22. November
curt präsentiert: Perfume Genius

Mike Hadreas alias Perfume Genius tourt mit seiner dritten Platte, der im Mai diesen Jahres erschienenen No Shape, und er wird uns auch in München mit einem Konzert beehren. Seit der Veröffentlichung der Vorgängerplatte Too Bright ist der aus Seattle stammende Sänger und Musiker von der Kritik stärker beachtet und in den höchsten Tönen gelobt worden.

Vom Technikum ins Feierwerk Hansa39 verlegt, erwartet uns am 22. November Musik, die ihre Finger von der Bühne strecken wird, um die Seele des Einzelhörers zu berühren – Mike Hadreas singt einen melancholischen Soul, der tief geht – aber auch Tracks, die an die schillernden besten Tage von Disko erinnern. Slip away ist ein veritabler Tanzflächenhit, gesungen in herzerwärmender Kopfstimme, mit genau dem richtigem Maß Wumms, wenn es ans tänzerische Durchdrehen geht.

Mehr Uptempo, mehr tanzbare Beats als die Vorgängerplatte, Mike Hadreas singt mehr Falsett als zuvor – es geht also poppiger zu und die Einflüsse aus R&B und Soul liegen näher an der klanglichen Oberfläche. Es wäre aber nicht Perfume Genius, wenn die Retro-Einflüsse in den Songs nicht immer mit Kontrasten in den Sounds, den Arrangements oder der Stimmqualität kombiniert würden. Würde ja sonst langweilig.

Just like Love umgarnt seinen Hörer mit butterweichem Crooning und augenzwinkernd folkloristischen Streichern, dazu die ungewohnten Klänge eines Marxophons. Organisch-Handfestes wie Gitarre, durchweg bemerkenswert liebevoll ausgesuchte Perkussion, auch Rasseln und Glöckchen, pures Klavier stehen sehr hübsch und harmonisch neben ätherischen Elementen wie gelayertem Gesang, Chören und Synthies.

Es gibt beides: den glitzernden Bombast in Otherside, aber auch fast minimalistisch zu nennende Songs wie das zärtliche Valley mit Gitarre. Abwechslungsreiche Stimmfacetten und Arrangements gehen wunderschön Hand in Hand.

Gerade wenn Mike Hadreas’ sehr wandlungsfähiger Gesang nur zurückhaltend begleitet einfach wirken darf, bringt er sehr viel Eleganz und Grazie mit. Diese wird aber immer etwas aufgebrochen, etwa durch Beats oder eine unerwartete Instrumentierung. Keine Gefahr also, in den Kitsch abzudriften.
Mike Hadreas wurde von Adrian Utley (Portishead) für Too Bright und Blake Mills (u.a. Fiona Apple) für No Shape produziert, was angesichts des mit viel Fingerspitzengefühl umgesetzten Songwritings nicht verwundert.

Bei aller Freude am Anspielen auf unterschiedliche Musiktraditionen kann man aber auf jeden Fall einen Perfume-Genius-Stil ausmachen und dieser ist auch irgendwie zeitlos. Geschmackvoll ausgesuchte Synths und transzendent glitzernde Sounds, wandelbarer Gesang und deutliche Einflüsse aus Soul und R&B verbinden sich zu einem stimmigen Ganzen. Es ist Musik, die den Körper bewegt und das Gefühl. Go ahead beispielsweise ist ein so wundervoll wobbelnder R&B-Track, dass man kaum ruhig halten kann; von ruhigeren Tracks und den sensiblen Lyrics werden sich zarte Seelen verstanden fühlen. Streicher und Chöre für das Quäntchen Melancholie fehlen nicht, wir bekommen wieder das von Too Bright vertraute tröstliche Pathos. Hier allerdings versteckter, verkleidet in Grooves.

Was als misslingendes Miteinander-Sprechen in einem gesungenen Dialog mit Weyes Blood in Sides thematisiert wird, passiert, ich würde sagen, erfolgreich, in den Songs insgesamt: Sie treten in Dialog miteinander, vertreten unterschiedliche Stimmen, leise, laute, starke, weiche. Welche seiner vielen Facetten Perfume Genius am 22. November auf der Bühne präsentieren wird – lassen wir uns überraschen!

Unsere Verlosung ist beendet, die Gewinner wurden per E-Mail informiert.


curt präsentiert: Perfume Genius // Support: Tiger Tiger // 22. November // Einlass: 19 Uhr // Hansa39 (vom Technikum verlegt) // VVK 22 Euro zzgl. Gebühren > Homepage > Facebook


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*