Nach zweimal full House in Hirsch und Stereo hat sich Sebastian Gloser den auf Silberlinge gepressten Anlass für diese Konzerte mal ausführlich vorgeknöpft. "Gymmick mit uns" - neue Band, neues Glück?
++ Dass Humor ein schwieriges Terrain ist, wird einem immer wieder auf erschreckende Weise vor Augen geführt, wenn man sich aus Versehen mal in die Untiefen des deutschen Fernsehens verirrt. Während die einen über Gag-Tiefflieger wie Mario Barth lachen können, bleibt anderen nur noch „Punkt 12“. Noch gefährlicher wird es, wenn Humor und Musik vermengt werden. Ein einziges Mienenfeld. Die Fälle in denen diese Kombination gut gegangen ist, lassen sich wahrscheinlich an einer Hand abzählen. Biermösl Blosn klar, aber dann? Für manche wohl zwangsläufig der unsägliche Otto und mit Abstrichen vielleicht noch Olli Schulz, bis der den Bibo tanzte. Und aus fränkischer Sicht? J.B.O.? Wie gesagt, ein Mienenfeld.
Trotzdem lässt sich Gymmick seit geraumer Zeit nicht davon abbringen genau dieses Feld zu bearbeiten und veröffentlicht nun nach einer halben Ewigkeit sein neues Album mit dem Titel „Gymmick mit uns“. Auch wenn sich Tobias Hacker, wie Gymmick mit „bürgerlichem“ Namen heißt, auch mit seinen Comics und diversen anderen Projekten einen Namen gemacht hat, kennt man ihn vor allem als Liedermacher mit Humorschlagseite. Nach seiner bisher einzigen CD „Gymmik live“ veröffentlicht der Nürnberger nun nach sage und schreibe 15 Jahren sein zweites Werk und dass obwohl er in seiner Biografie über sein Debüt selbstironisch gesagt hat: „Geht gut weg. Ich verschenke viel.“ Man hätte also schon deutlich früher mit einem Nachfolger rechnen können, aber wahrscheinlich wurde Gymmick in den letzten Jahren durch seine zahlreichen Auftritte in der Region oder einen neuen Comic oder das Verfassen einer FCN-Hymne aufgehalten.
Dass man „Gymmick live“ in erster Linie mit Partys verbindet, die rückblickend betrachtet oft gar nicht mal so gut waren und vor allem daraus bestanden, dass pubertierende Jugendliche in einem Kinderzimmer, das seinem Begriff längst entwachsen war, auf dem Boden saßen, sich mit schlechten, selbstgepantschten Mischgetränken, die inzwischen Alkopops genannt werden, gute Laune an- und die Schüchternheit wegtranken und dazu Gymmik hörten, weil es an Themen und anderen Kommunikationsebenen mangelte, ist natürlich nicht die Schuld von Gymmick. Im Gegenteil: Manche Stücke aus dieser Zeit kann man sogar noch heute anhören, ohne sich dabei rot zu schämen, während man für die Partys von damals kein so gnädiges Urteil fällen würde.
Stellt sich die Frage, ob „Gymmick mit uns“ nun ebenfalls der Soundtrack für die Generation „zu jung für die Disco, zu alt für den Kindergeburtstag“ werden könnte? Die Antwort lautet kurz und knapp: Nein. Und zwar einfach deshalb, weil natürlich auch Gymmick selbst der damaligen Zeit entwachsen ist. Während er sich früher an der Popgeschichte abarbeitete, Bruce Springsteen und Bob Dylan in seinen Kontext übersetzte und vor allem durch den pointierten Vortrag seiner Geschichten überzeugte, hegt Gymmick heute ganz andere Pläne.
Gymmick ist jetzt Band sozusagen. Er schreibt Songs, ist kein reiner Geschichtenerzähler mehr. Und Gymmick wollte ein richtiges Album. Keinen Live-Mitschnitt, sondern eines, das in richtigen Studios mit richtigen Musikern aufgenommen wird. Dass dadurch der Live-Charme von Tobias Hacker zu einem großen Teil auf der Strecke bleibt ist logisch und schade zugleich. Gymmick klingt reifer, die Lacher sind nicht mehr so vorhersehbar, dafür aber auch seltener geworden. Gymmick greift die Themen dieser Zeit auf, bleibt dabei aber manchmal so blass, wie auf seinem Cover. Er ist ernster geworden, aber noch lange kein Melancholiker. Ein Mittelweg, der verhindert, dass man „Gymmick mit uns“ problemlos durchhören kann, die Live-Auftritte aber flexibler werden lässt. Und dass Gymmick sein Niveau in all den Jahren nie den gerade angesagten Comedians anpasst hat, spricht sowieso für ihn.
Text: Sebastian Gloser
Bilder: Roland Seehof
Gymmick mit uns live: 25. April in der Desi. Support: Klaus Blinzler. Aftershowparty mit den DJane Silke & Friends.
LAMPE | 20.03.2009 | 09:43 maht nix Habbit fehlt hier keinem auff. |
HOBBIT | 19.03.2009 | 18:49 Arrgh, und die Omma meinte doch gerade noch: "Bou, pass mir ja auf die Rechtschreibfehler auf .....!"
Zu spät. |
HOBBIT | 19.03.2009 | 18:47 Wow, treffend geschrieben - Kompliment!
Und auch großes Kompliment an Gymmick: So gern ich mich auch daran erinnere, wie man damals im Freundeskreis zum Vorglühen die Gymmick CD hörte - ein zweiter Aufguss der unbekümmerten Alberheit (als absolutes Kompliment gemeint) von damals hätte kein "gereifter" Gymmick-Fan gebraucht. |
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