Das Helle – im Gespräch mit Tilman Ludwig

Ist schnitten-technisch Hopfen und Malz verloren, begibt sich der sonst so vinophile weinbrandt zum seelischen Ausgleich auf ausgedehnte Expedition ins Bierreich. Als er jedoch vom Westfälischen Fasching mit einer signifikanten Pils-Vergiftung zurückkehrt, beschließt er, bis ans Ende seiner Leber tückische kohlenhydrathaltige Kaltgetränke zu meiden und eher hiesige Hefeschnitzel zu präferieren.

Auch Tilman Ludwig schwört auf hochwertigen und ortsansässig produzierten Gerstensaft. Der 30-Jährige liebäugelt aber gleichzeitig mit dem bei uns etwas unüblichen Vollkornsprudel Indian Pale Ale (IPA). Kurzerhand gründete er im April letzten Jahres, zufällig just am Feiertag des deutschen Bieres, sein eigenes Unternehmen und lässt nun mit „Das Helle” seine Idealvorstellung eines typischen Münchner IPAs vom Stapel.

2014 setzten sich die Bayern in der Bierproduktion mit 22,8 Millionen Hektolitern an die Spitze in Deutschland. Der heimische Markt ist folglich ziemlich gesättigt. Was war die Initialzündung für „Das Helle”? Industriell gebrautes Bier trinkt sich meist saulangweilig. Nach meiner Braumeister-Ausbildung an der TUM Weihenstephan arbeitete ich zwei Jahre lang für das kleine Schweizer Brauhaus Huus Braui und durfte da bereits eigene Ideen für deren Spezial-Biere verwirklichen. Unsere Braukultur ist zwar wesentlich älter und traditionell verwurzelter, doch schon damals faszinierte mich die amerikanische IPA-Bierszene, die recht wenig mit dem Reinheitsgebot gemein hat. Die Amis lernten ja eigentlich das Brauen von deutschen und irischen Einwanderern, trotzdem übertraf irgendwann der flexible Schüler den sturen Meister durch ständige Weiterentwicklung. Hierzulande spricht mich indessen das hohe Niveau an Professionalität und Sauberkeit an. Ich möchte all diese Aspekte in meinem Erzeugnis vereinen.


Wie würdest du „Das Helle” beschreiben?
Ein bernsteinfarbenes Lagerbier, das mit ausgesuchten regionalen Rohstoffen gebraut und mit hochwertigen Aromahopfen aus USA verfeinert wird. „Das Helle” fabriziere ich in der Brauerei Gut Forsting im Landkreis Rosenheim. Lediglich mit einem simplen Schichtenfilter filtriert, schmeckt es würzig-süffig wie ein klassisches Münchner Hell und besitzt dabei das intensiv hopfige und ausgeprägt fruchtige Aroma eines Pale Ales aus USA. Mein Produkt soll ganzheitlich einen hohen Wert aufweisen, z. B. wird zukünftig jedes weitere Label mit Kunst verziert sein.

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Wie kam es zur Zusammenarbeit mit der Brauerei Gut Forsting?
Ich sandte mein Konzept total naiv per E-Mail an zehn Brauereien im Münchner Umland und erhielt gleich fünf positive Rückmeldungen. Letztendlich machte Gut Forsting das Rennen, weil mir da keiner reinredet, ich deren Equipment benutzen und meine Abfüllungen dort lagern darf.

Wie erklärst du den hochtrabenden Namen?
Ich bin ein großer Fan von Zweideutigkeiten und betrachte das ohne tieferen Sinn, sondern eher in dem Kontext, dass das Helle an sich ein hervorragendes Bier ausmacht.

Du firmierst unter Tilmans Biere, bietest aber derzeit nur ein einziges Getränk an …
Ich betreibe das mittlerweile als Vollzeitjob. Bei der Selbstständigkeit war mir die Selbstverwirklichung tausendmal wichtiger als die große Kohle. Glücklicherweise erhielt ich gleich zu Beginn von der Stadt München einen Gründungszuschuss inkl. Sozialversicherung. Dieser ist zwar letzten Oktober ausgelaufen, dennoch hält sich mein Kontostand derzeit gut die Waage und ich kann sogar erste Gewinne verzeichnen. Das Ziel ist, schon in Zukunft ein größeres Sortiment anzubieten. Den Nachfolger – ein recht kräftiges Brown Ale in der 0,33-l-Pulle – braue ich bei Weissbräu Schwendl am Chiemsee und präsentiere ihn dann auf der Braukunst Live!-Messe und in der Bar Nachtmuseum am Sendlinger Tor.


Der weinbrandt rät:
Pfoten weg von widerlicher Kinderbelustigungsbrause, sprich garstigem Kopfwehbräu wie „Schöfferhofer Birne-Ingwer“! Das grenzt an Bierquälerei! Wer auf außerordentlich fruchtigen Hopfengeschmack abfährt, der pichelt vorzugsweise „Das Helle“ von Tilmans Biere: tilmansbiere.de

Fotos: Stefanie Giesder

Der Artikel ist in der Ausgabe curt #80 erschienen.


2 Kommentare

  1. Das für mich derzeit beste Helle in ganz München …

    Christoph / Antworten
  2. Recht hast!

    Christoph Brandt / Antworten

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