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PRINT // WAS CURT SO MACHT

#60
Donnerstag, 6. August 2009
VORWORT

Ich weiß nicht, wie das bei euch ist, aber ich bemerke den Beginn des Sommers immer am Gras. Irgendwann in der Übergangszeit vom Frühling in den Frühsommer verändert sich etwas.
Die Wiesen, eben noch graugrün und stumpf, noch etwas matt vom drückenden Schnee und Matsch, sind auf einmal strahlend und voller Saft. Die Erde, noch feucht vom Winter, hat bei der ersten Frühjahrssonne einen leichten Beigeruch von Moder und auftauendem Hundekot. Aber sobald die Sonne sie eine Weile gewärmt hat, ist sie trocken, riecht nur noch würzig nach Erde und ist die perfekte Basis für ein Bett aus Gras.
Für mich ist ab dem Tag Sommer, an dem ich mich auf eine Wiese lege, den Himmel betrachte und sinnlos zu grinsen beginne. Vor Kurzem war es endlich wieder so weit, der Sommer kündigte sich an. Und ich lag das erste Mal im Jahr auf der Wiese und betrachtete meine Umgebung. Irgendwann blieb mein Blick an einem alten Herren hängen, der einen Hund an der Leine führte und sich gerade mit einem anderen Mann unterhielt. Sie sprachen über das Wetter, Krankheiten und die Zeit. Nach einer Weile zog der Alte seinen Hut, man verabschiedete sich und ging auseinander.
Als sie an mir vorbeikamen, sagte der Herr zu seinem Hund: „Hast du gesehen, Wastl, das war der Herr Pollinger. Der ist ein ganz netter, der Herr Pollinger. So wie du, du bist auch ein ganz Netter. Und ein Braver bist du auch, ein ganz Braver. So, und jetzt gehen wir aber mal weiter, gell?“
Der Hund, ein Rauhaardackel mit ergrautem Fell an den Lefzen und buschigen Augenbrauen blieb stehen, drehte sich zu seinem Herrchen und erwiderte: „Also, den Herrn Pollinger kenne ich ja schon eine Weile, aber ich mag den einfach nicht. Ich kann ihn irgendwie nicht riechen.“
„Wastl, das ist immer dasselbe mit dir, du und deine Vorurteile. Der Herr Pollinger hat dir doch nichts getan. Wenn du einmal jemanden nicht magst, dann bleibt das auch für immer so, oder? Du bist ein sturer Esel!“
Der Alte lächelte milde, während er das sagte. „Mei, du kennst mich doch“, antwortete Wastl, „so bin ich halt. Jetzt sind wir schon dreizehn Jahre zusammen, da wirst du es auf unsere alten Tage wohl so mit mir aushalten müssen, schätze ich.“
Ich weiß nicht, ob ich es schon einmal erwähnt habe, aber mich wundert eigentlich nichts mehr. In diesem Moment war ich allerdings doch irgendwie erstaunt. Ich richtete mich auf, zeigte auf Wastl und sagte mit fragendem Blick: „Ääh ... Ihr Hund ...“ Mehr fiel mir nicht ein.
Beide drehten sich in meine Richtung und sahen mich an. Es entstand eine kleine Pause und der Alte wollte gerade etwas antworten, da kam Wastl ihm zuvor. Er nickte seinem Herrchen zu und sagte: „Komm, wir gehen weiter, der ist doch irre. Siehst du nicht, wie der schaut? Einfach weitergehen und nicht beachten. Immer diese Verrückten". Er setzte sich in Bewegung und zog sein Herrchen resolut an der Leine hinter sich her.
Ich blickte ihnen nach, bis sie nicht mehr zu sehen waren und legte mich zurück ins Gras, in dem der Abdruck meines Körpers noch zu erkennen war.

Einen guten Sommer wünscht

Euer Thomas


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