curt war da: Wolf Alice im Ampere

Wolf Alice, 2. September, Muffatwerk Ampere // Der Raum ist gerammelt voll, die Luft steht. Bereits bevor die Vorband die Bühne betritt, drängen sich die Gäste in der ersten Reihe. Eröffnet wird der Abend von Gengahr aus London, die mit ihrem groovig-rockigem „Psych Pop“ bereits bei SXSW und Glastonbury überzeugten. Die sanfte einlullende Stimme des Sängers erinnert an Jack Steadman, die Drums sind easy-going, aus der E-gitarre ertönen verspielte Melodien, die Band wirkt jedoch um einiges realer, düsterer und dreckiger als Bombay Bicycle Club. Genau richtig um das Publikum auf Wolf Alice einzustimmen.

Gengahr

Gengahr live im Ampere. Foto: Mirja Kofler

Und dann betritt die 23-jährige Frontsängerin Ellie Rowsell von Wolf Alice die Bühne in schwarzen Dr. Martens. Gelbe Socken blitzen aus den Schuhen, ein simples Gold-Kettchen liegt auf ihrem Dekollté, die Haare zu zwei kleinen Schwänzchen gebunden. Ihr kurzes weißes Satin-Kleid erinnert an ein Nachthemd und gehört defintiv zu den Stücken, die Mutti verbietet würde, die aber danach schreien getragen zu werden, um nachts nochmal heimlich aus dem Zimmerfenster zu steigen und mit verrückten Freunden durch die Häuser der Stadt zu ziehen. Die Band startet stark mit „Your Love´s Whore“ und „You´re a Germ“ und während Ellie ins Mikrofon schreit und der Gitarrist sich provokant mit seiner E-Gitarre in das Publikum lehnt um dieses aufzuheizen, fällt mein Blick auf die tanzenden, glitzerbestäubten Mädchen in der ersten Reihe, die lautstark mitsingen sowie auf die rosa Plüsch-Gitarrengurte der Sängerin neben der Bühne. Hier trifft dreckiger Grunge auf Spice Girls und es funktioniert. Man spielt mit dem Kontrast und der Vielseitigkeit, wechselt ohne Vorwarnung von laut auf leise und wieder zurück – brav ist anders.

Nach der ersten Hälfte des Sets greift die Band erstmal zu Bier und Handtüchern. Der Laden kocht und man fühlt sich wie in einem Londoner Keller, in dem alles in düsteres orange-rotes Licht getaucht ist. Dann gehts etwas gemütlicher weiter mit „90 Mile Beach“ und „Silk“. Nun kommt auch die kraftvolle Stimme der Sängerin richtig zur Geltung. Highlight des Abends ist defintiv der Song „Swallowtail“, bei dem sich die Sängerin erstmal komplett zurücknimmt, dem Drummer das Mikro überlässt und diesen nur ganz sanft mit Gitarre und Vocals begleitet. Urplötzlich fühlt man sich wie im Film „Garden State“ und realisiert, dass jedes einzige Mitglied dieser Band seine Daseins-Berechtigung hat und nicht nur dazu da ist um deren Frontsängerin zu unterstützen. Und dann gehts wieder ohne Vorwarnung heavy weiter.

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Nach diesem Konzert ist klar, dass der Hype um die Londoner Band berechtigt ist. Kein Wunder also auch, dass die Band mit ihren Songs über Sterblichkeit, übers Erwachsenwerden und Beziehungen mit ihrem Album „My Love is Cool“ auf Platz 2 in den UK Charts landete und sowohl für einen Grammy als auch den Mercury Prize nominiert wurden und nun europaweit Londoner Underground Stimmung in die Clubs bringen. Wer also Lust auf einen musikalischen Kurztrip nach London hat, sollte sich früh um Tickets für die nächsten Konzerte kümmern.

Text und Fotos: Mirja Kofler >> Homepage

 


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