. Die Augen sind noch rund, viele haben sogar etwas Farbe abbekommen in diesem Jahr und das ist doch nicht die schlechteste Ausgangslage, bevor man sich jetzt wieder eine Woche lang im dunklen Kino häuslich einrichtet. Am Ende werden die Augen viereckig sein, die Gesichter blasser, dafür aber der Blutdurst aufs Erste gestillt sein. Am Eröffnungstag sieht das noch anders aus. Wer die Fantasy Filmfest Nights früher im Jahr verpasst hat, musste nun ein ganzes Jahr warten, bis der Horror wieder flächendeckend Einzug hält in Nürnbergs Vorzeige-Kinokomplex, der für manche etwa den Charme der Allianz Arena versprüht.
Genug der Vorrede, wir wollen jetzt die Fingernägel in die Kinosessel graben. Dürfen wir auch gleich, davor gibt’s aber noch Trailer satt und die übliche Ansprache aus dem Hause Rosebud. Sympathisch as always. Noch schnell zwei, drei Programmtipps an die Hand und dann geht es auch schon los mit Carriers, dem Eröffnungsfilm des diesjährigen Fantasy Filmfests. Definitiv eine mutige Entscheidung. Endzeitstimmung zum Auftakt – das traut sich nicht jeder. Da wäre ein zotiger Zombie-Schinken, ein blutrünstiger Genre-Streber oder der neue Park Chan-Wook (Thirst - Durst) sicherlich die einfachere Auffahrt gewesen, aber wann sind die Veranstalter des FFF schon mal die Nummer-Sicher-Schiene gefahren? Eben. Carriers geht jedenfalls gleich gut unter die Haut und das mal wieder im wahrsten Sinne des Wortes, denn es herrscht Seuchenalarm. Schuld ist diesmal, aber nicht wieder ein irrer Professor und sein gescheitertes Experiment, der Virus ist schlichtweg Alltag in dem albtraumhaften Szenario, welches uns die Regisseure Alex und David Pastor auf karge, dabei aber visuell eindrucksvolle Art und Weise nach und nach vorstellen.
Die Seuche (zu der die gerade so gehypte Schweinegrippe höchstens in der Kreisklasse spielt) hat nämlich Land auf, Land ab so ziemlich alles dahingerafft und wer mit einem der Opfer oder deren blutigem Auswurf in Berührung kommt, der ist verloren. So lautet jedenfalls die Regel von zwei Brüdern und ihren Freundinnen, deren Roadtrip wir beiwohnen dürfen, vielmehr müssen. Der Strand und die Küste sind das Ziel, denn dort lässt es sich auf der menschenleeren Welt vermutlich am besten aushalten. Dass es nicht alle bis dort hin schaffen werden, sollte keinen Spoiler-Hinweis wert sein. Auch nicht, dass das Drehbuch durchaus stellenweise etwas dünn daherkommt und das Leinwandpersonal oft so blass bleibt, wie die Leichen, die sie am Wegesrand finden. Das gilt auch für Chris Pine, den Captain Kirk der neuen Star Trek-Spielfilmgeneration. Dafür gibt es bedrückende Stimmung über die volle Distanz, einen Plot, der nicht nur auf den einen Höhepunkt zusteuert und einen Film, der mit sehr wenig Klischees auskommt.
Die gibt es dafür im Anschluss en masse beim britischen Lad-Movie Doghouse. Da bleibt kein Auge trocken und keiner der Protagonisten unverwundet. Literweise Dosenbier, verschiedenste UK-Akzente, massenweise Schimpfwörter und eimerweise Kunstblut bilden die Grundlage für einen Streifen, der mindestens so unterhaltsam wie politisch inkorrekt ist. Danny Dyer („Football Factory“) und Stephen Graham („Snatch“) machen einfach das, was sie immer tun. Dumm daher reden, sich in die Scheiße reiten und dabei verdammt gut aussehen - sprich Lacher am laufenden Band produzieren. So macht man das auf der Insel. Kann wohl niemand besser. So simpel und doch charmant auf seine Weise, dass es selten platt wirkt. Die Story von Doghouse, einem modernen Zombie-Splatter-Spaß, ist natürlich schnell erzählt: Sechs Kumpels brauchen eine Auszeit von ihren kaputten Beziehungen und wollen deshalb übers Wochenende im kleinen Nest Moodley mal die Sau rauslassen. Blöd nur, dass die weiblichen Einwohner dort irgendwie alle ganz schön aggressiv daherkommen. Ganz frisch sehen die Damen auch nicht mehr aus. Männliche Dorfbewohner gibt es schon längst keine mehr, da kommt das naive Chauvi-Frischfleisch natürlich genau recht. Da kann man nur darauf hoffen, dass irgendwann noch mal ein Verkehrsmittel rausführt aus dem Kaff. Bis dahin heißt es: zu Wehr setzen mit allen verfügbaren Mitteln. Und die sind reichhaltig. Da werden Supersoaker zu Flammenwerfern umfunktioniert und Golfschläger ohne Platzreife auch mal „3 unter Par“ eingesetzt. Zum zweiten Mal übrigens, dass an diesem Eröffnungstag des FFF Tiger Woods gedropt wird. Respekt auch dafür!
[Text: Sebastian Gloser, Fotos: Pressefreigaben]
Nur registrierte Benutzer können Kommentare schreiben. Bitte melde Dich an oder registriere Dich. |