15. Juli curt präsentiert: Ryan Adams

Das Wunderkind des Rock ’n’ Roll, um die Jahrestausendwende der Messias aufstrebender junger Jeansjacken-Patch-Fanatiker mit einem Veilchen Country unter dem Auge, hatte 17 Jahre Zeit, die Erwartungen von Rolling Stone und Co. zu erfüllen. Doch abermals kamen ihm nicht nur Querelen vonseiten gieriger Plattenfirmen auf der Suche nach „the next big thing“ in die Quere, sondern auch das Persönliche. Eben das, was Ryan Adams nicht nach Brian Adams klingen lässt und warum er schlicht und ergreifend keine Zeit hatte, „Rock ‘n‘ Roll“ zu retten.

15 Alben später und zwei Jahre nach seinem Überraschungserfolg des in voller Länge und beachtlich innovativ und feinfühlig reinterpretierten Machwerks „1989“ aus der Retortenküche um Ex-Fellow-Country-Chick Taylor Swift, geht seit Mitte Februar wieder ein Ruck durch die Wohnzimmer der Republik. Mit „Prisoner“ legt Adams heuer abermals ein Album vor, das nur so vor Herzschmerz trieft und ihn auf die Suche nach seinen Wurzeln schickt. Geboren aus Selbstmitleid und Egozentrik, entwachsen aus der medial ausgeschlachteten Scheidung um Pop- und Schauspiel Kaugummi-Girl Mandy Moore, fällt der Blick nun auf 12 neue Songs, die mal sehr gefällig, mal an alte Glanztaten des „Heartbreaker“ erinnern.

War man Anfang dieses Jahres kurzzeitig in Schockstarre verfallen und mit Suizidgedanken anlässlich des Doppel-Single-Realeases von Ed Sheeran beschäftigt, schafft Adams mit der Single „Do you still love me?“ schließlich die Power-Ballade, nach der sich nicht nur Fans sondern auch alle, die ein bisschen musikalisch erwachsen geworden sind, gesehnt haben.

Und ja, mit Adams ist es so eine Sache. Geliebt, gefeiert und oft enttäuscht Cannabis und die schon beschrieben Ärgernisse mit Knebelverträgen schlugen immer wieder Kerben in das Schaffen des feinfühligen, sich selbst und uns alle therapierenden Whiskey-Romantikers. Seine Posen erinnern an die Größen aus den Schallplatten-Fächern unserer Väter, ein bisschen Robert Plant, nach einer Flasche Whiskey auch gerne mal etwas Ozzy, aber das dafür immer linkisch und gebrochen. Adams, stets mit einem Zwinkern, schafft Spagate zwischen Genres, hat den Alternative Country an sich erfunden, fühlt sich aber auch in Band-Konstellationen von Punkrock bis Metal wohl.

„Prisoner“ ist in jedem Fall seine therapeutischste Platte und vermutlich das richtige Cannabis, um sich zu heilen von den Strapazen der Öffentlichkeit, den Querelen des Showgeschäfts, irgendwo auf dem Highway der Musik, der für ihn auch ein Stück weit die Suche ist, nach dem, wer er eigentlich selbst ist oder vor der Trennung einmal war.

Ryan Adams in Reinform. Genau das erwartet, und jetzt kommt der Ritterschlag, dieses Jahr soweit nur München und Berlin. Und ganz egal, ob man sich in am 15. Juli ins Muffatwerk wünscht, um sein ebenfalls gebrochenes Herz auszuwringen, oder sich einfach nur an grandiosen Gitarrenschmeichlern und einem der wenigen populären und dabei wirklich noch guten Songwriter mit Whiskeynote ergötzen will, der drückt die Gitterstäbe beiseite und lässt sich ein auf den unehelichen Sohn von Bob Dylan und Bruce Springsteen.

Unsere Verlosung ist beendet, die Gewinner wurden per E-Mail informiert.


curt präsentiert: Ryan Adams // 15. Juli // 20 Uhr // Muffathalle // Das Konzert ist ausverkauft!
> Facebook


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*