16. November
curt präsentiert: Torres @ Ampere

„Gender is over“ ist ein Satz, den ich im Internet heutzutage sehr oft lese. Das hängt mit der Menge an LGBTQ-Freunde, die ich über die Jahre in diversen Städten dieses bunten Planenten angesammelt habe. Er soll signalisieren: Egal welches Geschlecht du hast oder mit welchem Geschlecht du dich identifizierst oder wen du liebst: Wir sind gleich. Wir sind vor allem gleichberechtigt.

Torres, geboren als Mackenzie Scott in Florida, wuchs in einer konservativen Familie auf. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum sie heute mit Klischees spielt. Ihr neues Album „Three Futures“ bricht mit Geschlechterrollen. Das Album stand schon mit der ersten Singleauskopplung unter dem Stern des Full-Frontal-Lesbianism. „Skim“ heißt der Song und zeigt die Sängerin als androgynes Wesen im Hosenanzug, die Lippen blau, die Haare wie Karl-Theodor zu Guttenberg nach hinten gegelt. Maskulin. Tough. Sie wird von anonymen Frauenarmen umschlungen, spielt auf Frauenbeinen wie auf einer Gitarre. Im Titelsong des Albums singt sie: „I got hard in your car.“ – „In deinem Auto bekomme ich eine Errektion.“ Ein Ausdruck, der eigentlich nur für Männer verwendet wird.

Auch die Produktion, die Arrangements und Instrumente unterstreichen das vermeintlich Männliche ihrer Ausstrahlung und ihrer Texte. Sie setzt bewusst industrielle Sounds ein, scheppernde, verzerrte Bässe, wie wir sie unter anderem von Nine Inch Nails oder Marylin Manson kennen. Dennoch setzt sie auf klare, melodische Noten. In „Greener Strech“ begleitet ein Gitarrenlick die scheppernden Effekte, das etwas an Guns’n’Roses „Sweet Child of Mine“ erinnert. Wie die Crème de la crème der Songwriterinnen nutzt sie diese als Kontrast zu ihrer Stimme. Torres bewegt sich mittlerweile auf dem Level von St. Vincent, PJ Harvey oder Cat Power.

Es wird sich zeigen, wie das live wirkt. Im Sommer 2014 sah ich Torres zum ersten Mal in der, mittlerweile leider vom Clubsterben ausgelöschten, Glasslands Gallery in Brooklyn. Sie überragte die meisten Männer im Publikum, schafft sie es doch leicht über die 1,80 Meter. Die damals noch 23-jährige Scott wirkte mit ihren langen Gliedmaßen wie ein neugeborenes Reh. Trotz des Bambi-Charakters füllte sie mit Gitarre und Gesang den kleinen Raum, hypnotisierte Mann wie Frau, homo wie hetero, bi oder trans. Seitdem hat sie jedoch zwei weitere Alben veröffentlicht, wurde von Kritikern gefeiert und hat zumindest auf der Platte an Tiefe gewonnen. Ob sich auch ihre eh schon beeindruckende Bühnenpräsenz noch weiter entwickelt hat, wird sich am 16. November zeigen. Mich würde es jedenfalls nicht wundern, wenn aus Mackenzie Scott die Grace Jones unserer Generation wird und sie die Geschlechterrollen endgültig abschaffen wird.

Die Verlosung ist beendet, die Gewinner wurden per E-Mail informiert.


curt präsentiert: Torres // Support: The Dove & The Wolf // 16. November // 20.30 Uhr // Ampere // VVK 17 Euro zzgl. Gebühren
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