Im Gespräch: Walter Heun von der TANZWERKSTATT EUROPA

VERLOSUNG // Walter Heun ist der vielleicht wichtigste Netzwerker in der europäischen Tanztheaterszene. Seit er 1991 erstmals die TANZWERKSTATT EUROPA in München realisierte, hat sich das Festival zu einem der bedeutendsten Treffpunkte der internationalen zeitgenössischen Tanzszene entwickelt.

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Walter Heun ist u. a. künstlerischer Intendant des Tanzquartiers Wien; er pendelt zwischen seiner Wahlheimat München, Wien und vielen anderen Tanzzentren der Welt. Ein Gespräch über persönliche und künstlerische Heimat.


Walter, du bist geborener Oberfranke, lebst und arbeitest in München und Wien. Wo fühlst du dich zu Hause?

Ich bin im letzten Jahr rund 160-mal zwischen München und Wien hin- und hergependelt – irgendwie sind die Serviceleute im Railjet ein Stück Heimat für mich (lacht). Aber in München fühle ich mich daheim. Gerade nach längerer Zeit im Ausland freue ich mich, am Odeonsplatz zu sitzen und mir das alltägliche „Theater München“ anzuschauen. Oder an einem meiner Lieblingsorte, einem verschwiegenen Plätzchen hinter dem Haus der Kunst. Außerdem leben meine Kinder und meine Freundin hier.

Wie kam es dazu, dass ausgerechnet München Heimat der TANZWERKSTATT EUROPA geworden ist?

Zugegeben, in Wien z.B. passiert sehr viel mehr in der Tanzszene. Aber München ist meine Heimat. Ich habe ab Mitte der 80er-Jahre in München verschiedene Tanzprojekte mit angestoßen und vorangetrieben. Mit der Idee der TANZWERKSTATT EUROPA haben wir dann einen Antrag bei der Stadt München auf Förderung gestellt – tja, und dann kommt es darauf an, sich sogenannte Matching Funds zu eröffnen.

 Das heißt?

Der eine gibt was, wenn der andere was gibt und wenn man eine bestimmte Summe zusammenhat. Im Falle der TANZWERKSTATT EUROPA waren das die Stadt München, der Freistaat Bayern und die EU.

Man muss sich also auch in der Welt der Förderanträge, Behörden und Ministerien zu Hause fühlen. Eine komplizierte Welt?

Ja und nein. Wenn du als erster mit einer guten Idee zu den Leuten kommst, freuen sie sich.

Heimat sind ja auch die Freunde, die man an bestimmten Orten hat. Wie ist das in deinem bewegten Leben?

In der Tanzszene sind wir sind ja alle irgendwie lonely Cowboys, da bleibt kaum Platz für normale Beziehungen. Meine Freunde sind über den ganzen Planeten verstreut. Aber: Wir haben in München alle drei Monate einen Abi-Stammtisch, darauf freue ich mich jedes Mal.

Vom 30. Juli bis 9. August findet wieder die TANZWERKSTATT EUROPA in München statt. Deine persönlichen Highlights?

Allein die Künstler wiederzusehen, ist wie nach Hause kommen. Und für mich schließt sich ein Kreis: Jérôme Bel wird „Pichet Klunchun and myself“ zeigen, eine Performance, die mich vor vielen Jahren sehr nachhaltig beeinflusst hat. Und die in München zum allerletzten Mal in Europa zu sehen sein wird.

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Das Interview führte Bob Pfaffenzeller – erschienen in der curt Ausgabe #78
Fotos: Johannes Mairhofer


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