Gehört: Motorpsycho – The Tower

Es wird eng im Plattenregal. Motorpsycho, Trondheims tollstes Trio veröffentlichen mit The Tower das 31. full-length Album verteilt auf 28 Jahre Bandgeschichte. Damit so eine lange Beziehung frisch und aufregend bleibt, braucht es hin und wieder ein paar kleine Veränderungen oder Überraschungen. Überraschend kam sicherlich der Ausstieg von Schlagzeuger Kenneth Kapstad im letzten Jahr. Ob das viele musikalische Fremdgehen des umtriebigen Drummers ausschlaggebend für die Trennung war, wäre reine Spekulation. Fakt ist, dass mit Tomas Järmyr schnell ein geeigneter Ersatz gefunden werden konnte. Der gebürtige Schwede hat ebenfalls am NTNU Konservatorium studiert und ist dank diverser Projekte in Norwegen kein Unbekannter. Willkommen bei den Psychonauts Tomas!

Nachdem der personelle Wechsel auch emotional verdaut worden ist, haben sich die beiden Gründer Bent Sæther und Hans Magnus Ryan auf jenes besonnen, was sie am besten können. Nämlich Musik schreiben, den musikalischen Horizont erweitern, sich immer wieder neu aufstellen. Diesmal geht die Reise in massivere Gefilde. Selber bezeichnet die Band einige der Stücke als die bislang härtesten Nummern im Programm von Motorpsycho, was im Vergleich zum eher getragenen Vorgänger Here Be Monsters sicher zutrifft.

Betrachtet man die 10, zum Teil überlangen Songs von The Tower im Gesamten und vergleicht sie mit den bisherigen Schaffensphasen der Band, stellt man indes fest, ganz so neu und ganz so heavy ist vieles dann letztlich auch wieder nicht. Viel eher wurde ein weiterer, perfekt geschliffener Stein ins Soundmosaik integriert. Geschickt zitiert die Band den 70er Jahre Hardrock von Bands wie UFO, Rush oder Cheap Trick, was perfekt zu den krautrockigen, spacigen oder auch beatlesken Elementen passt. Von babylonischer Verwirrung findet sich auf diesem Doppelalbum also keine Spur. Aufgenommen wurden die Stücke in Joshua Tree Studio in Kalifornien, was vielleicht auch zu der hörbaren Leichtigkeit von The Tower beigetragen hat. Gehen wir mal davon aus, dass mit dem neuen Mann am Schlagzeug eine neue Ära im Psychoverse beginnt, wird es auch zukünftig eng im Plattenregal zugehen.

Motorpsycho – The Tower // Rune Grammofon / Stickman Records // Soulfood Distribution // VÖ: 08.09.2017 // Motorpsycho > Homepage


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