Im Gespräch: Beate Muschler vom Neuen Maxim

Als im Sommer 2016 das endgültige Aus für das unabhängige Kino Maxim in Neuhausen verkündet wurde, schien das Schicksal mal wieder seinen bekannten Lauf zu nehmen. Nach 104 Jahren ununterbrochener Nutzung der Räume als Filmtheater sollte Platz gemacht werden für eine renditeträchtigere Verpachtung. Aber in diesem Fall stemmten sich vier kinobegeisterte Freunde erfolgreich gegen das drohende Unheil und konnten so das Lichtspielhaus retten. Nach einer umfangreichen Renovierung und dem Einbau eines zweiten Saals im Keller feierte das drittälteste Kino Münchens als Neues Maxim Anfang Oktober 2016 seine Premiere. curt sprach mit Beate Muschler über Tradition und Moderne rund ums Celluloid.

Beate, kannst du bitte die Macher/-innen hinter dem Neuen Maxim kurz vorstellen. Wer seid ihr, wo kommt ihr her, was schweißt euch für das Projekt zusammen?

Wir – Anne Harder, Bernd Krause, Regine Stoiber und ich – sind schon länger privat befreundet und teilen die Leidenschaft fürs Kino. Jeder von uns hatte ein bisschen den Traum vom eigenen Kino, aber keiner hätte das Projekt alleine geschafft. Nur als Team haben wir uns das zugetraut, und der Enthusiasmus für das Kino schweißt uns zusammen. Wir hoffen, dass das Neue Maxim Kino ein Ort wird, an dem künftig wieder Leben und Austausch stattfinden.

Seit wann beschäftigt ihr euch mit dem Gedanken, das Kino zu retten?
Als wir die Gerüchte über die Schließung mitbekamen, wurde uns schnell klar, dass sich uns hier die Chance bietet, unseren Traum umzusetzen. Wir haben mit dem Vermieter gesprochen und uns auf ein Konzept verständigt. Nach der Schließung im Juni hat der Hausherr angefangen umzubauen. Wir haben dann in sehr kurzer Zeit alle kinospezifischen Ein- und Umbauten vorgenommen. Das waren harte Monate, weil wirklich alles sehr schnell gehen musste, denn wir wollten zur Herbstsaison eröffnen und das Kino auch nicht zu lange leerstehen lassen.

Foto: Achim Schmidt

Ihr übernehmt ein Haus mit 100-jähriger Tradition – wie groß lastet diese Bürde auf den Schultern?
Gerade die Tradition treibt uns an. Wir wollten genau das erreichen: etwas so Traditionellem wieder neues Leben einhauchen. Deshalb haben wir auch bei der Renovierung darauf geachtet, Elemente des alten Gebäudes wie z. B. den
alten Boden im Saal oder eine alte Tür zu erhalten. Und dass der Vermieter die Fassade mit den Fenstern wieder in den Zustand von vor über 100 Jahren versetzt hat, als das Haus noch ein Kaufhaus war, passte genau zu unserer Idee der Verbindung von Tradition und Moderne. Konkurrenzlos in Neuhausen.

Was verbindet euch mit dem Stadtteil?

Wir sehen in der Lage in Neuhausen unser Alleinstellungsmerkmal, denn der Stadtteil ist sehr kulturaffin und die Neuhauser sind unheimlich aufgeschlossen und interessiert. Wir wollen diesem Stadtteil mit dem Neuen Maxim ein Kino bieten, in dem sich die Neuhauser wohlfühlen und ein breit gefächertes Filmprogramm sehen können.


Wie lief der Übergang?
Durch die umfangreiche Renovierung, den Einbau eines zweiten Saals und das Arthouse-Filmprogramm sehen wir unsere Kinoeröffnung nicht als Übergang, sondern als Neustart für ein über 100 Jahre altes Traditionskino.

Foto: Achim Schmidt

Auf was dürfen sich Kinofans bei ihrem Besuch bei euch freuen?
Im Fokus steht ein Kinoprogramm mit einem breit gefächerten Angebot an Arthouse-Filmen. Dazu kommen inhaltliche Schwerpunkte wie Kinderfilme, Dokumentarfilme, Filme in Originalsprache, Filmreihen usw. Zudem sind wir Heimat für verschiedene Festivals wie z. B. das Underdox-Festival, das gleich am Eröffnungswochenende bei uns war. Veranstaltungen sind ebenfalls geplant, dafür eignet sich ja besonders der große Saal mit den Fenstern, die Tageslicht hereinlassen. So ist etwa eine Lesung oder ein Konzert vorstellbar, idealerweise im Kontext zu einem Film, der bei uns im Programm läuft.

Wie interpretiert ihr Arthaus-Kino für euch im Jahr 2016? Wie seht ihr die Konkurrenz durch Heimkino und Streaming-Dienste?
Die ständige Verfügbarkeit schafft auch wieder Raum für eine Gegenbewegung, und die sehen wir gerade. Ein Kinobesuch ist ein anderes Erlebnis, als den Film zu Hause zu sehen, und wir möchten durch die Atmosphäre bei uns und den Barbereich im Foyer zu diesem Erlebnis beitragen. Und egal in welcher Form: Für gute Geschichten und gute Schauspieler interessieren sich die Zuschauer immer!

Wo möchtet ihr in einem Jahr stehen? Welche Schauspieler wären gern gesehene Gäste auf eurer Jubiläumsparty?
In einem Jahr wollen wir ein in Neuhausen und München geschätztes und gut besuchtes Kino sein, das aus der Kulturszene nicht mehr wegzudenken ist, mit besonderem Filmprogramm, Festivals und Kulturveranstaltungen, die in unseren Kinosälen spielen. Und wenn dann Isabelle Huppert, Greta Gerwig oder Lars Eidinger auf der Jubiläums-party erscheinen, dann ist uns der Neustart gelungen.

Habt ihr einen persönlichen Lieblingsfilm, den ihr ans Herz legen möchtet? Der Dokumentarfilm „Step across the border“ von Humbert/Penzel gehört für uns zu den schönsten Kinoerlebnissen – ein Film, in dem man Sehen und Hören komplett neu entdeckt.

Weitere Infos und das aktuelle Programm gibt es unter neues-maxim.de
Fotos: Achim Schmidt


Dieser Artikel ist in der curt Ausgabe #85 erschienen // Gestorben wird immer
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