Gehört: Tori Amos – Native Invader

No hay mal que por bien no venga. Es gibt kein Übel, das nicht auch Gutes bringt. Nicht selten wirkt sich eine Krise fruchtbar auf das Schaffen eines Künstlers aus. So auch im Fall von Tori Amos. Die US-amerikanische Pianistin, Sängerin und Songschreiberin ist bekannt für ihre lyrischen und gefühlsbetonten Texte in denen sie auch vor unbequemen Themen nicht zurückschreckt. Um Ideen für die Songs des neues Albums Native Invaders zu sammeln hat die Sängern, die mittlerweile in Südengland lebt, eine längere Reise in die Smoky Mountains / North Carolina und nach Tennessee gemacht, der Heimat ihrer Mutter. Zwei einschneidende Ereignisse kreuzten allerdings die ursprünglichen Reisepläne. Zum ersten ein sehr persönliches. Die Mutter erlitt einen schweren Schlaganfall, was alles auf den Kopf stellte. Das zweite Ereignis war der Wahlsieg von Donald Trump mit allem, was darauf folgte.

Aus diesen beiden Geschehnissen spinnt Tori Amos die Geschichten ihrer sensiblen Lieder auf Native Invaders. Ein plattes ‚Fuck Trump‘ ist von der 54jährigen dabei natürlich nicht zu erwarten. Native Invaders ist ein politisches Album geworden. Themen wie Klimawandel, Blutdiamanten, Mauern und illegalen Einwanderern werden in den Songs verarbeitet. Und die Frage, wie die Natur letztlich auf den menschlichen Größenwahn reagieren wird. „Auch die Natur wird attackiert, und sie hat gelernt, damit umzugehen. Wir sollten uns genau ansehen, wie die Mächtigen der Welt vorgehen. Sie warten nur darauf, selbst reden zu können. Aber sie hören dem anderen nicht zu, sie sind nicht präsent. Und das können wir von der Natur lernen: präsent zu sein. Diese Mächtigen der Welt werden höchstwahrscheinlich nicht merken, wenn ein Sturm im Anmarsch ist. Ihnen ist klar, dass irgendwann ein Sturm kommt, aber weil sie nicht präsent sind, nicht zuhören, merken sie nicht, wenn es soweit ist“, gibt sich die Sängern gewohnt mystisch.

Das Schicksal ihrer Mutter Mary fließt in den Song Mary’s Eyes. Zugleich der emotionale Höhepunkt von Native Invaders. Auch hier geht es um Präsenz, nur auf eine ganz und gar andere Weise.

Musikalisch bewegt sich Tori Amos auf ihrem 14. Album wieder mehr zum reduzierten Sound der Anfangstage zurück. Viel Klavier, hier und da ein wenig Gitarre, Bass und Schlagzeug. Besondere Zeiten fördern Besonderes. Unter den vielen hervorragenden Alben sticht Native Invaders dank solcher Schönheiten wie Cloud Riders, Climb und Mary’s Eyes eindringlich heraus.

Tori Amos – Native Invader // Decca Records // VÖ: 08.09.2017

> Tori Amos live mit neuem Album am 30.09. in der Philharmonie


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