13. November
< Schwarze Sterne > @ Kösk

Else Lasker-Schüler ‚Schwarze Sterne‘ – ein Experiment für Chor und zwölf Töne.

Zu einem musikalischen Erlebnis der nicht alltäglichen Art laden das Ensemble für synkretische Musik, die Sängerin, Musikerin und Komponistin Manuela Rzytki und der Köşk-Chor am 13. November ins Köşk ein.

Seit April 2015 bespielt das kulturelle Zwischennutzungsprojekt Köşk die Räume der ehemaligen Stadtteilbibliothek im Westend. Das Motto: 1.000 Tage Raum für viele Ideen. Ohne solche Freiräume wäre es vielleicht nie zu dieser Zusammenarbeit von Chorleiterin Manuela Rzytki (u.a. Parasyte Woman, Honkytonk Movement) und dem Komponisten und Musiker Carl Oesterhelt (u.a. Carlo Fashion FSK, MS John Soda) gekommen. Für curt geben die beiden einen kleinen Einblick in die Entstehung dieses einzigartigen Projekts.

Sowohl Manuela als auch Carl arbeiten viel für verschiedene Theater und beschäftigen sich mit experimenteller Musik. „Naja, sogenannte Neue Musik“, sagt Oesterhelt. „Ein Kritiker hat einmal Zwölftonpop über eine Theatermusik von mir geschrieben, das finde ich eigentlich ganz schön. Mit dem Ensemble für synkretische Musik spielen wir entweder meine Kompositionen (‚Le rythme et la ligne‘, erschienen auf Hausmusik) oder auch mal zusammen mit dem Jazzsaxophonisten Johannes Enders.“ Gemeinsam haben sie bislang noch nicht an einem Stück gearbeitet. „Schwarze Sterne ist die erste Zusammenarbeit zwischen Manuela und mir“, berichtet Oesterhelt. „Irgendwann hat sie mir erzählt, dass sie diesen Chor leitet und dann habe ich extra dafür ein Stück geschrieben.“

Dieser Chor ist der Köşk-Chor, der mit der Eröffnung des Köşk gegründet wurde und singbegeisterte Menschen zwischen 30 und 50 Jahre zusammenbringt, die Lust aufs Experimentieren haben. „Die Richtung ist bei uns nicht festgelegt, es geht darum, gute Stücke zu finden oder selbst zu schreiben. Es muss für den Chor passen, man kann nicht jedes Stück in ein Chorstück verwandeln“, beschreibt die Leiterin die stilistische Ausrichtung. „Manche Stücke werden nur für einen bestimmten Event einstudiert und bleiben nicht fest im Repertoire. Überhaupt geht es bei dem Chor um den performativen Einsatz. Je nach Kontext passt manchmal eher was Lustiges oder was Schwebendes, Klassik oder Pop, Science Fiction oder einfach nur Quatschmusik.“ Und es geht wirklich kreuz und quer durch die Musikgeschichte. „Ich habe Chorsätze von ‚Ashes to Ashes‘ von David Bowie oder ‚Ace of Spades‘ von Motörhead geschrieben und wir machen ‚Voodoo Child‘ in der Parasyte Woman Version. Das Stück ‚Im Kopf da träumt sich‘s gerne‘ stammt aus einer Theaterarbeit mit Gesche Piening. Für die Kunst-Performance ‚Sanatorium‘ von Anna McCarthy, die in Ambach am Starnberger See in einer stillgelegten Promi-Schönheitsklinik stattfand, haben wir den absurden Schlager ‚Das Starnberger See Lied‘ aufgeführt, in dem tatsächlich diese Schönheitsklinik vorkommt. Ein rechter Schmarrn, aber lustig war‘s. Vor kurzem haben wir den wunderschönen Trauermarsch ‚Coronach‘ von Franz Schubert einstudiert, der kam auch schon in einer kleinen Kapelle in Andechs zum Einsatz. Die Leute haben geweint, das war sehr schön!“

Schön traurig ist auch das Gedicht ‚Schwarze Sterne‘ von Else Lasker-Schüler, dem sich der Chor hier annimmt. Die Dichterin Else Lasker-Schüler (1869 – 1945) gilt bis heute als die bedeutendste Repräsentantin des deutschen Expressionismus und genießt hohe Anerkennung der literarischen Avantgarde. Über die Auswahl sagt Oesterhelt, „Manu singt zunächst John Keats ‚Ode on melancholy‘ – ein Klassiker der englischen Dichtung – als Solo. Dann singt der Chor Teile von ‚Schwarze Sterne‘. Auf Grund der gesellschaftlichen Situation finde ich es äußerst passend, diese Autoren zu vertonen. Der Zuhörer muss dann selbst entscheiden, ob der Text ihm was sagt.“

Den Zuhörer erwartet bei der Uraufführung am 13.11. auf jeden Fall „ein spannendes Experiment“, so Oesterhelt. „Man weiß ja nie was bei so einer komplexen Kooperation herauskommt“. Auf die Frage nach weiteren Aufführungen sagt Rzytki, „im Moment ist zwar nur die Uraufführung geplant, aber da es ein wirklich schönes Werk ist, finde ich, sollte man es noch öfter zu hören bekommen, wir haben‘s jetzt auf jeden Fall im Chorrepertoire.“


Das Ensemble für synkretische Musik, Manuela Rzytki und der Köşk-Chor spielen ‚Schwarze Sterne‘ am 13. November um 20 Uhr @ Köşk. Tickets: ab 12 Euro > Vorverkauf


Komposition: Carl Oesterhelt; Text: Else Lasker-Schüler
Besetzung: Manuela Rzytki – Gesang, Analog Synthesizer; Gertrud Schilde – Violine; Joerg Widmoser – Violine; Andreas Höricht – Viola; Klaus Kämper – Violoncello; Sachiko Hara – Analog Synthesizer; Salewski – Analog Synthesizer; Carl Oesterhelt – Analog Synthesizer und der Köşk-Chor.


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