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PRINT // WAS CURT SO MACHT

#55
Donnerstag, 6. August 2009
VORWORT

Der Aufschwung ist scheinbar endlich auch in Deutschland angekommen. Weil ich persönlich davon aber noch nichts bemerkt habe, jedoch auch mein Stück vom Kuchen abhaben will, gehe ich ihm eben ein Stück entgegen. Hier ist schließlich Initiative gefragt. Meine Spitzen-Geschäftsidee: Ich werde Zahnarzt. Natürlich nicht irgendein Hinterhofbackenzahnbohrer. Nein, ich werde Hochseedentist.

Spezialisiert auf die Großen und Reichen der Welt. Der König der Zähne und Weltmeere sozusagen. Ich besorge mir ein 100-Meter-Schiff mit Andock-Station für Prinzenjachten und einem Hubschrauberlandeplatz auf dem Oberdeck. Damit schippere ich dann in internationalen Gewässern, vornehmlich vor den Küsten arabischer Staaten und Königreiche, um meinen Patienten – ich möchte sie lieber Gäste nennen – eine steuerfreie Behandlung angedeihen zu lassen. Die Termine werden nur über meinen Manager vereinbart und mehr als zwei Sitzungen pro Tag werden sicher nicht drin sein, man möchte sich ja auch für seine Klienten Zeit nehmen. Ein Acht-Gänge-Menü (natürlich zuckerfrei) zur Begrüßung lockert die Atmosphäre und eine anschließende Ganzkörpermassage die Muskeln meiner Gäste. In der folgenden Vollprofi-Zahnbehandlung kommen vom Zahnarztstuhl mit Wasserbett-Technologie über die schmerzfreien Hochpulslaserbohrer bis hin zur ayurvedischen Nachbehandlung nur die kostspieligsten und hochwertigsten Techniken und Materialien zum Einsatz. Gold oder Keramik sind als Füll- und Verblendmaterialien sicherlich Stand der Technik, doch mit einer geringen Beimengung von calciumgespülten Uranpartikeln lässt sich auch das strahlendste Lächeln noch verschönern. Zu viele meiner Visionen möchte ich noch nicht preisgeben, ich möchte mir schließlich mein Monopol am Markt bewahren. Klar muss sein, dass ich weder Kassen- noch Privatpatienten behandeln kann, da sind mir die Margen zu gering. Wer meine Dienste in Anspruch nehmen möchte, sollte schon das eine oder andere steuerfreie Auslandskonto besitzen, von dem er mein Honorar an meine Hausbank auf den Bahamas überweisen kann. Barbezahlung wäre mir natürlich lieber, gerne auch in wertbeständigen Mitteln wie Gold oder Diamanten. Natürlich fühle ich mich der Gesellschaft gegenüber in der Schuld, daher möchte ich mich selbstverständlich als anerkannter Ausbildungsbetrieb eintragen lassen. Models und Schönheitsköniginnen, die nach ihrer aktiven Karriere oft in ein berufliches Loch fallen, können bei mir den wunderschönen Beruf der Zahnarzthelferin erlernen. So möchte ich der Gesellschaft einfach auch etwas zurückgeben. Das ist für mich Ehrensache! Sicher, die Investitionskosten sind nicht gering und das mit dem Zahnmedizinstudium ist auch noch eine Hürde, aber der Erfolg wird mir Recht geben, das weiß ich ganz sicher.
Terminanfragen werden ab sofort angenommen und ich lass den Bohrer schon mal warm laufen.

Euer Thomas


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