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MUSIK

The Strokes... wer?
Mittwoch, 25. März 2009
Albert Hammond Jr. - Como Te Llama | Little Joy - s/t | Nickel Eye - The Time Of The Assassins

Jetzt ist "First Impressions Of Earth" auch schon wieder drei Jahre alt und die Strokes kommen einfach nicht in die Gänge. Müssen sie ja auch nicht. Zeit für Albert Hammond, sich Solo auszutoben. Nach dem netten kleinen "Yours To Keep" in 2006 erscheint jetzt das Zweitwerk. Und wirkt seltsam uninspiriert.

Klar, auch "Yours To Keep" war kein besonders weiter Wurf. Jedenfalls nicht für jemanden, der zusammen mit einer kleinen Gruppe den Rock'n Roll revolutionierte (oder zumindest wieder auf der musikalischen Landkarte verortete). Ein bischen plingpling auf der Stratocaster, ein paar niedliche Melodien und ein Hoppelhase auf dem Cover - fertig war zumindest für eine Saison die perfekte Ablenkung von der perfektionistischen New Yorker Hauptband The Strokes. "Como Te Llama" hält jetzt eine Überraschung bereit: nicht nur fehlt Hammond auf dem Cover (keine Angst, kann man innen wie zurechtkleben), nein, er gibt sich erstmals als experimentierfreudigen Entdecker und erspielt sich ein Album, das an den falschen Ecken versucht, soetwas wie Wahrhaftigkeit zu finden. Es könnte alles so einfach sein: hier und da ein paar zweitverwertete Ideen aus dem Strokes B-Seiten-Katalog, dazu ein zwei gewagt-feinfühlige Soli - fertig ist das Zweitwerk. Hat doch schonmal funktioniert, Albert. Aber nein, hier muss es natürlich gleich wieder eine Weiterentwicklung sein, die sich verheddert und verzettelt. Und am Ende weiß eigentlich keiner mehr, was Hammond Jr. genau will. "The Boss Americana" ist genau das, was der Titel suggeriert. "Dicke-Eier"-Rock. Nur leider ohne Augenwinkern. Und auch der Reggae in "Borrowed Time" hätte wohl allenfalls als B-Seite eine Daseinsberechtigung gehabt. Was unterm Strich bleibt? Nun, Hammond ist immer genau dann wirklich gut, wenn er so klingt wie die Strokes. Und das hätte ihm auch niemand übel genommen. "In My Room" zum Beispiel zieht es einen unaufhaltsam auf die Tanzfläche. Aber Hammond will eben etwas anderes sein. Soll er doch. Wir haken das Zweitwerk einfach ab und warten darauf, dass Casablancas wieder in die Puschen kommt. (Robert Heldner)



Was entsteht, wenn Fabrizio Moretti (The Strokes) und Rodrigo Amarante (Los Hermanos) mutmaßlich zu viel Gras und Zeit übrig haben? Sie schnappen sich die aus Los Angeles stammende Musikerin Binki Shapiro, noch mehr Gras und quartieren sich irgendwo in Echo Park, L.A. ein, um ein unglaublich entspanntes Album aufzunehmen.

Was bei den Aufnahmen auch immer an Substanzen im Spiel war oder auch nicht, Fakt ist, dass man dem selbstbetitelten Debüt seinen unaufgeregten Entstehungsprozess anhört. Woher hätte auch Druck kommen sollen, das hier ist keine Truppe, die um ihre Existenz spielt. Herausgekommen sind elf Songs, die nach Urlaub klingen. Ein bisschen wie Cuba Libre am Strand von Havanna trinken. Die Gitarren klingen zuweilen, als wären sie aus der Horizontalen in einem Liegestuhl eingespielt worden. Und es macht sich bemerkbar, dass Amarante bereits mit Devendra Banhart musiziert hat. Bei „No One’s Better Sake“ grüßt eine verkiffte Orgel, „Don’t Watch Me Dancing“ ist ein von Shapiro ganz bezaubernd gesungenes Stück und „Keep Me In Mind“ klingt dann doch ein wenig nach den Strokes. So lässt sich am Ende Folgendes festhalten: Little Joy ist eine durchaus gelungene Nebenbeschäftigung. Ob sie allerdings zwingend auf Tonträger festgehalten werden musste, werden wohl erst zukünftige Veröffentlichungen zeigen. Bis dahin macht „Little Joy“ jedenfalls eher Lust sich mal wieder die Hauptbands der Beteiligten anzuhören. (Sebastian Gloser)



So langsam kommen sie alle aus der Deckung. Nach Albert Hammond Jr., der bereits zwei Solo-Alben veröffentlicht hat, Fabrizio Moretti, der mit Little Joy auf sich aufmerksam machte, traut sich nun auch Strokes-Bassist Nikolai Fraiture einen Ausflug neben der Hauptband zu. Das macht Sinn, denn als Songwriting-Maschinen sind The Strokes wahrlich nicht bekannt, aber irgendwo muss die überschüssige Kreativität ja hin.

Während Hammonds Alben immer ein wenig zu sehr nach der Gitarrenarbeit bei den Strokes klangen, sich Moretti mit Little Joy im verstrahlten und allzu entspannten Niemandsland verlor, legt Fraiture als Nickel Eye mit „The Time Of The Assassins“ nun die spannendste und auch bisher beste Nebenbeschäftigung vor. Das Songwriting ist auf den Punkt, die Produktion dabei aber angenehm zurückhaltend und nach der Hauptband klingt hier kaum etwas. Und obwohl die Songs eine große Bandbreite umfassen, klingt alles wie aus einem Guss. Das fängt beim lässigen Intro an, geht beim wunderbar eingängigen „You And Everyone Else“ weiter und hört eigentlich nicht einmal bei der akustisch gehaltenen Ballade „Hey, That’s No Way To Say Goodbye“ auf. Bei „Dying Star“ steuert Nick Zinner von den Yeah Yeah Yeahs etwas Gitarrenkrach dazu und für das tolle „Where The Cold Wind Blows“ hat sich Fraiture Regina Spektor am Klavier dazugeholt. „The Time Of The Assassins“ ist eine schlichte Schönheit, die auch locker die Generationen vor und nach den Strokes beeindrucken könnte, wenn das Album noch etwas spektakulärer ausgefallen wäre. Genau das wollte Nikolai Fraiture aber offensichtlich nicht und deswegen beeindruckt er uns noch mehr. (Sebastian Gloser)


http://www.myspace.com/alberthammondjr /
http://www.myspace.com/littlejoymusic /
http://www.myspace.com/officialnickeleye

Fotos: Günter Distler [GD] / Southside Festival

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